Das Heslacher Hallenbad genießt einen hohen Stellenwert bei den Menschen. Foto: Steinert

Im Stuttgarter Süden fordern alle Fraktionen des Bezirksbeirats mehr Personal und lange Öffnungszeiten für das Hallenbad Heslach. Mehr als 50 Bürgerinnen und Bürger wohnen der Sitzung bei.

S-Süd - Am Ende herrschte Eintracht im Bezirksbeirat Süd: Einstimmig haben die Mitglieder bei der Sitzung am Dienstag einen interfraktionellen Antrag angenommen, in dem sie sich gegen den kontroversen Bäderentwicklungsplan 2030 ausgesprochen haben. Der Beschluss wurde von deutlich über 50 Bürgerinnen und Bürgern beklatscht, die sich zuvor an der Diskussion beteiligt hatten. Inhaltlich sind sich sowohl Bezirksbeiräte als auch die Besucher einig. Sie kritisieren vor allem einen zentralen Punkt des neuen Nutzungskonzeptes: Die Öffnungszeiten des Hallenbads Heslach für die Öffentlichkeit sollen demnach von aktuell 61 auf 37 Stunden in der Woche reduziert werden. Während dieser Zeit sollen künftig Vereine und Schulen das Bad nutzen können. Als Grund geben die Bäderbetriebe, die das Konzept im vergangenen November vorgestellt haben, Personalmangel an.

Intelligentes Konzept gefordert

Dieses Argument wollen die Bezirksbeiräte am Dienstag nicht gelten lassen. Sie fordern den Gemeinderat in ihrem Antrag vielmehr dazu auf, den Bäderentwicklungsplan zurückzustellen und zu überarbeiten. Außerdem sprechen sie sich gegen eine Reduzierung der Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit aus. Stattdessen sollen die Bäderbetriebe ein intelligentes Konzept entwickeln, das die parallele Nutzung des Hallenbades durch Vereine, Schulen und private Besucher vorsieht. Privater Schwimmunterricht soll weiterhin ohne Einschränkungen ermöglicht werden, die Sauna ohne Abstriche geöffnet bleiben. Obendrein soll – anders als bisher - immer Schwimmbadpersonal anwesend sein, wenn Schulen die Becken für ihren Schwimmunterricht nutzen. Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, so fordert der Bezirksbeirat, sollen die Bäderbetriebe stattdessen ein Konzept erstellen, wie der Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe (umgangssprachlich: Bademeister) attraktiver gestaltet werden kann – gerne auch durch finanzielle Anreize.

Die Bürger nutzen ihre Wortmeldungen, um den Entwurf zu unterstützen und weitere Argumente zu liefern. Einer Gruppe von Frauen liegt das Kursangebot des Hallenbads Heslach besonders am Herzen, zum Beispiel Schwimmkurse für Schwangere. „Ich komme jeden Donnerstag extra aus Vaihingen, wegen eines besonderen Fitnessprogramms“, berichtet eine von ihnen. „Der Bedarf ist so groß, dass es sogar Wartelisten gibt – eine Nachfrage, die Vereine allein niemals decken können.“ Immer wieder wird die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zitiert, derzufolge immer weniger Menschen schwimmen können; im vergangenen Jahr sei außerdem die Zahl der Badetoten in Deutschland deutlich angestiegen. Ein anwesender Bürger fordert schließlich, anstatt die Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit zu verkürzen, sollten diese noch verlängert werden, um auch Berufstätigen unter der Woche Zugang zu dem Bad zu ermöglichen.

Gremium bleibt am Thema dran

Letztlich wird der gemeinsame Antrag aller Fraktionen einstimmig angenommen und soll nun vom Gemeinderat geprüft werden. Die Wortmeldungen der Bürger werden über das Protokoll weitergeleitet. „Das Thema ist damit aber noch nicht abgeschlossen, wir werden uns deswegen definitiv noch einmal zusammensetzen“, prophezeit der stellvertretende Bezirksvorsteher, Wolfgang Jaworek (Grüne).

Zunächst liegt der Ball jetzt beim Bäderausschuss des Gemeinderats. Dieser hatte die Entscheidung über das neue Bäder­konzept ursprünglich für Ende März angesetzt. Bei der vergangenen Sitzung wurde diese dann aber auf den Donnerstag, 4. Juli verschoben.

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