In dem Neubau wird auf einer Nutzfläche von rund 8500 Quadratmetern auch ein Café angesiedelt sein. Foto: Nestel

Die Traditionsbäckerei Nestel verlagert ihren Firmensitz nach Großbottwar. Der Neubau wird über einen Verkaufsraum, ein Café – und eine Neuheit für den Kreis Ludwigsburg verfügen.

Pendler können die momentan vielleicht größte Baustelle in Großbottwar kaum übersehen. Das Grundstück liegt direkt an der Ortsdurchfahrt, Hunderte Autos schieben sich hier täglich vorbei. Für Stephanie Tadday und ihren Bruder Christian Nestel ist diese Lage ein Glücksfall. Denn die beiden lassen auf dem Grundstück mit ihrer Schwester Michaela Ritz den neuen Firmensitz der Traditionsbäckerei Nestel errichten. Und eine gute Anbindung ist dabei ein wichtiger Faktor, zumal auf Autofahrer ein besonderes Schmankerl wartet: der wohl erste Drive-in-Schalter im Landkreis Ludwigsburg für Brezeln, Brötchen und Co.

 

Die Arbeiten auf dem 6000 Quadratmeter großen Areal haben vor den Sommerferien begonnen. Allerdings mit einem Schritt, der für die Geschwister in dem Ausmaß nicht absehbar war. Mehr als 400 Betonpfeiler mussten bis zu 14 Meter tief in den Boden gerammt werden.


„Wir wussten schon, dass wir etwas wegen des Bodens machen müssen, aber nicht, dass es um solche Dimensionen gehen würde. An der Stelle war früher Sumpfgebiet, der Untergrund ist also relativ feucht, sodass es die Pfählung braucht, um die ganzen Lasten zu tragen“, erläutert Christian Nestel. Stephanie Tadday ist auch dankbar, dass die Anwohner das wochenlange Hämmern und Stampfen ohne vernehmbares Murren ertragen haben. „Das hat schon ziemlich laut geklopft“, sagt sie.

Der offizielle Spatenstich ist jetzt auch schon über die Bühne gegangen. Foto: Qingwei Chen

Die gute Nachricht ist, dass die Pfeiler nun allesamt im Erdreich stecken und der eigentliche Rohbau beginnen kann. Der offizielle Spatenstich wurde am Mittwochmittag gefeiert. „Damit liegen wir voll im Zeitplan. Das Gebäude soll im Sommer 2026 stehen. Dann kommt der ganze Innenausbau. Im Mai 2027 wollen wir mit dem Betrieb starten“, kündigt Stephanie Tadday an.

Für die alte Zentrale wird nach einer Lösung gesucht

Dann werden auch die Zeiten vorbei sein, als von der bisherigen Zentrale in Oberstenfeld aus geschaltet und gewaltet wurde. Die Filiale dort bleibe zwar erhalten, betont Tadday. Gebacken werde aber nur noch für die Filiale selbst. „Für die frei werdenden Räumlichkeiten in Oberstenfeld suchen wir noch nach einer Lösung. Es ist aber derzeit nicht so leicht, für Gewerbeflächen einen Mieter zu finden“, sagt die 42-Jährige.

Die komplette Verwaltung und das Herz des Betriebs, die Backstube, werden nach Großbottwar verlagert. Dort kann sich das Unternehmen auf 8500 Quadratmetern entfalten. Aktuell muss man sich mit weniger als einem Achtel begnügen. Das hat zur Folge, dass die Flächen für das Reifen der Rohlinge beschränkt sind.

In Großbottwar wird man dagegen platztechnisch in ganz neue Dimensionen vorstoßen. „Dadurch können wir die Qualität der Ware sogar noch einmal verbessern. Alle Produkte werden eine längere Zeit zum Reifen haben, um ihren vollen Geschmack entfalten zu können“, erklärt Christian Nestel.

Gebaut wird direkt am Ortseingang von Großbottwar, aus Richtung Oberstenfeld kommend, auf einem 60 Ar großen Grundstück. Foto: Werner Kuhnle

Die Geschwister sind zudem mit dem Anspruch an das Projekt gegangen, einen der modernsten Bäckereibetriebe der Region zu realisieren. Das betrifft zum einen die Arbeitsplätze. Selbstverständlich würden die Rohlinge von Hand zubereitet, aber dann rückenschonend von einem Belader in den Ofen geschoben, betont Nestel.

Die größere Staufläche in den Kühlräumen erlaube es auch, mehr Ware in Tagschichten vorzubereiten. Dazu werde die Backstube mit vielen Oberlichtern ausgestattet sein. Es würden dort auch angenehme Temperaturen herrschen. „Das ist für eine Bäckerei sonst nicht üblich“, betont er. Selbst ein Fitnessraum solle perspektivisch für das Team eingerichtet werden.

Bei all dem soll aber zum anderen auch der Klimaschutz nicht zu kurz kommen. „Wir haben das Gebäude komplett ohne Heizung geplant, wollen vor allem die Prozessenergie zum Heizen und für die Warmwasseraufbereitung nutzen“, erklärt Christian Nestel. Konkret bedeutet das, dass zum Beispiel die immense Abwärme der Öfen aufgefangen und in einem 26.000 Liter fassenden Wassertank gespeichert wird. Gekühlt werde über zwei Brunnen und mit dem natürlichen Kältemittel CO2. Den Strom für den Betrieb werde man teilweise über eine 400 Kilowatt-Peak starke PV-Anlage auf dem Dach selbst produzieren.

Einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag werden die Nestels dafür in die Hand nehmen. Inkludiert sind dabei unter anderem auch der Verkaufsraum mit Café und der Drive-in-Schalter, mit dem der Familienbetrieb im benachbarten Beilstein im Landkreis Heilbronn bereits gute Erfahrungen gemacht hat.

Filialnetz soll erweitert werden

Christian Nestel beteuert zugleich, dass kein Verkehrschaos rund um die neue Zentrale zu befürchten sei. Dank der Lage am Ortsausgang Richtung Oberstenfeld und direkt an der Durchfahrtsstraße könne das Gebäude problemlos angedient werden und der Verkehr gut abfließen.

Im Hinblick auf die Anzahl der Zweigstellen bringt der neue Hauptsitz dem Bäckereibetrieb ebenfalls mehr Beinfreiheit. Durch die erhöhten Backflächen könne und wolle man das Filialnetz weiter aufspannen, sagen Stephanie Tadday und Christian Nestel. In welchen Kommunen das der Fall sein wird, stehe aber noch nicht fest. „Wenn sich aktuell etwas ergibt, werden wir uns damit eingehender beschäftigen“, kündigt Tadday an.

Umzug aus Oberstenfeld

Umzug
Die Bäckerei Nestel hat ihren Hauptsitz in Oberstenfeld, wird diesen aber nach Großbottwar verlagern. Gebaut wird am Ortsausgang Richtung Oberstenfeld auf einem 60 Ar großen Grundstück, auf dem vorher ein Treppenbauunternehmen angesiedelt war.

Filialen
Nestel beschäftigt rund 245 Mitarbeiter und betreibt elf Filialen in den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn. Zuletzt kam eine Niederlassung in Flein hinzu. Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.