Bäcker Lang Mit dem Investor wächst die Zuversicht

Von Stefanie Köhler 

Eine Filiale der Bäckerei Lang in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Eine Filiale der Bäckerei Lang in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Belegschaft der angeschlagenen Traditionsbäckerei Lang blickt dieser Tage erleichtert in die Zukunft. Der neue Besitzer aus München will auch die Filialen umbauen. Branchenkenner halten die Modernisierung für dringend nötig. Und exklusive Backware.

Stuttgart - Die Beschäftigten der Bäckerei Lang verkaufen ihre Brötchen und Kuchen wieder mit einem Lächeln auf den Lippen. Neben Fragen zu Zutaten in Backwaren kommen an jenem Dienstag von den Kunden in der Stuttgarter Innenstadt neugierige Fragen zur aktuellen Situation der jetzt aus der Insolvenz geretteten Traditionsbäckerei. Die Angestellten geben allerdings nur so viel preis: „Wir sind froh, dass es weitergeht.“ Auch in den Führungsetage herrsche eine sehr positive Stimmung, sagt Veronika Höber, Sprecherin des Stuttgarter Insolvenzverwalters Wolfgang Bilgery von der Anwaltskanzlei Grub Brugger. „Tatsächlich überwiegt bei allen Beteiligten die Erleichterung, es gab ein allgemeines Aufatmen.Alle sind glücklich darüber, dass man sich jetzt der Zukunft zuwenden kann.“

Am Montagabend haben die Gläubiger der angeschlagenen Bäckereikette Max Lang das Übernahmeangebot der Münchner Unternehmensholding Quantum Capital Partners einstimmig angenommen – und den Angeboten von zwei weiteren Interessenten eine Absage erteilt. „Quantum Capital Partners hat von allen möglichen Kandidaten das überzeugendste Fortführungskonzept vorgelegt, und Fortführung hatte Priorität“, sagt Höber.

Mit der Münchner Holding hat das schwäbische Unternehmen mit Sitz in Freiberg am Neckar im Kreis Ludwigsburg einen neuen Besitzer, der sich nach eigenen Angaben „auf Unternehmen mit erheblichem Entwicklungspotenzial“ konzentriert und „Unternehmen in herausfordernden Situationen“ erwirbt. Zur Gruppe der Investoren unter der Führung der Münchner Holding gehören auch die bisherigen Gesellschafter Carl Peter und Christian Dinkelacker sowie die ASW Capital GmbH. Was bedeutet, dass die Familie Lang raus ist aus dem Betrieb. Sie hat bis zuletzt 37 Prozent der Anteile des Unternehmens gehalten, das es seit 80 Jahren gibt.

Weitere Veränderungen in der Zukunft

Mit der Umsetzung des Insolvenzplans verschwinden insgesamt 109 Arbeitsplätze, 64 in den Filialen und 45 am Firmensitz in Freiberg. Von den einst rund 550 Mitarbeitern in 150 Filialen in Baden-Württemberg und Bayern bleiben knapp 400 Beschäftigte in 118 Filialen übrig. Derzeit gibt es im Großraum Stuttgart noch 103 Filialen, neun davon schließen bis Ende Juli.

Doch auch in etwas fernerer Zukunft kommen auf die Beschäftigten Veränderungen zu, wenngleich diese dann positiv sind. In vielen – veralteten – Filialen sollen sowohl die Ausstattung wie auch die Produktion zeitgemäßer werden. Die Kunden werden zum Beispiel künftig an modernen Theken bedient, sitzen auf neuen Stühlen an neuen Tischen, an denen sie Backwaren essen, die Maschinen auf dem neuen Stand der Technik herstellen. „Außerdem werden künftig mehr Arbeitsschritte in die Filialen verlegt, damit die Produkte noch frischer sind“, sagt Sprecherin Veronika Höber.

Branchenkenner wie Dieter Kindler, der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten, halten solche Investitionen für angebracht und hilfreich. „Jeder, der eine Filiale betritt, ist ein potenzieller Käufer. Er wertet es als gutes Zeichen zu sehen, dass hier etwas getan wird.“

Jährlich schließen zwei bis drei Prozent der backenden Betriebe

Die Modernisierung soll – ebenso wie die Verschmelzung der Max Lang Bäckerei-Konditorei und der Bäckerschmiede (Stefansbäck) zu einer Gesellschaft – dazu beitragen, in der hart umkämpften Bäckereibranche zu überleben. „Der Wettbewerb durch den Lebensmitteleinzelhandel hat stark zugenommen“, sagt Peter Becker, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Supermärkte und Discounter, die Backwaren in Backstationen und Back-Shops verkauften, seien immer flächendeckender vertreten. Die Folge: Jährlich schließen zwei bis drei Prozent der backenden Betriebe – das gilt im Bund wie im Land. 2014 gab es in Deutschland noch rund 12 600 Bäckereibetriebe.

Aus Sicht von Kindler müssen Bäckereien deshalb auch Backware anbieten, die nicht vergleichbar ist. „Es ist wichtig, ein Alleinstellungsmerkmal zu haben und Produkte zu verkaufen, die der Kunde nirgends sonst findet.“ Obendrein könnten selbst hergestellte Brote und Brötchen besonders bei Kunden in Wohngegenden punkten. Fernab des stressigen Büroalltags spiele das Essen eine wichtigere Rolle. „Qualität ist grundsätzlich wichtig. Dazu gehört auch eine Verkäuferin, die berät – und zwar gut. Das wird in Wohngegenden erwartet.“

Lesen Sie jetzt