So gelöst kann die Stimmung bei der Stallwächterparty sein: Ein Foto von 2005 mit Angela Merkel, Günther Oettinger (beide CDU) und Manfred Stolpe (SPD). Foto: dpa

Angemeldet sind die Unions-Kontrahenten beim Sommerfest in der baden-württembergischen Landesvertretung am Donnerstagabend– aber ob sie auch kommen? Und sich dort vielleicht versöhnen?

Berlin - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat am Donnerstagabend einen wichtigen und geselligen Termin in Berlin: Um 18.30 Uhr beginnt dort die traditionelle Stallwächterparty in der baden-württembergischen Landesvertretung mit 1500 geladenen Gästen aus Politik, Diplomatie und Medienwelt. „Angemeldet sind auch Angela Merkel und Horst Seehofer“, hatte Kretschmann kürzlich vor der Landespresse in Stuttgart berichtet. „Das wird interessant, wenn beide kommen.“ Man habe übrigens „kein Interesse an einem Auseinanderfallen der Union“, hatte Kretschmann betont. „Ihr Moderator möchte ich aber auch nicht sein.“ Den Streit der letzten Wochen in der Union findet der Grüne im übrigen unterirdisch, der suche seinesgleichen und „habe das Ansehen der Politik beschädigt“.

Der Gastgeber muss für gute Stimmung sorgen

Aber Schwamm drüber. Am Donnerstagabend wird gefeiert. Gut möglich, dass sich Merkel und Seehofer bei einem Glas Weißwein in der Obhut von Schwaben und Badenern versöhnen. Oder werden sie die Nähe meiden? Kommen sie überhaupt? Wenn Kretschmann schon nicht „Moderator“ sein will, ein guter Gastgeber ist immerhin verpflichtet, für einen harmonischen Grundton in der Gästeschaft zu sorgen. Und gegebenenfalls potenzielle Streithähne auf Distanz zu halten. Das Motto der diesjährigen Sommerfete heißt „Arten, Vielfalt, Leben“ – es hebt auf die biologische Artenvielfalt und deren Bedrohung ab, ein Lieblingsthema von Kretschmann und thematisch sicher ein neutrales Terrain für Small Talk abseits von Transitzentren und Zurückweisungen.

Zeitgleich ist für den Abend allerdings eine Tagung des Koalitionsausschusses angesetzt. Es könnte also spät werden, doch die Stallwächterpartys haben einen langen Atem – und man darf auch sehr spät kommen, getreu dem Motto „Je später der Abend, desto schöner die Gäste“. „Gut möglich, dass die bis um 4.30 Uhr am Morgen feiern“, sagt ein Mitarbeiter der schmucken Landesvertretung in der Tiergartenstraße im Berliner Botschaftsviertel.

Einst ein Grillfest für diejenigen, die Stallwache halten

Die Stallwächterparty wird diesmal zum 55sten mal gefeiert. Sie war im August 1964 in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn mit einem spontanen Grillfest in der Landesvertretung gegründet worden, als ein Fest für diejenigen, die in den Parlamentsferien gewissermaßen „Stallwache“ halten. Mittlerweile hat sich das Event zu einem der größten politischen Sommerfeste entwickelt. Die Kosten betragen fast eine Viertelmillion Euro, doch am Landesetat bleibt nur ein kleiner Bruchteil hängen, den Löwenanteil tragen mit Geld und Sachspenden rund 50 Sponsoren, deren Namen die Staatskanzlei auf ihrer Website veröffentlicht. Die Liste reicht von der Allgäuer Emmentalerkäserei Leupholz über die Edelbrennerei Wurth bis hin zur Universität Hohenheim.

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