Kreuzungsfrei und mindestens vier Meter breit: ein Radschnellweg Foto: dpa

Der Landesverkehrsminister macht Tempo: Winfried Hermann (Grüne) will Berufspendler mit Rad-„Autobahnen“ motivieren, aufs Zweirad umzusteigen.

Stuttgart - Mit Helm auf dem Kopf und sein Dienstrad in die Räumlichkeiten der Landespressekonferenz schiebend, hat Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Donnerstag in Stuttgart die Presse gleich aufs Thema eingestimmt: die Radverkehrspolitik der grün-schwarzen Landesregierung. Den Stau, den Lärm und die Luftverschmutzung zu vermeiden, das gehe mit dem Fahrrad bestens, sagt Hermann. Und das sei vor 200 Jahren in Mannheim erfunden worden.

„Wir wollen mehr Menschen dazu motivieren, ihren Weg zur Arbeit mit dem Rad zurückzulegen.“ Am besten gehe das mitattraktiven Radwegen. Sie zu bauen ist einerseits Sache der Kommunen. Und Hermann lobte als vorbildliches Beispiel Karlsruhe, wo der Anteil des Radverkehrs binnen zehn Jahren um zehn Prozent gesteigert worden sei. Aber auch das Land mischt selbst mit beim Radwegebau, vor allem bei den Radschnellwegen.

„Das sind eigentlich keine Wege, das sind Straßen“

„Bis zum Jahr 2025 wollen wir im Land zehn solcher Verbindungen verwirklichen“, sagt Hermann. Diese Autobahnen für die Radler müssen bestimmte Anforderungen erfüllen: Mindestens vier Meter breit und kreuzungsfrei, das heißt mit Unterführungen oder Überführungen ausgestattet, sollten sie sein. Außerdem sollte die Gesamtlänge mindestens fünf Kilometer betragen. „Das sind eigentlich keine Wege, das sind Straßen“, sagt Hermann.

In einer Analyse hat Hermanns Ministerium 70 potenzielle Korridore für Radschnellwege im Land untersucht. „Wir sind das erste Bundesland, das sich flächendeckend den Bedarf im Land angeschaut hat“, bemerkte Hermann. Eine Schwelle, um in den vordringlichen Bedarf für die Planung eines Radschnellweges zu kommen, ist eine Tagesnutzung von 2000 Radfahrern. 32 der untersuchten Strecken erfüllten das Kriterium und gelten als vordringlich, 20 liegen „knapp unter“ der Marke von 2000 Radlern und haben immerhin „Potenzial“. Die restlichen 18 liegen unter 1500 Nutzern. „Wir wollen nicht ins Blaue hinein bauen, sondern effizient und sparsam“, gibt Hermann als Parole aus.

In drei Pilotprojekten, in denen das Land federführend den Radschnellwegebau vorantreibt, geht es schon flott voran. Es sind die Strecken Heidelberg–Mannheim, für die bereits eine Machbarkeitsstudie vorliegt, zudem die Strecken Heilbronn–Neckarsulm sowie Stuttgart–Esslingen– Plochingen. Bei einem vierten Radschnellweg, der vom Kreis Böblingen vorangetriebenen Trasse Böblingen–Sindelfingen, stehe der Baustart unmittelbar bevor, sagte Hermann. Hier gibt es die Option der Verlängerung nach Herrenberg.

Drei Pilotprojekte, die das Land federführend vorantreibt

An den Machbarkeitsstudien für Radschnellwege kann sich das Land mit einem Zuschuss von 80 Prozent beteiligen. 40 solcher Studien werden derzeit finanziert. Die Summen, die Baden-Württemberg für den Radwegebau ausgibt, sind im Vergleich zu den Kosten des Straßenbaus noch bescheiden, aber sie steigen nach und nach: So fördert das Land von 2018 bis 2022 fast 100 Projekte für Rad- und Fußgängerwege mit 46 Millionen Euro, es baut mit Städten und Gemeinden ein 7000 Kilometer langes Radnetz auf. Allein 2018 werden dafür 20 Millionen Euro ausgegeben.

Hundert Kommunen machen beim „Stadtradeln“ mit

Auch an Bundesstraßen und Landesstraßen werden Radwege angelegt – in diesem Jahr für zwölf Millionen Euro an Bundesstraßen (31 Kilometer) beziehungsweise 16 Millionen Euro an Landesstraßen (35 Kilometer). Im Vergleich zum reinen Straßenbau, wo das Land jährlich gut eine Milliarde für Bau und Erhaltung der Landes- und Bundesstraßen ausgibt, sind die Radwegekosten noch relativ niedrig. Immerhin hat der Bund erstmals 25 Millionen Euro für den Radschnellwegebau bewilligt – allerdings für die gesamte Republik.

Auch die Motivation spielt beim Umsteigen aufs Rad eine Rolle. Minister Hermann zeigte sich daher erfreut, dass bereits 100 Kommunen beim sogenannten Stadt­radeln mitmachen, bei dem Pendlerteams auf dem Rad für jeden Kilometer Punkte sammeln und Preise gewinnen können. Eine andere Kampagne heißt Radkultur, sie bietet Unternehmen Unterstützung an, wenn sie Menschen fürs Pendeln mit dem Rad begeistern. Acht Städte aus dem Land machen bei Radkultur schon mit.

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