Mehr Zeit in der Grundschule Foto: dpa

Rund 200 Grundschulen im Land wollen nach den Sommerferien ihr Ganztagsangebot verbessern.

Stuttgart - Bei den Ganztagsgrundschulen ist Baden-Württemberg Schlusslicht. Rund 370 der über 2400 Grundschulen haben ­verlässliche Angebote am Nachmittag, das sind gerade einmal 15 Prozent. Auch Grün-Rot hat eine Weile gebraucht, um den Ausbau auf den Weg zu bringen. Im Januar ­einigten sich Land und Kommunen schließlich – bis 2023 sollen alle Eltern von Grundschülern wählen können, ob sie ihre Kinder in die Halb- oder in die Ganztagsschule schicken. Die Kommunen können selbst entscheiden, ob die Schule an drei oder an vier Tagen und sieben oder acht Stunden geöffnet ist. Je nach Dauer erhalten die Schulen sechs bis zwölf Lehrerstunden zusätzlich pro Woche.

In den Kommunen kommt das Angebot ­offenbar gut an. Rund 200 Grundschulen ­haben den Schulämtern bis Ende März gemeldet, dass sie zum nächsten Schuljahr Ganztagsschule werden möchten oder ihr bisheriges Ganztagsmodell auf das neue umstellen wollen. Die Nachfrage könnte allerdings weiter steigen. Denn die offizielle Antragsfrist endet erst am 30. April – auch Schulen, die ihr Interesse noch nicht be­kundet haben, könnten sich noch bewerben.

Zu den Spitzenreitern bei den Interessenten gehört Aalen, dort sind bisher drei der 14 Grundschulen Ganztagsschulen. Sechs weitere Grundschulen wollten bis Ende April einen Antrag stellen. Dies sei ein wichtiger Baustein für mehr Bildungsgerechtigkeit in Aalen, sagte Oberbürgermeister Thilo Rentschler. „Mit den verschiedenen Formen der Ganztagesgrundschule in Kombination mit neuen ergänzenden Angeboten können Familien flexible Betreuungsbausteine wählen, die auf die Bedürfnisse des Kindes und der Familie zugeschnitten sind.“

Stuttgart habe Anträge für sieben Ganztagsgrundschulen gestellt und habe am Montag die Genehmigung für alle sieben erhalten, sagte Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann. Das sind die Grundschule Obertürkheim, die Mühlbachhofschule, die Martin-Luther-Schule, die Pestalozzischule, die Rappachschule, die Wolfbuschschule und die Schönbuchschule. Damit erhöht sich die Zahl der Ganztagsschulen von 21 auf 28. Insgesamt hat Stuttgart 72 Grundschulen. In den nächsten Jahren sollen jeweils acht Halbtagsgrundschulen auf Ganztag umgestellt werden, so Eisenmann.

Dass sich trotz der extrem kurzen Frist so viele Interessenten gemeldet hätten, sei erfreulich, sagte Städtetagsdezernent Norbert Brugger. „Hinter jedem Antrag steckt sehr viel Informations- und Abstimmungsaufwand der Städte bei Schulen und Eltern. Oft ist auch noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Obwohl das neue Gesetz die Rahmenbedingungen verbessern wird, ist die Ganztagsgrundschule kein Selbstläufer.“

Bei den kleineren Kommunen gebe es noch viel Abstimmungsbedarf, berichtete Gemeindetagspräsident Roger Kehle. „Vielen Lehrern und Eltern ist noch nicht klar, was möglich ist und was nicht“. Kommunen und Schulen bräuchten noch zusätzliche Informationen. „Eine Handreichung wäre sinnvoll“, so Kehle.

Wie viele Ganztagsschulen genehmigt werden, ist noch offen. Eine Entscheidung falle erst, wenn die endgültige Zahl der Bewerbungen vorliege, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Dann sei klar, wie viele zusätzlichen Lehrerstunden notwendig seien. Zusätzliche Stellen werden nicht geschaffen – im Gegenteil. Wegen des Schülerrückgangs sollen in diesem Jahr 1200 Stellen wegfallen. Kultusminister Andreas Stoch (SPD) hatte wegen der kurzen Bewerbungsfrist erst zum Schuljahr 2015/16 mit einer größeren Bewerbungswelle gerechnet.

Ein Teil der 200 Interessenten sind bereits Ganztagsschule – aber mit ungünstigeren Bedingungen. Sie haben weniger Lehrerstunden für das Nachmittagsangebot als die künftigen Ganztagsschulen und arbeiten vor allem mit außerschulischen Kräften, wie Übungsleitern aus Sportvereinen, Musikschullehrern oder Jugendbegleitern. Diese können auch weiter mitarbeiten. Bis zu 50 Prozent der Mittel für die zusätzlichen Lehrer können ausbezahlt werden und für diese oder auch Betreuung vor und nach der Ganztagsschule verwendet werden.

Ganztagsgrundschulen können Kommunen beantragen, wenn Lehrer und Eltern zustimmen und mindestens 25 Schüler daran teilnehmen. Die Schule entscheidet auch über Öffnungszeiten und darüber, ob Schüler das Nachmittagsangebot freiwillig nutzen können oder ob es verpflichtend ist.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: