Der Südwesten behauptet sich als innovationsstärkste Region – doch unter der Oberfläche lauern Probleme. Die Erfinder arbeiten vor allem für große Konzerne, was zu unguten Abhängigkeitsverhältnissen führt.
Stuttgart - Es ist mehr als nur ein Gefühl, dass Baden-Württemberg das Land der Tüftler ist. Seit mehr als zehn Jahren steht der Südwesten auf Platz eins beim sogenannten Innovationsindex, in dem 60 europäische Regionen und Länder miteinander verglichen werden. Nirgendwo sonst in Europa gibt es eine solche Mischung aus hohen Forschungsinvestitionen, einem hohen Anteil an Forschungspersonal und daraus resultierenden Patentanmeldungen. Das ist in einer Zeit, in der sich gewaltige technologische Umbrüche vollziehen, mehr als nur eine gute Nachricht. Es ist eine Art Lebensversicherung für ein Land der Ideen, das mangels billiger Industrie-Arbeitskräfte technologisch immer zur Spitze gehören muss.
Zum Beispiel Daimlers neues E-Auto
Wie innovationsstark der Südwesten ist, zeigt momentan der Daimler-Konzern, der mit seinem neuen Elektro-Luxuswagen EQS einen großen technologischen Sprung macht. Jahrelang war der US-Hersteller Tesla so weit enteilt, dass man ihn kaum noch als Rivalen bezeichnen konnte. Nun holen Daimler und der Südwesten kräftig auf. Mit dem Forschungszentrum in Sindelfingen und der dortigen hochdigitalisierten Fabrik Factory 56 ist das Land technologisch weit oben angesiedelt.
Enge Gewinnspannen vieler Zulieferer
Die Innovationskraft konzentriert sich aber auf nur wenige große Unternehmen. Denn viele der Zulieferer mit ihren oft engen Gewinnspannen besitzen dafür kaum Spielraum. Sie könnten zu den Verlierern gehören, wenn die Großen Arbeiten in ihre eigenen Werke zurückholen, um den Wegfall von Jobs durch die E-Mobilität auszugleichen. Das Land hat somit allen Grund zum Stolz und keinerlei Anlass zur Selbstzufriedenheit.
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