Immer mehr Städte in Baden-Württemberg gehen gegen Wegwerfbecher für Coffee-to-go vor. Foto: dpa

Leertrinken und Wegwerfen: Pappbecher für Kaffee zum Mitnehmen landen nach wenigen Schlucken daraus schon im Müll. Viele Städte in Baden-Württemberg gehen dagegen nun vor.

Freiburg/Tübingen - Immer mehr baden-württembergische Städte sagen dem Müll durch Kaffee-Pappbecher den Kampf an. Nach einer Initiative für Mehrwegbecher in Tübingen führt die badische Universitätsstadt Freiburg ein Pfandsystem für wiederverwendbare Trinkgefäße ein. Die Aktion startet am Montag, wie der Geschäftsführer der Freiburger Stadtreinigung, Michael Broglin, sagte. Die Idee der Müllvermeidung beim Kaffeetrinken mithilfe von Mehrwegbechern verbreitet sich nach Angaben des Städtetags Baden-Württemberg zunehmend.

„Vor allem die Abfallwirtschaftsbetriebe starten immer öfter solche Aktionen und geben die Becher aus“, sagt Städtetagssprecherin Christiane Conzen. Die Verbraucher reagieren aber zögerlich, wie erste Erfahrungen zeigen. In der 86 000-Einwohner-Stadt Tübingen wurden seit April 2000 Becher verkauft. Ein Versuch der Stadt Freiburg im Frühjahr mit einer einzelnen Gaststätte rief geringe Resonanz hervor. Verbraucher nutzen weiter die praktischen - aber umweltschädlichen Einwegbecher - statt auf Mehrwegsysteme zu setzen, hieß es dort.

Freiburg führt Pfandsystem ein

Dennoch ist Freiburg nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe nun die erste baden-württembergische Stadt, die ein Pfandsystem einführt. Cafés und Bäckereiketten in der Innenstadt sind aufgerufen, die Mehrwegbecher mit Pfand zu belegen und wieder zurückzunehmen. Ziel sei es, den Müllberg in der Innenstadt zu verringern. „Die meisten Becher landen nicht im Mülleimer, sondern auf der Straße oder in der Landschaft“, sagte Broglin.

Der Bäckerinnungsverband Baden hat seinen Mitgliedsbetrieben empfohlen, sich mit der Becherfrage zu beschäftigen - auch wenn die Handhabung von Mehrwegbechern demnach schwieriger ist als das Verteilen von Pappbechern. „Wir nehmen Natürlichkeit und Nachhaltigkeit für uns in Anspruch, da gehört Abfallvermeidung dazu“, sagte Geschäftsführerein Ute Sagebiel-Hannich.

Stündlich 320 000 Papp-Kaffeebecher verbraucht

In Tübingen werden die Mehrwegbecher für Kaffee schon länger beworben. Wer seinen eigenen Becher mitbringt, bekommt den Kaffee günstiger. Zum Verkauf von 2000 Aktions-Mehrwegbechern seit April sagt die Umweltkoordinatorin der Universität Tübingen, Hedwig Ogrzewalla: „So was braucht immer Zeit.“ Die Universität betreibt die Becheraktion mit dem Namen „tü-go“ unter anderem zusammen mit Gewerbetreibenden und der Stadtverwaltung. Bei den Läden kommt die Idee offenbar an: Statt der einst 12 Cafés verkaufen nun schon 19 ihren Kaffee billiger an Nutzer von Mehrwegbechern.

In Deutschland werden nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe stündlich 320 000 Papp-Kaffeebecher verbraucht. Der Verband begrüßt die lokalen Initiativen für Mehrwegbecher und wünscht sich einem Sprecher zufolge darüber hinaus ein bundesweites Pfandsystem.

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