Ulmer Münster ist mit mehr als 161 Meter Höhe der höchste Kirchturm der Welt Foto: dpa

Ein Feuer wie in Notre Dame ist auch in baden-württembergischen Kirchen nicht auszuschließen. Das Landesamt für Denkmalpflege sagt: „die Gefahr besteht immer“.

Esslingen - Ein Brand wie in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist nach Einschätzung des Landesamts für Denkmalpflege auch in den jahrhundertealten Kirchen in Baden-Württemberg nicht auszuschließen. „Was in Paris passiert ist, lässt sich, wenn man ehrlich ist, nirgends ausschließen“, sagte der Amtspräsident Claus Wolf am Dienstag in Esslingen.

In Paris sei es möglicherweise zu einem Kurzschluss bei Bauarbeiten gekommen. „Die Gefahr besteht natürlich immer, weil diese Kirchenbauten, die aus dem Mittelalter stammen, einfach nicht so sind, dass sie da überall Steckdosen für Starkstrom haben“, erklärte Wolf. „Das heißt, sie müssen den Strom immer von außen irgendwie reinbringen. Und wenn da Hunderte von Kabeln verlegt sind mit irgendwelchen Stromkästen, kann es natürlich immer mal passieren, dass da ein Fehler passiert.“

Freiburger Münster hat ebenfalls einen Dachstuhl aus Holz

Nach dem Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame haben sich die Münsterbaumeister in Ulm und Freiburg zur Brandgefahr in beiden gotischen Kirchen geäußert. Ähnlich wie im Pariser Gotteshaus besteht der Dachstuhl des Freiburger Münsters aus Holz. Münsterbaumeisterin Yvonne Faller sagte am Dienstag, man versuche daher das Risiko durch vorbeugenden Brandschutzes zu senken. Im Bereich des Dachs sei eine Brandmeldeanlage angebracht, die Gefahr frühzeitig anzeigen könne.

Faller sagte, sie halte wenig von Sprinkleranlagen. Solche automatischen Löschanlagen könnten durch das hinausgepumpte Wasser erhebliche Schäden an einem Kirchengewölbe anrichten. Man berate, wie die ohnehin hohen Sicherheitsbestimmungen während Bauarbeiten weiter verbessert werden könnten.

Moderne Brandmeldeanlage in Ulm

Zunächst war unklar, wieso Feuer in der Pariser Kathedrale ausgebrochen war. Es gab aber die Vermutung, der Brand könnte mit Bauarbeiten auf dem Dach zusammenhängen. Auch Michael Hilbert, Münsterbaumeister in Ulm, nannte vor allem vorbeugenden Brandschutz als Möglichkeit, ähnliche Katastrophen zu vermeiden. Dass es in der berühmten Ulmer Kirche seit dem 19. Jahrhundert ein Dachstuhl aus Metall gibt, sei mit Blick auf den Brandschutz eine gute Sache.

Das Ulmer Münster sei seit einigen Jahren auch mit einer modernen Brandmeldeanlage ausgestattet. Zudem seien Gegenstände aus Holz - etwa alte Kirchenbänke - aus dem Dachstuhl entfernt worden, so dass bei einem möglichen Feuer wenig brennbares Material vorhanden ist. Wie seine Kollegin Yvonne Faller hält auch er wenig von Sprinkleranlagen.

Beide Münsterbaumeister zeigten sich betroffen von den Ereignissen in Paris. Nach dem Feuer in Notre-Dame läuteten am Dienstag um 12 Uhr Glocken in europäischen Kirchen als Zeichen der Solidarität - auch in Ulm und in Freiburg.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: