Bundesweit ist der Bestand der Feldhasen Foto: dpa

Die Feldhasenpopulation in Baden-Württemberg ist zwischen Frühjahr und Herbst 2018 um mehr als ein Viertel gewachsen. Grund war wohl das Wetter. Experten sehen dennoch Handlungsbedarf.

Stuttgart - Feldhasen haben sich im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg so stark vermehrt wie lange nicht mehr. Zwischen Frühjahr und Herbst ist der Bestand um mehr als ein Viertel gewachsen, wie aus Zahlen des Agrarministeriums und des Landwirtschaftlichen Zentrums (LAZBW) hervorgeht. Dort spricht man von einem Rekordzuwachs wie seit mindestens 15 Jahren nicht mehr.

Nach Zahlen des Deutschen Jagdverband vom Donnerstag folgt die Zunahme im Südwesten einem bundesweiten Trend: Deutschlandweit ist der Feldhasen-Bestand um rund 18 Prozent gewachsen. Damit wurden 12 Feldhasen pro Quadratkilometer gesichtet. In Baden-Württemberg waren es laut Ministerium sogar fast 16.

Deutlich weniger Feldhasen als noch vor 40 Jahren

Grund für die Zunahme dürfte das trockene Wetter des vergangenen Jahres sein, sagt Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. Langfristig betrachtet verharren die Bestände jedoch seit Ende der 1990er Jahre auf niedrigem Niveau, nachdem sie zuvor seit den siebziger Jahren stark gesunken waren.

Diese jüngst Zunahme sollten nicht über den Gesamttrend hinwegtäuschen, mahnte der Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg. Es gäbe immer noch deutlich weniger Feldhasen als vor 30 oder 40 Jahren, sagt auch Klaus Lachenmeier vom Landesjagdverband Baden-Württemberg (LJV). Das hänge vor allem mit der Intensivierung der Landwirtschaft bei Zunahme der Fressfeinde zusammen.

Mit der Initiative Allianz für Niederwild bemühen sich das LAZBW und der Jagdverband zusammen mit Landwirten um mehr Rückzugsflächen für Tiere wie Feldhasen oder Rebhühner. Solche Bemühungen kämen beispielsweise auch Insekten zugute, sagte Kinser.

Im Schwarzwald haben es Feldhasen schwer

Für eine deutliche Stärkung der Bestände müsse man allerdings in der Agrarpolitik umsteuern, zum Beispiel auf EU-Ebene. Das fordert der Nabu. Auch Jäger Lachenmeier fordert ein Ziel für die Artenvielfalt. Bisherige Anreize seien nicht stark genug. Hier müssten Subventionen umgelenkt werden. „Ansonsten werden wir nicht nur das Rebhuhn und die Feldlerche verlieren, sondern sogar tatsächlich noch den Feldhasen.“

Soweit ist es zum Glück noch nicht. Der Feldhase sei grundsätzlich nicht vom Aussterben bedroht, sagt Andreas Kinser. Insgesamt schätzt er die Zahl der Tiere im Südwesten auf 300.000. Laut Lachenmeier fühlen sie sich im Südwesten besonders auf den leichten Böden der Rheinebene wohl. Schwerer hätten sie es im regnerischen Schwarzwald.

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