Die Stahlbeton-Bogenbinder an der Deckenkonstruktion müssen saniert werden. Foto: LG/Zweygarth

Das Heslacher Bad im Süden bleibt noch bis Ende nächsten Jahres geschlossen. Wichtige Sanierungen stehen an in der denkmalgeschützten Badeanstalt im Stil der neuen Sachlichkeit sind fällig. Durch die Pandemie haben sich die Arbeiten verzögert.

S-Süd - Eigentlich sollte das Hallenbad Heslach erst im kommenden Jahr und abgestimmt auf die Schultermine und die Freibadsaison schließen. Nun bleibt es bis Ende 2021 durchgehend geschlossen. Die Pandemie hat auch den Planern der Bäderbetriebe Stuttgart einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Trotz Planänderung stehen die Räder nicht still: „Das Hochbauamt hatte die Architekten und Fachplaner seit Ende August mit der Planung beauftragt. Derzeit finden intensive Abstimmungen – auch vor Ort – mit der Landesdenkmalbehörde statt. In der Schwimmhalle führen wir planungsbegleitend bereits Schadstoffuntersuchungen und Testreihen an den Sanierungsflächen der Bogenbinder durch“, berichtet Jens Böhm, Sprecher bei den Bäderbetrieben Stuttgart. Bis ins Frühjahr würden parallel Brandschutzmaßnahmen, Malerarbeiten und die Sanierung der Duschen durchgeführt. Insgesamt sind die Kosten für die Sanierung bislang mit 3,1 Millionen Euro veranschlagt.

Das größte Hallenbad seiner Zeit

Das Heslacher Bad galt bei seiner Eröffnung als kleine architektonische Sensation. Der Ingenieur Franz Cloos und der Architekt Friedrich Fischle hatten es in den Jahren 1927 bis 1929 im Stil der neuen Sachlichkeit erbaut. Die Dachkonstruktion mit Stahlbeton-Bogenbindern und aufliegenden Seitendächern war damals aufsehenerregend, zudem war die Badeanstalt mit ihrem 50-Meter-Becken das größte Hallenbad seiner Zeit.

Die betonierten Bogenbinder sind seither permanent dem besonderen Raumklima eines Schwimmbadbetriebs ausgesetzt. Ihren Zustand hat ein Institut für Bautenschutz, Baustoffe und Bauphysik in den vergangenen Jahren wiederholt geprüft, wie man einer Vorlage des Gemeinderats aus dem Frühsommer entnehmen kann, die das Technische Referat verfasst hat. Im jüngsten der Gutachten werden „netzartige Haarrisse auf allen Bogenbinderoberflächen“ bemängelt. Deshalb müssen die alten Beschichtungen auf den Bogenbindern entfernt und ersetzt werden. Dies erfordert die komplette Einrüstung in der Schwimmhalle. Dabei werden gleich noch die Deckenleuchten in der Schwimmhalle gegen LED-Leuchten ausgetauscht.

Bei einer turnusmäßigen Untersuchung wurden ferner größere Hohlstellen im Akustikputz festgestellt. In der Vergangenheit hat man so etwas ausgebessert. „Nunmehr vermehren sich die Schadensbilder, die nicht mehr ohne größeren Aufwand beseitigt werden können“, so die Einschätzung der Experten vom Technischen Referat. Der Akustikputz wird daher nun vollständig erneuert.

Bei einer Generalsanierung 1992 sind zwar bereits alle Fliesenbeläge erneuert worden. Doch nach fast 30 Jahren Badebetrieb und Reinigung mit Hochdruckgeräten ist die Abdichtung unter den Fliesen ruiniert. Es gab bereits Wasserschäden in den darunterliegenden Umkleidekabinen. Also werden die gesamte Abdichtung und die Fliesenbeläge in der Schwimmhalle und den Sanitärbereichen erneuert.

Das Becken ist undicht

Das ist aber nicht alles: Wegen Kapillarrissen im Sprungbecken gelangt Wasser in den Technikbereich im Untergeschoss, was Schäden an haustechnischen Anlagen verursacht. Eine zusätzliche Abdichtung auf der Betonflächen des Beckens und ein neuer Fliesenbelag sollen das Problem beheben. Schäden richtet auch die Elektrolyse an. Sie wird erzeugt durch eine chemische Reaktion der Chlorbleichlauge, die zur Desinfektion von Beckenwasser genutzt wird. Nach Jahrzehnten muss auch eine neue Elektrolyseeinheit her.

Die Stadt prüft, ob die Kurzparkplätze für Badegäste während der Bauzeit in Anwohnerparkplätze umgewandelt werden. Die Nachbarschaft hatte dies angeregt.

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