Arthur Fabritius praktiziert im Kurort Beuren als Badearzt – ein Begriff, der für viele wohl wie aus der Zeit gefallen scheint. Für Fabritius und seine Patienten aber nicht. Er erklärt, was seine Aufgaben und Herausforderungen sind – und, dass eine Badekur heute nicht mehr der Oberklasse vorbehalten ist.
Dem Beruf des Badearztes schwingt der Glanz vergangener Zeiten mit. Einst schätzten Könige, berühmte Dichter und Maler die Heilkraft der Bäder, die medizinische Betreuung durch Badeärzte und die Ruhe der Kurorte – ein Luxus, den sich damals lediglich die oberen Gesellschaftsschichten leisten konnten. Doch sein Beruf ist auch 2025 alles andere als aus der Zeit gefallen, findet Arthur Fabritius, Badearzt in Beuren. Um Luxusbehandlungen für die Oberklasse geht es in seinem Alltag aber weniger.
Denn seit 2021 haben auch gesetzlich Krankenversicherte alle drei Jahre Anspruch auf eine sogenannte ambulante Vorsorgeleistung, wie die offene Badekur heute heißt. Doch nur wenige Patienten scheinen darüber informiert zu sein und entsprechend selten werden sie von Hausärzten verschrieben, gibt Fabritius zu bedenken: „Als Badearzt betreue ich so zwei bis drei Kurgäste pro Quartal“.
Fabritius selbst, der sowohl Bade- oder Kurarzt, als auch Hausarzt und Betriebsarzt ist, darf seinen Beurener Patienten keine Badekur im eigenen Wohnort verordnen. Für den Therapieerfolg sei auch ein Tapetenwechsel wichtig, um sich auf die Gesundheit konzentrieren zu können.
So läuft eine Badekur in Beuren ab
In Absprache mit dem eigenen Arzt können der Termin, der Kurort und die Unterkunft frei gewählt werden. Arthur Fabritius kümmert sich in Beuren um die ambulanten Kurgäste. Zu Beginn führe er ein Aufnahmegespräch und erarbeite einen persönlichen Therapieplan, am Ende überprüfe er die Wirkung der Kur und wie diese zu Hause fortgesetzt werden könne.
In Beuren besteht eine Badekur laut Fabritius aus mehreren Säulen. Zum einen sei dies die Wassergymnastik in der Panoramatherme. Zum anderen gebe es aktive Therapieanteile wie Physiotherapie und Gerätetraining in den Räumen der Therme. Passive Therapien wie Fango, Massage, manuelle Therapie und Elektrotherapie rundeten die Behandlung ab. Vier bis fünf Anwendungen pro Tag drei Wochen lang sind die Regel. Je nach gewünschter Intensität und Gesundheitszustand könnten es auch mehr oder weniger Anwendungen sein. Dabei würden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt.
Die Badekur muss in einem Kurort stattfinden, und Beuren erfüllt als staatlich anerkannter Kurort mit Heilquellenkurbetrieb die Voraussetzungen. In der Panoramatherme gibt es die Wilhelmsquelle und die Friedrichsquelle mit unterschiedlichen Temperaturen und Zusammensetzungen des Mineralwassers. „Der Mineralstoffgehalt ist besonders gut bei Gelenkerkrankungen und rheumatischen Erkrankungen“, sagt der Badearzt – also zum Beispiel bei Hüft-, Schulter- und Rückenproblemen.
Eine Kur kann der Prävention dienen
Fabritius reizt an seiner Arbeit der Präventionsgedanke, „dass man etwas tut, um die Gesundheit zu erhalten“. Er möchte die Menschen dabei unterstützen. „Vorsorge ist besser als Nachsorge“, ist der Badearzt überzeugt. „Das Gesundheitssystem muss mehr auf Prävention setzen. Dafür ist eine ambulante Vorsorgeleistung am Kurort ein sehr gutes Mittel“.
Für seinen Titel als Kurarzt brauchte Fabritius Zusatzausbildungen in Fächern mit klangvollen Namen wie Balneologie oder Klimatologie. Balneologie ist ein anderes Wort für Bäderheilkunde, also die Lehre von der therapeutischen Anwendung natürlicher Heilquellen. Fabritius absolvierte die Kurse in Kurorten mit ebenso klangvollen Namen wie Bad Pyrmont, Bad Zwischenahn und Bad Wörishofen. Ein weiteres Jahr verbrachte er in Davos in der Reha-Klinik.
Der 47-Jährige, der in Beuren aufgewachsen ist, wollte die Praxis seines Vaters übernehmen, der ebenfalls Badearzt war. Und da nur ein Badearzt diesen Sitz bekommen konnte, war die Zusatzausbildung für ihn selbstverständlich. Denn ein Badearzt ist unter anderem Voraussetzung dafür, dass ein Ort das Prädikat Kurort behalten darf. Fabritius ist der vierte Badearzt in Beuren.
Badekur
Schritte zur Beantragung einer Badekur
Laut Arthur Fabritius ist zunächst ein Besuch beim Hausarzt notwendig, der den Antrag „Anregung einer ambulanten Vorsorgeleistung in anerkannten Kurorten“ bei der Krankenkasse stellt. Gründe dafür können eine Schwächung der Gesundheit, zur Krankheitsverhütung oder zur Vermeidung der Verschlimmerung behandlungsbedürftiger Krankheiten sein. Stimmt die Krankenkasse dem Antrag zu, erhält man einen Kurarztschein, mit dem man sich beim Kurarzt vorstellen kann. Voraussetzung ist, dass die ambulanten Möglichkeiten am Wohnort ausgeschöpft sind.
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Die Krankenkasse übernimmt die vollen Kosten der ärztlichen Behandlung und 90 Prozent der Heil- und Kurmittelkosten. Zusätzlich kann ein Zuschuss von bis zu 16 Euro pro Tag für Unterkunft, Verpflegung und Fahrtkosten gewährt werden.
Panoramatherme Beuren
Das Heilbad ist 1977 eingeweiht worden. Allerdings ist die Beurener Bädertradition weit älter. Nach Angaben der Therme wurde im Jahre 1526 erstmalig eine öffentliche Badestube urkundlich erwähnt. Das Wasser sei aus einer unterhalb des Rathauses entspringenden Quelle, der Heilkräfte zugesprochen wurden, entnommen worden. Heute verfügt die Therme über eine 1000 Quadratmeter große Beckenlandschaft mit sieben unterschiedlich temperierten Thermalwasser- und einem Kaltwasserbecken, einen Dampfbadbereich, eine Thermengrotte und einen Saunabereich.