Laut Wolff & Müller soll die Stadt die Voruntersuchungen im Bereich des Tunnelmundes in der Neckartalstraße nur unzureichend erledigt haben. Foto: Stuttgart (z)

Der Streit um die Verzögerungen beim Rosensteintunnel geht in die nächste Runde. Die Baufirma Wolff & Müller wehrt sich gegen den Vorwurf der Stadt, sie trage die Schuld daran. Statt dessen schiebt das Unternehmen der Verwaltung den Schwarzen Peter zu.

Bad Cannstatt - Wie berichtet, ist der Eröffnungstermin für den Rosensteintunnel Ende 2020 nicht mehr zu halten. Laut Technikbürgermeister Dirk Thürnau werden wohl Mitte, wahrscheinlich sogar erst im Herbst 2021 die ersten Autos durch die vier Röhren unter dem Rosensteinpark hindurch fahren. Schuld an der massiven Verzögerung trage die Baufirma Wolff & Müller Ingenieurbau GmbH, die laut Thürnau mit zu wenigen Mitarbeitern und Geräten sowohl im Tunnel, als auch im Bereich der Neckartalstraße bei der Arbeit seien.

Thomas Escher, der Geschäftsführer des Unternehmens, weist die Vorwürfe zurück. „Der kritische Punkt ist der Tunnelausgang zur Neckartalstraße im Bereich der ehemaligen Straßenbahnhaltestelle Wilhelma und des Wenders an der B 10“, so Escher. „Hier ist der Bauverzug durch vorhandenes Grundwasser entstanden, und zwar aufgrund mangelhafter Baugrunderkundung und ungeeigneter Planung der Stadt beim Übergang von der bergmännischen zur offenen Bauweise.“ Ein zweiter zentraler Punkt sei, dass die Straßenbauplanung für den gesamten Tunnel von der Stadt bis heute nicht vorgelegt wurde. „Wir wissen beispielsweise nicht, welche Asphaltsorte wir verwenden sollen, weil die Stadt hier noch verschiedene Varianten testet.“ Was den Innenausbau angehe, so habe Wolff & Müller die Vorbereitungen – soweit wie möglich – erledigt. Die Zwischendecken sind gebaut, und eine der beiden Röhren ist für den Straßenbau vorbereitet. „Wir haben seit Baubeginn immer so viele Menschen und Maschinen eingesetzt, wie wir jeweils im Sinne des Baufortschritts effektiv beschäftigen konnten“, betont der Geschäftsführer. Zudem habe die Stadt Stuttgart im Zusammenhang mit Planänderungen, die bei solchen Projekten in gewissem Umfang unumgänglich seien, Entscheidungen nicht oder nur mit großer zeitlicher Verzögerung getroffen.

Zusatzleistungen erbracht

Natürlich setze Wolff & Müller alles daran, seine Leistung auch bei dieser Baustelle zu erbringen – ohne Verzögerung. So habe das Unternehmen Zusatzleistungen erbracht, um eine trockene Baugrube an der Neckartalstraße herzustellen und so die Voraussetzungen zu schaffen, dass überhaupt weiter gebaut werden kann. Sobald man die nötigen Entscheidungen und Baufreigaben habe, „können und werden wir mit allen Mittel versuchen, Zeit aufzuholen“, sagt Escher

Über die Argumentation von Wolff & Müller, mit der der Zeitverzug erklärt werden soll, zeigt man sich bei der Stadt irritiert. „Es ist dem Tiefbauamt völlig unklar, welche Entscheidungen angeblich nur mit großer zeitlicher Verzögerung getroffen werden“, sagt Projektleiter Christian Buch. Es seien der Stadt aktuell keine offenen und für den aktuellen Bauablauf relevanten Entscheidungen bekannt. „Es ist schlicht und ergreifend so, dass die Arge in den Bereichen, in denen seit Monaten vollständige Baufreiheit besteht, die Arbeiten nicht im erforderlichen Umfang voranbringt, da zu wenig Personal und Gerät eingesetzt werden.“

Stadt weist Vorwürfe zurück

Christian Buch weist den Vorwurf der mangelhaften Baugrunderkundung und ungeeigneten Planung vehement zurück. „Wir haben nie verheimlicht, dass es in diesem Bereich Probleme gab. Wir haben das immer offen kommuniziert.“ Die Geologie im Bereich des Tunnels unter dem Rosensteinpark und im Bereich der Neckartalstraße seien teilweise anders als erwartet angetroffen worden. „Doch in Verbindung mit erforderlichen Maßnahmen zum Heilquellenschutz hat das Tiefbauamt die Planung entsprechend weiterentwickelt und der Arge B 10 Rosensteintunnel zur Ausführung übergeben – alle Probleme wurden erfolgreich bewältigt.“

Wie geht es weiter? Es ist möglich, dass das Thema noch vor dem Jahreswechsel im Gemeinderat diskutiert wird. Spätestens jedoch im Januar, wenn in der Vorlage für die Vergabe der Bauarbeiten für den dritten Leuzetunnel auch der neue Zeitplan für die Eröffnung des Rosensteintunnels auftauchen wird.

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