Ein Wunsch vieler Beschicker ist es, die Ware direkt in den Taschen der Kunden unterzubringen. Foto:  

OB Fritz Kuhn will Plastiktüten von allen Stuttgarter Wochenmärkten verbannen. Auf dem Cannstatter Markt finden das Beschicker und Kunden überfällig.

Bad Cannstatt - Insgesamt 29 Wochenmärkte gibt es in der Landeshauptstadt. Und die sollen ab dem Jahr 2020 so weit wie möglich plastikfrei sein. Dazu hatte die Gemeinderatsfraktion der Grünen im Juni 2018 einen Antrag gestellt. „Wir stehen absolut dahinter“, erklärt Thomas Lehmann, Geschäftsführer der Märkte Stuttgart GmbH. Mit den 200 Markthändlern wolle man ein Zeichen setzen. Wichtig sei neben dem Umdenken der Händler auch das der Kunden und Verbraucher. „Sie können selbst einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie eigene Stofftaschen, Körbe oder andere umweltfreundliche Behältnisse zum Einkauf auf den Markt mitbringen“, so Thomas Lehmann. Wir haben uns auf dem Cannstatter Wochenmarkt bei Beschickern und Kunden umgehört, um zu erfahren, wie der Verzicht auf Plastiktüten ankommt.

Schlendert man am Markttag über den Cannstatter Marktplatz, lässt sich erkennen, dass viele der Kunden schon eigene Taschen und Behältnisse zum Einkauf mitgebracht haben. Diese Beobachtung bestätigt Beschickerin Ute Trautwein von der Gärtnerei Gaus. „Erst einmal muss ich sagen, dass ich den Plastik-Verzicht sehr gut finde. Man merkt auch schon seit ein zwei Jahren den Trend hin zu eigenen, mitgebrachten Taschen und Netzen.“ Dabei ziehe sich der Trend durch alle Generationen. „Ich fände auch ein komplettes Verbot gut, weil ich dann keine Plastiktüten mehr anbieten müsste“, sagt Trautwein.

Die 45-jährige Ute Hamann kommt seit Jahren auf den Markt und hat genau so lang auch ihre eigene Tasche dabei. „Ich weiß ja, dass ich auf den Markt gehe und nehme Taschen mit.“ Ihre Einkäufe packt sie dabei ohne Tüte direkt ein. „Wenn ich nach Hause komme, wasche ich alles gründlich. So brauche ich weder Plastik- noch Papiertüte.“

Einkaufen ohne Tüten

Einen Einkauf komplett ohne Tüten wäre auch für Albert Häußermann vom Demeter-Stand das erklärte Ziel. „Denn auch die Ökobilanz der Papiertüte ist nicht wirklich besser als die der Plastiktüte.“ Damit hat er Recht. Papiertüten verbrauchen bei der Herstellung fast doppelt so viel Energie wie Plastiktüten. Hinzu kommt die deutlich höhere Belastung von Luft und Wasser durch Stickoxide, Schwefeldioxide und andere Chemikalien, mit denen die Zellstofffasern behandelt werden müssen. Am besten, so die Umweltexperten, sind also Baumwolltaschen. Doch leider wollen nicht alle Kunden auf Plastiktüten verzichten: „Ich habe immer einen Restbestand hier, weil es doch einige gibt, die darauf bestehen.“ Ähnliche Erfahrungen macht auch Ute Mühlheimer am Stand vom Hof Leutenecker: „Es gibt einige Unbelehrbare, die hätten am liebsten noch eine Tüte in der Tüte.“ Dabei sei es überfällig, dass die Plastiktüte verschwindet. Neben der Einstellung der Kunden sieht sie auch noch an anderer Stelle Verbesserungsbedarf. „Hier kommen oft Kitas und Schulklassen vorbei. Jedes Kind bekommt dann eine Plastiktüte mit nach Hause. Das verstehe ich nicht. Warum wird den Kindern nicht von klein auf gesagt, dass sie zum Einkaufen ihre eigenen Sachen mitbringen sollten?“ Doch insgesamt sieht die Marktfrau schon, dass immer mehr Kunden eigene Behälter oder Tüten mitbringen würden.

Mitgebrachte Plastikschalen

Doch es gibt auch Stände, da ist der Verkauf der Waren ohne Plastik kaum möglich. So wie bei Ibrahim Nabhan, der griechische Spezialitäten, teilweise in Olivenöl eingelegt, verkauft. „Bei mir geht es eigentlich nicht ohne Plastikschalen“, sagt er. Doch auch er stellt vermehrte Eigeninitiative bei den Kunden fest, denn sie bringen Gläser für ihren Einkauf mit. Eine erfreuliche Entwicklung, die von Stefan Wettlaufer (Stefans Wurstlädle) bestätigt wird: „Einige Kunden bringen Tupperboxen mit. Allerdings darf ich diese nicht bei mir über die Theke nehmen. Das untersagen die Hygienevorschriften.“

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