Nach dem Treppensteigen gibt es diese Aussicht zu bewundern. Foto: Annina Baur

Der Stadtkirchenturm ist 400 Jahre alt. Das Jubiläum wird eine Woche lang gefeiert.

Bad Cannstatt - Die Grenze zwischen Gotik und Renaissance verläuft auf halber Höhe. Wer genau hinschaut, erkennt die unterschiedliche Farbe und Beschaffenheit der Steine. Der Beweis ist von der Brunnenstraße aus zu erkennen. Dekan Eckart Schultz-Berg zeigt auf einen Eckstein, in den die Jahreszahl 1613 eingemeißelt ist. In diesem Jahr wurde der neue Turm der Stadtkirche fertig. 1610 hatte Herzog Johann Friedrich dem Baumeister Heinrich Schickhardt den Auftrag gegeben, den früheren romanischen Turm neu zu gestalten und zu erhöhen. Der Renaissance-Baumeister Schickhardt entwarf einen Turm mit unterschiedlich gestalteten Fenstern, Verzierungen und einer filigranen Dachkonstruktion für die einzige der vier gotischen Kirchen Stuttgarts, welche die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs fast unbeschädigt überstanden hat.

Weil er die Tragfähigkeit des alten Turms nicht kannte, ließ Schickhardt im Inneren auf dem Gewölbe der Sakristei einen zweiten Turm aus 30 bis 40 Zentimeter starken Balken errichten. Diese Konstruktion trägt bis heute die Last der fünf Glocken, die zusammen 5,9 Tonnen wiegen. Die Uhrzeit anzuzeigen, ist aber nur eine Aufgabe: „Der Turm der Stadtkirche ist zum Wahrzeichen geworden“, sagt Schultz-Berg. Schon seit der Zeit von Karl dem Großen sei der Standort als Schnittpunkt großer Verkehrsachsen bedeutend gewesen. Deshalb standen am selben Standort schon zwei Vorgängerbauten. Die heutige Stadtkirche wurde vom Stiftskirchen-Erbauer Aberlin Jörg im gotischen Stil gebaut, 1471 eingeweiht und 1613 um den Renaissance-Turm ergänzt.

Das 400-jährige Jubiläum des Turms wird nun eine Woche lang gefeiert. „Wir wollen in dieser Zeit den Turm für die Menschen zugänglich machen – auch zu ungewöhnlichen Zeiten“, sagt die Pfarrerin Franziska Link. Schließlich ist der Turm nicht nur von weither zu sehen, sondern bietet auch einen Rundumblick auf Bad Cannstatt und das Neckartal. Geöffnet ist der Turm zum ersten Mal am Turmfest am Sonntag, 14. Juli. Um 13, 14 und 15 Uhr führt Diakon Eberhard Steinhilber als Turmwächter im historischen Gewand hinauf. Das Sommerfest der Gemeinde beginnt um 10 Uhr mit einem Familiengottesdienst. Am Freitag, 19. Juli, ist der Turm abends geöffnet. Um 19 Uhr beginnt ein Vortrag, ein Glockenkonzert und eine Führung in den Glockenstuhl mit dem Glockensachverständigen Jens Harnisch. Danach bleibt der Turm bis Mitternacht geöffnet. Von 5 bis 8 Uhr gibt es am Samstag, 20. Juli, Gelegenheit, den Sonnenaufgang vom Turm aus zu betrachten.

Um Geschichten rund um die Kirche und ihren Turm geht es am Montag, 15. Juli, um 19 Uhr bei einer Talkrunde im Chorraum der Kirche. Am Dienstag, 16. Juli, erzählt der Ortshistoriker Hans Betsch bei einem Rundgang durch die Altstadt, welche Spuren der Zeit die Erbauung des Stadtkirchenturms im Bezirk hinterlassen hat. Treffpunkt ist um 19 Uhr am Hauptportal. Am Donnerstag, 18. Juli, beginnt um 19 Uhr ein Vortrag mit dem Titel „Aus der reichen Geschichte des Turmes der Stadtkirche“ mit Historiker Olaf Schulze in der Kirche. Die Festwoche endet am Sonntag, 21. Juli, um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst mit Landesbischof Frank Otfried July.

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