Bisher müssen die Autos nur an Markttagen vom Markplatz verschwinden. Foto: Zweygarth

Es ist eine unendliche Geschichte – die vom Cannstatter Marktplatz. Dieser ist nämlich vor allem ein Parkplatz. Die endgültige Entscheidung über die künftige Nutzung fällt der Gemeinderat am 19. März.

Bad Cannstatt - Es ist eine unendliche Geschichte – die vom Cannstatter Marktplatz. Dieser ist nämlich vor allem ein Parkplatz. Ob das so bleiben soll, wird seit 1975 diskutiert. Mit der Sanierung des historischen Rathauses ist auch die Diskussion um einen autofreien Marktplatz wieder aufgeflammt; es hat ein Workshop zum Thema stattgefunden und eine Umfrage unter Passanten gegeben.

Wie ein autofreier Marktplatz aussehen könnte, hat Susanne Scherz vom Stadtplanungsamt dem Cannstatter Bezirksbeirat am Mittwoch vorgestellt. Von drei möglichen Varianten sei eine nicht zu empfehlen: „Den Marktplatz saisonal unterschiedlich zu nutzen, ist schlecht zu vermitteln.“ Zur Diskussion stehen aus ihrer Sicht nur zwei Alternativen. „Bei einem ganz autofreien Marktplatz entfallen circa 50 Stellplätze.“ Die Behindertenstellplätze und der Taxistand könnten erhalten bleiben. Der Lieferverkehr werde zu vorgegebenen Zeiten erlaubt, die Zufahrt zu privaten Stellplätzen ermöglicht. „Das städtebauliche Potenzial wäre vorhanden“, sagte Scherz und verwies auf Bäume, Granitpflaster, Stadtkirche und historisches Rathaus.

Der erste Schritt zu einem autofreien Marktplatz wäre, die Markierungsnägel und Parkscheinautomaten zu entfernen. Aufenthaltscharakter solle durch Sitzelemente geschaffen werden. Ergänzend dazu soll ein Parkleitsystem erarbeitet, ein Altstadtmanager installiert und ein Beschirmungskonzept erarbeitet werden: Schirme in einheitlichem Design könnten an Institutionen im Bezirk ausgegeben und bei Veranstaltungen in größerer oder kleinerer Zahl aufgestellt werden.

Gespaltene Meinungen zur teilautofreien Variante

Bei der teilautofreien Variante wäre dies nur auf dem nördlichen Teil des Marktplatzes zwischen dem Bezirksrathaus und dem Verwaltungsgebäude möglich. Dort würden rund 20 Stellplätze wegfallen, die 30 verbleibenden Parkplätze auf dem südlichen Teil des Platzes blieben erhalten. Der Nachteil dieser Variante sind nach den Worten von Scherz die Poller, die zwischen südlichem und nördlichem Teil des Platzes angebracht werden müssten, um unerlaubtes Parken zu verhindern. „Die Poller sind unschön und müssten an jedem Markttag von den Marktleuten entfernt und wieder angebracht werden.“

Dem Vorschlag des Gewerbevereins, statt Pollern einen Wasserlauf zu schaffen, räumte Scherz wenig Chancen ein: „Wir haben in Stuttgart keine guten Erfahrungen damit.“ Auf dem Marktplatz würde ein Wasserlauf außerdem zum Problem für die Feuergasse und für die Nutzung durch die Marktbeschicker. Nicht zuletzt sei ein Wasserlauf unrealistisch, weil sich unter dem Marktplatz wegen des sumpfigen Untergrunds eine dicke Betonschicht befinde. Am zweiten Vorschlag des Gewerbevereins, eine Umfahrt einzurichten, fand das Stadtplanungsamt hingegen Gefallen: „Bei dieser Lösung würden zwar nur 24 Parkplätze erhalten, dafür fielen die Wendevorgänge weg“, sagte Scherz.

Für die teilautofreie Variante sprach sich am Mittwoch das bürgerliche Lager aus – zumindest zunächst. „Es ist ein Problem, wenn die Kunden die Geschäfte kurzfristig nicht mehr direkt anfahren können“, sagt Gerhard Veyhl von den Freien Wählern. Mit einem Nutzungskonzept könne man sich in einem zweiten Schritt auch einen ganz autofreien Marktplatz vorstellen, sagte Walter Opfermann von der CDU. Die Grünen wollen von einem Kompromiss nichts wissen: „So lange es Parkplätze am Altstadtring gibt, gibt es auch Parksuchverkehr“, sagte Peter Mielert. Um die Aufenthalts- und Wohnqualität zu erhöhen, müsse jetzt ein Schlusspunkt gesetzt und der Marktplatz autofrei werden. Das wichtigste Argument für Stefan Conzelmann von der SPD ist die Anbindung des Marktplatzes an den öffentlichen Nahverkehr: Im Umkreis von 200 Metern befinden sich mehrere Stadtbahnhaltestellen und Parkhäuser.

Die Entscheidung steht noch bevor

Ähnlich gespalten wie der Bezirksbeirat waren die Bürger beim Informations- und Ausspracheabend. Die Einzelhändler befürchten Umsatzeinbußen. Langfristig würden Fachgeschäfte eingehen und die Altstadt herunterkommen. Eine Anwohnerin der Martin-Luther-Straße hielt dagegen: „Für mich liegt die Qualität eines Geschäfts auch darin, dass es in einer Fußgängerzone liegt.“ Sie will, dass der Marktplatz autofrei wird, wo man auch einmal seine Mittagspause verbringen kann.

Die Bezirksbeirats-Fraktionen werden sich nun besprechen und am kommenden Mittwoch eine beratende Beschlussfassung formulieren. Der Gemeinderat entscheidet am 19. März. Wie berichtet, hat sich der Umwelt- und Technikausschuss hinter verschlossenen Türen mit deutlicher Mehrheit für einen autofreien Marktplatz ausgesprochen.

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