Allein der riesige 4000 Quadratmeter große Parkplatz bietet eine Entwicklungschance. Foto: Nagel

Bei der Suche nach geeigneten Standorten für Wohnungsbau, sind die Grünen auf das Aldi-Gelände in der Deckerstraße gestoßen. Der Vorteil: Aldi hat hier Neubaupläne für seine Filiale.

Bad Cannstatt - Schon vor der Kommunalwahl war Wohnungsbau in der Landeshauptstadt ein mit viel Emotionen diskutiertes Thema. Doch es könnte noch heftiger werden. Denn Anfang vergangener Woche gingen im dafür zuständigen Unterausschuss des Gemeinderats CDU und SPD noch weiter in die Offensive. Beide Fraktionen forderten erneut, nicht nur auf innerstädtischen Brachen anderweitig versiegelten Grundstücken, etwa Parkplätzen, zu bauen. Auch an den Siedlungsrändern müssten zusätzliche Bauflächen ausgewiesen werden. „Das kann auch dort sein, wo noch Rasen, Wiesen und Rüben sind“, betonte CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Unterstützung erhielt Kotz von Martin Körner, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten: „Wir brauchen noch viele neue Wohnungen, und wir sind in der Innenentwicklung leider nicht so gut.“ Offene Türen rannten SPD und CDU bei der Verwaltungsspitze allerdings nicht ein. Baubürgermeister Peter Pätzold (Die Grünen) lehnte die Forderung ab, die Stadt auf weitere Potenziale für Baugelände zu prüfen und Stellung zur Bebaubarkeit von Wiesen und Äckern zu nehmen.

Zeitstufenliste wohnen

Dieses Thema wird am 23. Juli wieder heftig diskutiert werden, wenn die Verwaltung den Entwurf der neuen Zeitstufenliste Wohnen vorlegt. Die alten benannte Flächenpotenziale für rund 24 000 Wohnungen binnen eines Jahrzehnts. Die Neue, befürchtet die SPD, wird weniger auflisten. Die Verwaltung müsste aber Flächen für bis zu 30 000 Wohnungen benennen. Unabhängig davon hatten sich die Grünen in Bad Cannstatt schon vor Monaten auf die Suche nach potenziellen Flächen für Wohnungsbau gemacht. Das Ergebnis: Selbst im dicht bebauten Seelberg gibt es ihrer Meinung nach drei potenzielle Flächen für Wohnungsbau. Zumindest für zwei, so hat es eine Prüfung durch die Verwaltung ergeben, stehen die Chancen nicht schlecht. Bei dem ersten Grundstück handelt es sich um einen 900 Quadratmeter großen Parkplatz an der Kreuznacher Straße. Er liegt innerhalb der überbaubaren Grundstücksfläche. „Es sind baurechtlich notwendige Stellplätze, die bei Beseitigung an anderer Stelle wieder nachgewiesen werden müssten“, heißt es in der Antwort der Verwaltung auf den Prüfantrag der Grünen. Ob eine Bebauung des Parkplatzes nach geltendem Planungsrecht möglich ist, müsse jedoch durch eine Machbarkeitsstudie geprüft werden. Die Verwaltung will mit dem Eigentümer klären, ob eine weitere Bebauung des Grundstücks gewünscht wird.

4000 Quadratmeter Parkplatz

Das zweite Grundstück liegt an der Deckerstraße, wo Aldi seit vielen Jahren eine Filiale mit fast 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche betreibt. Doch offenbar strebt das Unternehmen eine Neubebauung der Fläche an. „Aktuell finden Gespräche mit Aldi statt, in denen die städtebaulichen Rahmenbedingungen für eine bauliche Entwicklung ausgelotet werden“, heißt es seitens der Verwaltung. Vor allem für diese Fläche sehen die Grünen deshalb eine große Chance für Wohnungsbau, allein der Parkplatz verfügt über eine Größe von 4000 Quadratmetern. „Die Gesamtfläche von insgesamt gut 7000 Quadratmetern bietet viel Platz für Wohnen, Arbeiten und Einzelhandel und könnte mit einer Neubebauung insgesamt deutlich aufgewertet und attraktiver gestaltet werden“, so die Grünen. Denn ein Teil der bisher lediglich als Parkplatz genutzten Fläche könnte auch zu einem attraktiven begrünten Innenhof mit Spielfläche werden.

Ob auf dem versiegelten Innenhofparkplatz hinter den Gebäuden Wildunger Straße 58 und 60 Wohnungsbau möglich ist? Laut Stadtplanungsamt eher nicht. „Die Verwaltung hat bereits öfters versucht, in Kontakt mit dem Eigentümer zu treten. Aktuell liegt jedoch kein Entwicklungsinteresse vor.“

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