An der Winterbacher Straße 36 wird derzeit noch gebaut: Hier entstehen die neuen Kirchenräume der katholischen Gemeinde St. Peter, eine Kindertagesstätte sowie das Gemeindezentrum. Foto:  

An der Winterbacher Straße 36 entsteht derzeit ein Neubau der katholischen Kirchengemeinde mit Kirchenräumen, Gemeindezentrum und Kindertagesstätte.

Bad Cannstatt - A

Bad Cannstatt - ngesichts sinkender Mitgliederzahlen wird vielerorts diskutiert, wie Kirchen anders genutzt werden können. Da überrascht der Neubau der katholischen Gemeinde St. Peter auf dem Geiger-Memberg: Bis Ende des Jahres soll hier eine neue Kirche entstehen. Angegliedert an das Gebäude werden eine Kindertagesstätte sowie Jugend- und Gemeinderäume gebaut. Möglich wurde diese Baumaßnahme unter anderem durch das Projekt „Aufbruch“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart, außerdem beteiligt sich die Stadt an der Finanzierung der Kindertagesstätte. Man habe sich zum richtigen Zeitpunkt für die Förderung beworben, sagt Manfred Wörle, der zweite Vorsitzende der Kirchengemeinde St. Peter. „Ein halbes Jahr später wäre das wohl nicht mehr möglich gewesen.“ Mit dem Neubau sei man erfreulicherweise im Plan und im Budget – Kirche, Gemeindezentrum und Kita kosten etwa 6,45 Millionen Euro. Von dem, was in der Winterbacher Straße entsteht, können sich Besucher ab jetzt zwei Mal im Monat bei Baustellenführung ein Bild machen. Durch die Kirche führt außer Manfred Wörle auch Gaby Leicht, die sich seit Jahren in der katholischen Kirchengemeinde engagiert. Sie hat sich beruflich auf Stadtführungen und Baustellenführungen über das Gelände von Stuttgart 21 spezialisiert. Die Führungen in St. Peter macht sie ehrenamtlich.

Kabelrollen und Gerüste

Noch stehen in dem Neubau Gerüste, Kabelenden ragen aus den Wänden, Bodenplatten sind in Ecken gestapelt, Kabelrollen liegen auf dem kahlen Boden. Dennoch kann man bei einem Rundgang über die Baustelle schon erahnen, wie die neue Kirche St. Peter und mit ihr das integrierte Gemeindezentrum, die Kindertagesstätte und das Pfarrbüro einmal aussehen werden. „Schon das Foyer ist eine wichtige Station, dort müssen in Zukunft alle vorbei. Sie können aber auch verweilen: Die Gottesdienstbesucher, um in die Kirche zu gelangen, die Kinder und Eltern, die in die Kita gehen und auch die pastoralen Mitarbeiter auf dem Weg in ihr Büro“, sagt Wörle. Das Foyer ist auch der Raum, den die Gemeinde für Empfänge und Feiern nutzen wird. Hier liegt der Grundstein in einem Sockel, auf dem irgendwann die Petrusstatue aus der alten Kirche stehen wird.

Der Rundgang führt die Besucher weiter in den erhöhten Kirchenraum. Hier kommt Wörle nicht nur auf die bunten Kirchenfenster zu sprechen, die bei Sonneneinstrahlung ein beeindruckendes Farbenspiel auf die Wand hinter dem Altar zaubern, sondern auch auf die künftige Bestuhlung. Anstelle von Kirchenbänken wird es in St. Peter Stühle geben, die der Gemeinde eine flexiblere Nutzung des Raumes ermöglichen. Außergewöhnlich ist auch, dass es keine Stufe zum Altar geben wird und auch für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator der Weg nach vorne möglich ist.

Nische für ein Taufbecken

Auf der linken Seite des Kirchenraums befindet sich eine Nische, in der in einigen Monaten das von einer Künstlerin gestaltete Taufbecken stehen wird. „Die Kirche ist sehr viel kleiner als die alte, deshalb ist es unser Ziel, Nischen zu schaffen und dem Raum auf diese Weise eine besondere Atmosphäre zu geben“, sagt Wörle. Er freut sich über den Jugendraum, den die Ministranten bekommen, über die helle und freundliche Kindertagesstätte, die den Kindern viel Raum zum Spielen bieten wird. „Es ist unglaublich, wie viele Entscheidungen wir als Kirchengemeinderat in den vergangenen Monaten treffen mussten“, sagt Wörle. Es wurde und wird viel diskutiert rund um den Neubau: Etwa darüber, was für eine Orgel die neue Kirche bekommen soll – eine finale Entscheidung steht in dieser Frage jedoch noch aus. Außerdem ist noch nicht klar, was statt eines Kirchturms auf das Gotteshaus hinweisen wird – vielleicht eine Stele oder ein anderes Kunstwerk. Fest steht indes, dass es keine Kirchenglocken geben wird. Dies wurde bereits beim Bau der alten Kirche so mit der Nachbarschaft vereinbart.

Beim Gang über die Baustelle fallen die Blicke der Besucher immer wieder durch die zahlreichen Glasfronten hinaus ins Grüne. Im Nebengebäude befindet sich eine Behinderteneinrichtung der Stiftung Liebenau. Nur durch diese Kooperation habe sich der Kirchenneubau überhaupt realisieren lassen, sagt Wörle.

Noch wird gebaut in St. Peter, aber der Einweihungstermin für den derzeit einzigen Kirchenneubau in der Diözese steht bereits fest: Am ersten Adventssonntag in diesem Jahr wird Bischof Gebhard Fürst die Kirche St. Peter einweihen.

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