Mittlerweile sind die Grabmale gereinigt und von Moos befreit. Nun soll so schnell wie möglich mit der Restaurierung begonnen werden. Foto: Horst Rudel

Das Geld für eine Restaurierung des Blumhardt-Friedhofs ist beisammen. Die Denkmalstiftung hilft mit. Sie steuert 50 000 Euro bei. Die Arbeiten werden jetzt ausgeschrieben.

Bad Boll - Als etwas ganz Besonderes stuft die Denkmalstiftung Baden-Württemberg den Blumhardt-Friedhof in Bad Boll ein, der wie das gegenüberliegende Kurhaus dem Göppinger Klinikum Christophsbad gehört. Deshalb bezuschusst sie die Restaurierung der 140 Grabmale mit dem Höchstsatz: 50 000 Euro. Unterstützt wird das Projekt auch von der Gemeinde Bad Boll, der Herrnhuter Brüderunität, der Blumhardt-Sozietät, der benachbarten Evangelischen Akademie, dem SPD-Ortsverein, dem Landesdenkmalamt und von privaten Sponsoren, darunter auch Blumhardt-Erben. Dank dieser konzertierten Aktion steht einer Sicherung des Friedhofs aus dem Jahr 1866 nichts mehr im Wege. „Die Kosten sind gedeckt, sofern sich der Voranschlag bestätigt“, sagte Bernhard Wehde, der Geschäftsführer des Christophsbads. Bis jedoch die Restauratoren anrücken können, wird es wohl noch eine Weile dauern.

Restaurierung dringend notwendig

Die Grabmale auf dem Blumhardt-Friedhof sind in einem beklagenswerten Zustand. Vor allem der Buntsandstein bröselt, und die meisten Grabumrandungen sind völlig aus den Fugen geraten. „Das was hier geplant ist, ist dringend notwendig“, sagte Wehde denn auch bei einem Termin an Ort und Stelle. In diesem Fleckchen Erde an der Straße zwischen Göppingen und Kirchheim ruht nicht nur der Familienclan der Blumhardts, auch weltbekannte Wissenschaftler wie Richard Wilhelm liegen dort. Der Sinologe war der Schwiegersohn des Politikers, Predigers und Visionärs Christoph Friedrich Blumhardt (1842 – 1919).

An diesen Gedanken knüpfte auch Rainer Prewo, der Vorsitzende des Vorstands der Denkmalstiftung, an. Der Blumhardt-Friedhof sei im Gegensatz zum Hoppenlaufriedhof in Stuttgart, dessen Restaurierung die Stiftung ebenfalls unterstützt habe, ein „globalisierter Friedhof“. Begraben seien dort Persönlichkeiten der Kirche, der Wissenschaft und des öffentlichen Lebens, „die unsere geistige Kultur bis heute prägen“. Allen voran Blumhardt der Jüngere, dessen „Reich Gottes in der Welt“ nichts anderes gewesen sei als eine Vision dessen, wie die Welt sein könnte. Blumhardts geistiges Erbe sei noch nicht hinreichend erforscht. Prewo ist deshalb davon überzeugt, dass „die Marke Blumhardt noch eine bedeutende Zukunft vor sich haben kann“.

Verfall soll verlangsamt werden

Die Besonderheit dieses Ortes soll auch Touristen zugänglich gemacht werden. Allerdings koste auch eine touristische Erschließung Geld, sagte Wehde. Auch hinsichtlich der Folgekosten bleibe der Friedhof ein „Projekt der Gemeinschaft“.

Als einen „sehr lebendigen Ort“ bezeichnete Heidi Mattern den Friedhof. Die Restauratorin hat eine Bestandsanalyse der Grabmale angefertigt, auf deren Basis nun die Ausschreibung erfolgt. Viele der Steine zeichneten sich durch handwerkliche und künstlerische Finesse aus, sagte sie. Die anstehende Restaurierung soll eine Konservierung und keine Wiederherstellung sein. Was verloren sei, werde nicht rekonstruiert, die Grabmale sollen in ihrem Ist-Zustand bewahrt und der Verfall verlangsamt werden. „Wir werden keine Schriften wieder reinhauen, die verschwunden sind“, versicherte Mattern. Geplant sei aber eine Dokumentation über alle Inschriften. Die Grabmale seien inzwischen alle gereinigt und von Bewuchs befreit, die eigentliche Restaurierung könne aber wohl erst im Frühjahr beginnen. Zunächst stehe nun die Ausschreibung an. Über die Höhe der Kosten wollte Wehde zunächst nichts sagen. „Erst muss die Ausschreibung erfolgt sein.“

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