Seit acht Jahren ist Maximilian Zeindlmeier Bühnentechniker beim Theater der Altstadt. Eine besondere Herausforderung für ihn als Beleuchter: der „Brandner Kaspar“. Foto: Sabine Haymann

Zwischen 60 und 80 Lichtstimmungen schafft Maximilian Zeindlmeier bei einer durchschnittlichen, etwa zweistündigen Bühnenproduktion. Seit acht Jahren ist er Bühnentechniker beim Theater der Altstadt.

Manchmal ist die Kunst genau dann besonders gut gelungen, wenn’s keiner gemerkt hat. Oder wer passt auf, wie oft die Lichtstimmungen im Laufe eines Theaterstücks wechseln? Eben. Zwischen 60 und 80 Lichtstimmungen schafft Maximilian Zeindlmeier bei einer durchschnittlichen, etwa zweistündigen Bühnenproduktion im Theater der Altstadt. Bei einem Musical, so verrät er, können es sogar bis zu 130 sein, einschließlich Effektlicht.

Zeindlmeier ist schon seit acht Jahren Bühnentechniker beim Theater der Altstadt. Und immer wieder kommt Neues dazu. Für die Inszenierung des „Brandner Kaspar“ beispielsweise wurde ein neuer Beamer angeschafft. Mit dem dazu passenden Weitwinkelobjektiv können sich nun über die ganze Bühne verteilt Bäume im Wind wiegen. Auch hilfreich: Wenn während der Umbaupausen entsprechende Bilder auf dem Bühnenvorhang helfen, die notwendige Szenerie zu schaffen.

Aber ein Beamer allein macht natürlich noch keine vollständige Bühnenatmosphäre. Allein über der Bühne hängen 30 bis 40 Scheinwerfer, die für jede Inszenierung anders von Hand ausgerichtet werden müssen. Auch über den Köpfen der Zuschauer sind einige Lichtquellen angebracht. Sie werden zum Ausleuchten der kompletten Bühne benötigt. Außerdem befinden sich hier einige LED-Leuchten, die dann zum Einsatz kommen, wenn farbiges Licht gebraucht wird. Sie ergänzen das klassische Glühbirnenlicht.

Leuchtdioden spenden nur kaltes weißes Licht

Ersetzen können sie es aber nicht, sagt Zeindlmeier. Denn zum einen spenden die Leuchtdioden – abgesehen von den Grundfarben – nur kaltes weißes Licht. Möchte man einen wärmeren Ton, muss man die Farben mischen. Und zum anderen ist es ziemlich schwierig LED-Licht zu dimmen. Immerhin müssen Bühnentechniker aber heutzutage nicht mehr auf den Traversen herumturnen, um farbige Folien in die Scheinwerfer zu schieben. Die Theaterbeleuchtung sei schon da, um Licht zu machen, sagt Zeindlmeier und lacht. „Im Dunkeln sieht man ja nichts“.

Aber Theaterlicht kann noch viel mehr, als einfach nur die Szenerie auf der Bühne hell zu machen. „Durch Licht werden Räume geschaffen“, sagt der Experte. „Man kann etwas hervorheben oder im Dunkeln verschwinden lassen. Schatten schaffen eine zwielichtige Stimmung.“ Auch die Geschwindigkeit der Lichtwechsel hat eine nicht zu unterschätzende Wirkung. Soll gezeigt werden, dass ein Wechsel von der Nacht zum Tag stattfindet, ist ein langsamer Wechsel wichtig. „Dann nimmt man ihn nicht wahr“, so Zeindlmeier. Schnell dagegen muss der berühmte „Black“ nach dem letzten gesprochenen Satz sein – damit das Publikum weiß, dass es jetzt klatschen darf.

Das Lichtkonzept entsteht gemeinsam mit dem Regisseur

Erarbeitet wird so ein Lichtkonzept gemeinsam mit dem jeweiligen Regisseur. Meist sind diese auch offen für die Ideen des Beleuchters. Wann soll eine Fläche ins rechte Licht gerückt werden? Wann ein Objekt oder eine Person? Wäre an einer bestimmten Stelle ein großer Lichtkegel überzeugender oder ein kleiner Punkt? Eine Gasse? Die ersten Ideen entstehen schon zu Anfang, wenn auf der Probebühne die ersten Positionen und Wege festgelegt werden. Wo passiert viel? Wo macht ein Lichtakzent keinen Sinn?

Zwei Wochen vor der Premiere, wenn auch das Bühnenbild steht, werden die Scheinwerfer dann im Dialog mit dem Regisseur grob ausgerichtet. Erst ein oder zwei Tage vor der Premiere werden die einzelnen Lichtstimmungen dann festgelegt und programmiert, wobei Korrekturen immer noch möglich sind und sich auch dann noch etwas verändern kann. Erst bei den Durchlaufproben, wenn klar ist, wie sich die Schauspieler bewegen, kommt der letzte Feinschliff. Ist an einer Stelle noch ein Gesicht im Dunkeln? Stimmt das Licht mit den Wegen der Schauspieler überein? Muss an den Toneinspielungen noch etwas geändert werden?

Maximilian Zeindlmeier: „Man muss viel berechnen“

Sind dann alle Lichtstimmungen mit Hilfe des entsprechenden Mischpultes, von dem aus alle Scheinwerfer angesteuert werden können, einprogrammiert, können sie per Tastendruck abgespielt werden, ähnlich den Songs auf einer Playlist. Arbeitslos ist Maximilian Zeindlmeier währenddessen dennoch keineswegs. Nicht umsonst dauert die Ausbildung zum Veranstaltungstechniker drei Jahre und enthält jede Menge Mathematik. „Man muss viel berechnen“, sagt der Profi. „In jedem Bereich.“

Und dann gibt es ja auch bei einem perfekten Beleuchtungskonzept manchmal technische Pannen, die es im Idealfall während der laufenden Vorstellung schnell zu beheben gilt. Woran kann es zum Beispiel liegen, wenn ein Scheinwerfer kaputtgeht? Liegt es an einer schadhaften Leitung? Oder muss einfach nur die Glühbirne ausgetauscht werden? „Es ist Glück, wenn so etwas vor der Pause passiert“, sagt Zeindlmeier und lacht. „Dann kann man während der Pause kurz die Leiter reintragen und das reparieren. Bei einer defekten Leitung aber wird es schwer.“

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