Sehr beengt: Jürgen Ehrmann vom ADFC auf der Stuttgarter Straße Foto: Gottfried Stoppel

Die Mängelliste der Biker in Backnang ist lang. Kein Wunder: Die Kommune war beim Klimatest des ADFC ganz weit hinten gelandet. Die Stadt will im Oktober ein Konzept zur Rad-Infrastruktur vorlegen. Der ADFC hat eigene Ideen.

Backnang - Die Stadt Backnang ist kein Dorado für Biker. Jürgen Ehrmann vom örtlichen Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) ist viel unterwegs auf seinem Drahtesel, 20 000 bis 25 000 Kilometer im Jahr, und er kann Geschichten erzählen. Beim Treffen an diesem Vormittag hat der 64-jährige Mann im (Un)Ruhestand eine lange Mängelliste im Gepäck. Er spricht von ungezählten Schlaglöchern, von fehlenden Warnschildern, von Werbetafeln, die den Bikern den Blick versperren, von plötzlich endenden Radwegen.

Das sagt der Fahrradklimatest

Beim ADFC-Fahrradklimatest, einer Umfrage unter Radlern in ganz Deutschland, ist Backnang weit hinten gelandet. Bei den Städten unter 50 000 Einwohner auf Platz 356, von 364 bewerteten Kommunen. Dafür gab es die Note 4,5. Im Rems-Murr-Kreis waren ferner bewertet worden: Fellbach: Platz 140, Note 3,6; Winnenden: Platz 208, Note 3,8 sowie Schorndorf: Platz 268, Note 4,0. Deutlich besser abgeschnitten hat in der Region Stuttgart zum Beispiel die Stadt Rutesheim: Platz elf, Note 2,6.

Das verspricht die Stadt

Die Stadtverwaltung Backnang gelobt Besserung. Die Kommunalpolitiker haben beschlossen, den Geh- und Radweg an der Murr im Bereich Obere Walke neu anzulegen. Vorgesehen sind Ausgaben in Höhe von rund 600 000 Euro für die Wege und rund 544 000 Euro für die Neugestaltung des nördlichen Ufers des Flusses. Im April hatte ein Experte unter anderem vorgeschlagen, Radgaragen zu bauen, neue Radwege anzulegen beziehungsweise auf den Straßen die Spuren für Biker (besser) zu markieren. Vielerorts würden die Radler zu nah an parkenden Autos vorbei geführt. Radfahren, sagte der Fachmann Günter Bendias, werde in Backnang oft „nicht mitgedacht“. Bestehende Radrouten in Backnang hätten, wenn überhaupt, eine „Bonsai-Wegweisung“, sprich: die Schilder seien viel zu klein, nicht lesbar. Der Baudezernent der Stadt, Stefan Setzer, hat kürzlich erklärt: „Wir wissen, dass noch viel zu tun ist.“ Im Oktober würde ein Konzept für die künftige Radinfrastruktur vorgestellt.

Das will der ADFC ganz konkret

Mit Blick auf den jüngsten Beschluss, den Radweg an der Murr neu anzulegen, sagt Ehrmann sinngemäß: sehr gut, aber die Kosten sollten keinesfalls unter Radfahren verbucht werden, sondern unter Tourismus. Der alte Weg an der Murr reiche für die Alltagsradler nämlich aus. Die Mängelliste des Fahrradclubs umfasst 24 Punkten. Unter anderem wird kritisiert, dass die Radwege in der Stadt kaum beschildert seien. Am „Knotenpunkt Adenauerplatz“ sei das Radfahren eine mittlere Katastrophe, Biker könnten kaum die Straßen kreuzen, in der Stuttgarter- und der Eugen-Adolff-Straße müssten unbedingt separate Fahrspuren für Radler angelegt werden. Auch in den Nachbarkommunen liege einiges im Argen: Es gebe viele Radweglücken, etwa zwischen Erbstetten und Nellmersbach.

Wie geht es weiter?

Ehrmann sagt, die Zusagen der Stadt seien schön und gut. Es müsse aber endlich mehr getan werden. Der ADFC Backnang und Backnanger Bucht will sich aktiv einbringen beim Erarbeiten des Radkonzepts. Derzeit laufen übrigens bundesweit die Befragungen für den neuen ADFC-Fahrradklimatest 2018. Auch Jürgen Ehrmann ist gespannt, wo Backnang diesmal landet.

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