Hans-Christoph Rademann leitet das „Nachtprogramm“ der Gaechinger Cantorey und der Stuttgarter Philharmoniker. Foto: Martin Förster

Durch die Nacht mit Franz Schubert: die Gaechinger Cantorey und die Stuttgarter Philharmoniker gestalten ein gemeinsames Programm – als Konzertstream. Aufgezeichnet wurde das Konzert im Gustav-Siegle-Haus. 

Stuttgart - Gut, Nachtleben außerhalb der eigenen vier Wände findet derzeit pandemiebedingt allenfalls in der eigenen Imagination statt. Aber das ist vielleicht gerade ein Grund mehr, die eigene Fantasie wieder etwas mehr einzusetzen. Gute Begleiter sind da auf jeden Fall die Gaechinger Cantorey und die Stuttgarter Philharmoniker, die gemeinsam ein musikalisches Programm gestalten, das den Zauber der nächtlichen Stunden zum Thema hat. Kunstschaffende in der Epoche der Romantik waren von deren geheimnisvoller, manchmal unheimlicher Stimmung besonders fasziniert.

Von Dunkelheit und Ruhe, schicksalhafter Tragik und bisweilen reg­samer Betriebsamkeit der Nacht handeln so auch Franz Schuberts Lieder für Männerstimmen zu diesem Thema. In ihrem „Nachtprogramm“ interpretieren der Männerchor der Gaechinger Cantorey und die Stuttgarter Philharmoniker unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann aus diesem Grunde die schönsten Lieder und Chorlieder des Komponisten zur Nacht sowie seine 4. Sinfonie.

Konzertstream ist ab dem 8. Mai abrufbar

Der Konzertstream des vierten Stuttgarter Abonnementkonzerts der Internationalen Bachakademie Stuttgart in Kooperation mit den Stuttgarter Philharmonikern ist vom 8. Mai an abrufbar, und zwar auf der Webseite der Bachakademie, der Webseite der Stuttgarter Philharmoniker und dem Youtube-Kanal der Bachakademie. Das im Gustav-Siegle-Haus aufgezeichnete Konzertvideo ist kostenfrei und zeitlich unbegrenzt zugänglich. Die Bachakademie bittet jedoch um Spenden zur Unterstützung ihrer digitalen Aktivitäten.

Dunkel und nächtlich – zugleich tragisch und pathetisch: So muten Schuberts Werke in diesem vor allem durch Chorlieder geprägten Programm an. Der „Gesang der Geister über den Wassern“ sowie „Grab und Mond“ und „Nachtmusik“ zeichnen zärtlich eine dunkel-samtige Atmosphäre und stimmen auf die Programmatik ein.

„Nachtprogramm“ ist melancholisch und stürmisch

Die emotionale Polarität, die zwischen der Introvertiertheit der stillen Nacht und der skurril ausgelassenen Betriebsamkeit zu nächtlicher Stunde oszilliert, zeigt sich im „Nachtgesang im Walde“ und in „Der Geistertanz“, der als Finale im Pianissimo die Zeit um Mitternacht besingt. Die Reflexion über Schicksal und Befindlichkeit des romantischen Menschen findet in Franz Schuberts 4. Sinfonie ihren Ausdruck. Gerade einmal 19 Jahre alt war Franz Schubert, als er dieses Werk komponierte, dem er selbst den Beinamen „Tragische“ gab. Auf die deutlich spürbare Melancholie der langsamen Einleitung folgt ein stürmisches Allegro vivace, in dem die Schubert-Forschung - wie in der gesamten Sinfonie - die Spuren Beet­hovens wiederfindet.

Das „Nachtprogramm“ wird pandemiebedingt als Alternative zum ursprünglich für dieses Abonnementkonzert geplanten Programm mit großbesetzten Werken von Berlioz und Mendelssohn angeboten.

Info: Der Konzertstream steht vom 8. Mai an zur Verfügung auf Webseite der Bachakademie, der Webseite der Stuttgarter Philharmoniker und dem Youtube-Kanal der Bachakademie