Hans-Christoph Rademann Foto: M. Foerster

Die Internationale Bachakademie Stuttgart bietet in ihrer neuen Konzertreihe „Hin und weg“ Kantaten in den Wagenhallen, in St. Eberhard und im Kunstmuseum.

Stuttgart - Großer Bahnhof in den Wagenhallen. Der Leiter der Internationalen Bachakademie, Hans-Christoph Rademann, ist da, der Stuttgarter Kulturbürgermeister Fabian Mayer, der Domkapellmeister Christian Weiherer, Stefan Mellmann, der Geschäftsführer der Wagenhallen, und Elisabeth Kuon, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kunstmuseums. Vorgestellt wird eine neue Konzertreihe, mit der die Bachakademie die herkömmliche Bewegungsrichtung im Konzertbetrieb umkehren will: „Hin und weg“ ist der Titel der zunächst drei Veranstaltungen, in denen sich die Musiker zum Publikum begeben wollen. „Unser Wurzelwerk“, sagt Rademann (und meint damit Musik Johann Sebastian Bachs), „wollen wir näher an die Menschen heranbringen, als das im Beethovensaal möglich ist.“ „Niederschwellig“ soll, so Fabian Meyer, der Zugang sein. Jeweils eine Bach-Kantate soll an drei unterschiedlichen Orten erklingen, dann erläutert, anschließend nochmals gespielt werden – und wer nach dem einstündigen Konzert mag, kann noch da bleiben im Gespräch mit den Musikern das Gehörte vertiefen.

Um eine „Brechung zwischen Raum und Musik“ soll es, so der Akademieleiter, bei „Hin und weg“ außerdem gehen – was vor allem wohl auf den ersten Spielort am 17. Oktober, die Wagenhallen, zutrifft. „Das hier“, sagt Hans-Christoph Rademann, „ist kein Raum, in dem man beim Musikhören die Augen zumacht.“ Vom zweiten Konzert der Reihe in St. Eberhard verspricht sich Christian Weiherer vor allem konfessionelle Grenzüberschreitungen, und Elisabeth Kuon verspricht sich vom dritten Konzert im Kunstmuseum Synergieeffekte zwischen Bachs Kantate „Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei“ und der im November beginnenden Schau über optische Täuschungen („Vertigo“).

Weitere „Hin und weg“-Konzerte in der Saison 2020/21 sind angedacht – wie und wo diese stattfinden, wird sich noch zeigen, denn die Reihe soll ein Experimentierfeld sein. Wenn in einer säkularisierten Gesellschaft immer weniger Menschen zur Bachakademie kommen, um geistliche Musik im Konzert zu hören, dann kommt die Bachakademie halt zu ihnen – zu „freundlichen Preisen“ (Rademann) von 25 Euro bzw. fünf Euro pro Kopf für Schulklassen. Das kann ein Anfang sein. Es besteht nirgends so dringender Handlungsbedarf wie bei der Stuttgarter Oratorien-Institution.

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