Hans-Christoph Rademann. Foto: dpa

Die Saison mit der Bachakademie startet am 6. Oktober mit dem ersten Abokonzert und Werken von Bach und Zelenka.

Hans-Christoph Rademann ist als Leiter der Internationalen Bachakademie eng mit Stuttgarts kulturellem Leben verbunden. Auch mit dem hier ansässigen Carus Verlag. Dieser hat sich mit der Erschließung von geistlichen Vokalwerken, die nur schwer zugänglich waren, einen Namen gemacht. Das gilt für Notenmaterial ebenso wie für CDs. Kennengelernt haben sich Verlagsgründer Günter Graulich und Hans-Christoph Rademann schon 1997 bei einem Chorwettbewerb, den Letzterer mit dem von ihm gegründeten Dresdner Kammerchor gewann. Zahlreiche CD-Produktionen folgten. Nun haben sie eine ganz Besondere fertiggestellt: Mit „Psalmen und Friedensmusik“ ist die 20 Nummern und 28 CDs umfassende Gesamteinspielung von Werken Heinrich Schütz’ nun komplett. Es ist die erste, die es gibt.

„Wunderschöne Musikbilder“

Den Stuttgartern hat Hans-Christoph Rademann schon in der Stadtkirche Bad Cannstatt und in der Stiftskirche Schütz-Werke nahegebracht. Er ist in der Musikwelt des Barock zu Hause wie nur wenige, und er schätzt die Werke des 1585 geborenen Schütz sehr hoch. „Es ist eine Musik, die die Welt in Tönen wiedergibt, die er vor Augen hat. In ihr befinden sich wunderschöne Musikbilder verschiedenster Art.“ Wie man sich das vorstellen kann? „Es sind textbezogene Bilder“, erklärt er. „An einer Stelle wird zum Beispiel das Wort ,Balken‘ mit einem überdimensionalen Aufstieg über zwei Oktaven illustriert, dem dann ein langer Halteton über mehrere ganze Noten hinweg folgt.“ Textlich gehe es um das Brett vor dem eigenen Kopf, das einen den Splitter im eigenen Auge nicht sehen lässt.

Eigene Spiritualität

Die Werke von Schütz schätzt Rademann, weil ihnen eine ganz eigene Spiritualität innewohnt. Die Musik gehe stark vom Wort aus, die Texte stammten aus der Bibel. „Es ist keine Dichtung dabei“, wie er betont. Zugleich habe Schütz eine neue Prägung des Wort-Ton-Verhältnisses eingeführt. „Und er hat die venezianische Mehrchörigkeit nach Deutschland gebracht.“ Für Rademann ist es sehr sinnliche und gefühlvolle Musik – und brandaktuell. „Es ist eine Friedensmusik – und wir brauchen Frieden.“ Im Herbst vergangenen Jahres hat Rademann als Erster den neu gestifteten Heinrich-Schütz-Preis erhalten. Live wird er Schütz allerdings zunächst am 11. Oktober in der Karlsruher Stadtkirche dirigieren. Die Saison mit der Bachakademie startet schon am 6. Oktober mit dem ersten Abokonzert und Werken von Bach und Zelenka. Kürzlich ist zudem bei Carus Georg Friedrich Händels Utrechter Te Deum & Jubilate mit der Gaechinger Cantorey erschienen.

Näheres zur Bachakademie und zum Carus Verlag.

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