Der Stadtarchivar Alexander Brunotte erläuterte die Bedeutung der aus Sandstein gefertigten Relief-Nachbildungen. Foto: factum/Granville

Beim Ausbaggern für eine Tiefgarage sind sie ans Licht gekommen: Zwei Halbreliefs aus Stein, die vermutlich die Götter Bacchus und Apollo zeigen. Der Heimatverein hat Nachbildungen fertigen lassen.

Korntal-Münchingen - Ist es nun der Weingott Bacchus? Und ist hier tatsächlich Apollo zu erkennen, der römische Gott des Lichts und der Heilung? So ganz sicher ist das nicht, doch eines ist klar: Der Heimatverein Korntal-Münchingen unter seinem Vorsitzenden Ewald Gaukel ist mächtig stolz auf seinen Fund. Vor einiger Zeit wurden bei Bauarbeiten in der Stadt an der Ecke von Daimlerstraße und Stammheimer Straße zwei Halbreliefs mit den Köpfen römischer Götter gefunden, die stark vermuten lassen, dass es sich dabei um die Antlitze der Götter Bacchus und Apollo handelt. „Die Reliefs befanden sich in etwa 30 Metern Tiefe, man hat sie beim Bau einer Tiefgarage gefunden“, berichtet Ewald Gaukel.

Wie kamen diese Reliefs hierher?

Wieso die Reliefs genau an dieser Stelle entdeckt wurden, gibt indes Rätsel auf. An dieser Stelle in Kallenberg befand sich nämlich die Weinkelter, ehe sie im Jahr 1838 abgerissen wurde. Und Weinkeltern wurden damals weder mit Reliefs noch mit sonstigen Details verziert – und schon gar nicht mit figürlichem Bauschmuck.

Dabei spielte der Weinbau in der damaligen Zeit eine große Rolle in der Gegend. Lange vor der Entstehung der Wohn- und Industriesiedlung Kallenberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägte der Weinbau diesen Teil der Münchinger Markung. So wurden die Weinberge am Südhang des Kallenbergs und am Wolfsberg im Jahr 1350 erstmals urkundlich erwähnt, im Bereich der heutigen Kelterstraße Nummer 47 bis 49 befand sich seit dem Jahr 1489 die Kelter. Nach Angaben des Heimatvereins erstreckten sich die Weingärten im Jahr 1590 auf eine Fläche von insgesamt etwa 20 Hektar, eine Ausdehnung, die noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts Bestand hatte.

Die Skulpturen gelten als künstlerisch wertvoll

Danach verlor der Weinbau allerdings rapide an Bedeutung, und so ist im Münchinger Gemeinderatsprotokoll von 1917 zu lesen: „In den letzten Jahren wurden vollends sämtliche Weinberge, etwa 130 Parzellen, herausgehauen.“ Der Weinbau in Münchingen, und damit auch der am Kallenberg, war Geschichte geworden.

Die nun gefundenen Skulpturen gelten als die einzigen steinernen Zeugen der ehemaligen Kelter und sind nach Ansicht des Heimatvereins künstlerisch durchaus wertvoll. Die Experten vermuten letztlich auch, dass die Götter-Reliefs von wo ganz anders her stammen könnten. „Weil sich die Kelter in Korntal-Münchingen damals im Besitz der Leonberger Kellerei befand, hat man eventuell in den Fundus nicht mehr benötigter Bildhauerarbeiten aus herrschaftlichen Gärten gegriffen und sie einfach an der dortigen Kelter angebracht.“ Datiert werden die beiden Kunstwerke auf das 17. oder 18. Jahrhundert.

Zum Gedenken an die alte Kelter

Weil die Reliefs auf privatem Gelände gefunden wurden, befinden sie sich auch heute noch in privatem Besitz. Der Heimatverein hat daher jeweils zwei Nachbildungen der Götterköpfe aus Sandstein von einem Steinmetz anfertigen lassen sowie ergänzend eine Stahltafel, auf der die Geschichte der Kelter dargestellt wird. Die Gesamtkosten in Höhe von etwa 5000 Euro trägt der Heimatverein, das Denkmal ist ein Geschenk des Vereins an die Stadt. „Wir möchten mit unserer Gabe an die fast vergessene Geschichte des Weinbaus in Korntal-Münchingen und speziell an den Weinbau am Kallenberg erinnern“, sagt der Vereinsvorsitzende Ewald Gaukel.

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