Babybasar in Wäldenbronn: Wer früh kommt, hat die größte Chance, gut erhaltene Kleidungsstücke und Spielzeug günstig zu erstehen Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Auf Babybasaren trifft man vor allem feilschende Mütter – Manche Besucher kommen nur zum Kaffeetrinken. Wir haben uns an einem Wochenende auf einem Basar in Esslingen umgesehen.

Frühmorgens in Wäldenbronn. Die Straßen vor dem Gemeindehaus sind längst auf beiden Seiten zugeparkt. Mit Kleinwagen. Von Müttern, die die Ersten sein wollen. Sie ­stolpern vollbepackt ins Haus, schleppen Kleiderstangen und Kisten. Kinder trotten hinterher. Väter dagegen sieht man kaum.

Im Gemeindehaus in dem Esslinger Stadtteil ist es noch trügerisch still. Die Ruhe vor dem Sturm. Denn heute ist Babybasar. Das bedeutet: Getümmel, Lärm, Feilscherei. Wer zu spät kommt, dem bleiben durchgescheuerte Jeans, ausgeleierte Pullis, abgelatschte Schuhe. Wer zeitig dran ist, kann aber Schnäppchen für die Kleinen ergattern: Klamotten, Schuhe, Spielzeug, Bücher.

Vorbereitung braucht viel Zeit und Helfer

Jeweils im Frühjahr und im Herbst veranstaltet der Kindergarten in der Kirchengemeinde St. Bernhard den Basar. Wer in Wäldenbronn oder anderswo schon mal eine solche Veranstaltung mitorganisiert hat, weiß: Die Vorbereitung braucht Zeit – und viele Helfer. Termine müssen abgesprochen, Anzeigen geschaltet, Handzettel verteilt werden. „In der Woche vor dem Basar sind wir dann zu viert fünf volle Arbeitstage damit beschäftigt, alles unter einen Hut zu bekommen“, sagt Denise Böser, Elternbeiratsvorsitzende des Kindergartens.

Alles unter einen Hut zu bekommen, das bedeutet: Verkaufstische müssen aufgestellt und an verkaufswillige Mütter vermietet werden, die Flut an Kuchenspenden will auch kanalisiert sein. Ein Kuchen oder auch etwas Salziges pro Verkaufstisch, das ist Pflicht für jede Mutter. „Schließlich geht es uns ja auch darum, ein bisschen Geld für den Kindergarten einzunehmen“, sagt Denise Böser und erzählt, dass die türkischen Mamas schon seit dem Vortag Blätterteigtaschen mit Spinat vorbereiten. Jetzt stehen vier Mütter in der Gemeindehausküche am Herd und frittieren die Teigtaschen in reichlich Öl. Multikulti in Wäldenbronn. So türmen sich nun Kuchen und Torten, Schneckennudeln und Schinkengebäck, Sesamstangen und Blätterteigtaschen und die unvermeidlichen Muffins auf dem Büfett. Wer keine Babysachen kauft, der kommt zum Kaffeetrinken hierher.

Endlich mal die Schränke und Regale leer bekommen

Daniela Bessey hat an diesem Vormittag zwei ihrer drei Kinder beim Basar dabei. „Machen Sie nie den Fehler, nichts zu essen für die Kinder mitzunehmen“, sagt sie und lacht. „Da gehen die ganzen Einnahmen für die Verpflegung durchs Kuchenbüfett drauf.“ Sie ist nun schon zum dritten Mal beim Basar dabei und verkauft abgelegte Kleidung ihrer Kinder. Ob sich der Aufwand lohnt? „Na ja, das ist relativ. Wir sind eine große Familie und können auch untereinander viel Kleidung tauschen. Aber in der Regel nimmt man zwischen 40 und 100 Euro ein.“ Markensachen stelle sie allerdings ins Internet, da könne sie bessere Preise erzielen. Doch eigentlich geht es Daniela Bessey gar nicht ums Geld – eher will sie endlich mal die Schränke im Haus und den Keller leer bekommen. Bei einem Vormittag auf dem Basar geht freilich nur ein Bruchteil dessen weg, was sie im Angebot hat: „Alles, was ich hier nicht verkaufe, schenke ich eben dem Kindergarten. Oder ich bringe die Sachen ins Frauenhaus. Da gibt es genügend Bedürftige.“

Carmen Lustig ist Basar-Neuling. Lange habe sie die hübsche Kleidung ihrer Tochter aufbewahrt. Doch mittlerweile sei für sie das Thema Nachwuchs abgeschlossen. „Ich konnte die Sachen jetzt einfach nicht mehr sehen und will sie loshaben“, sagt sie, während sie einer Kundin ein geblümtes Sommerkleidchen für 5,50 Euro verkauft.

Beim Basar stehen die Anbieter als Verkäuferinnen hinter den Tischen

Auch Carmen Lustig hat sich an diesem Samstagvormittag nicht wegen des Gewinns an den Verkaufstisch gestellt. Sie wollte die Kleidung einfach nicht in einen x-beliebigen Kleidercontainer werfen: „Man verbindet ja auch vieles mit diesen ganzen Sachen. Und dann finde ich es irgendwie ganz schön, wenn man sie noch verkaufen kann und weiß, wer sie bekommt.“

Mittlerweile hat sich der Saal gefüllt. Babybasar-Profis­ mit blauen Ikea-Taschen schieben sich durchs Gedränge, an jeder Ecke wird gehandelt. Bei diesem Basar stehen – wie bei vielen anderen – die Anbieter selbst als Verkäuferinnen hinter den Tischen. Eine Sortierung nach Größen, wie es bei anderen Veranstaltungen dieser Art oft üblich ist, gibt es hier nicht. Das wäre für das Organisationsteam zu viel Aufwand: „Da ist man ja Tage beschäftigt, um die Sachen auszuschreiben und zu sortieren – und die nicht verkauften Klamotten hinterher wieder an die Besitzerinnen zurückzugeben“, sagt Denise Böser.

Entsprechend gesitteter geht es bei diesem Basar auch zu. Selbst nach zwei Stunden hält sich das Chaos in Grenzen. Das kann man auch anders erleben. Auf so manchem Basar gibt es schon vor der Saaltür Gedränge. Öffnet dann die Tür, hetzen kaufwütige Mütter an die Tische, hauen sich die Ellbogen in die Seite, rempeln sich gegenseitig weg und reißen sich die schönsten Stücke aus der Hand. In Wäldenbronn kann man trotz Andrangs stöbern.

Annika (9) und ihre Schwester Jana (5) haben auch einen Verkaufstisch. Drei Tage lang haben sie ihr Kinderzimmer ausgemistet. Nun liegen Plastik- und Plüschtiere, Legosteine­, Bücher und blinkende Geräte auf dem Tisch. „Wir mussten schon eine Weile überlegen, was genau wir nun hergeben wollten. Aber wir haben zu Hause ja noch genug Spielsachen“, sagt Annika und strahlt. Schließlich hat sie soeben zehn Kuscheltiere auf einen Schlag verkauft. Das Geld will sie sparen. Und was würde sie am liebsten loshaben? „Das hier würde ich nicht vermissen“, sagt sie und zeigt auf eine Art Plastiktelefon. „Das macht nur Lärm und nervt.“

Auch Regina Savo-Fritz freut sich. Gerade hat sie zwei Spielzeugautos für ihren Enkel ergattert. „Ich gehe nur auf Basare, da finde ich immer etwas zum fairen Preis.“ Warum neu und teuer kaufen, wenn es hier gut und günstig geht?

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