Autofahrer müssen auf der B 27 vom Gas gehen: Zwischen Echterdinger Ei und Degerloch gilt jetzt Tempo 80. Foto: 7aktuell.de/Rafal Niewienda

Auf der B 27 zwischen Stuttgart-Degerloch und dem Echterdinger Ei gilt nur noch Tempo 80. Wir erklären, warum das Tempolimit eingeführt wurde und wie hoch der Zeitverlust der Autofahrer auf diesem Streckenabschnitt ist.

Filder - Es war die letzte Zufahrt direkt vor Stuttgart, wo man außerhalb der geschlossenen Ortschaft schneller fahren durfte als Tempo 80. Seit Kurzem müssen Autofahrer allerdings auch auf der B 27 den Fuß vom Gas nehmen. Auf dem Streckenabschnitt zwischen dem Echterdinger Ei und dem Ortsschild Degerloch gilt jetzt dauerhaft Tempo 80 in beide Fahrtrichtungen. Bisher waren tagsüber 100 km/h erlaubt, sofern die Anzeigetafeln, die sogenannten Verkehrsbeeinflussungsanlagen, aufgrund des Verkehrsaufkommens oder des Wetters nichts anderes anzeigten. Wir erkläre die Hintergründe.

Warum wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit herabgesetzt?

Die Maßnahme ist in der vierten Fortschreibung des Luftreinhalteplans als M 5 verankert. Der Luftreinhalteplan legt dar, wie und in welchem Zeitraum der Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) in dem betroffenen Gebiet dauerhaft unterschritten werden kann. Stickstoffdioxid, teilt das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) mit, kann die Gesundheit, insbesondere die Atemwege und Lungenfunktion, nachhaltig schädigen. Die Immissionsgrenzwerte für NO2 liegen bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel. Diese werden laut RP an fast allen verkehrsnahen Standorten dauerhaft überschritten.

Das neue Tempolimit an der B 27 „dient einer Reduzierung und Verstetigung des Verkehrszuflusses auf der Strecke selbst sowie auf der Hohenheimer Straße“, sagt Stefanie Paprotka, eine Sprecherin des Stuttgarter Regierungspräsidiums. Die Temporeduzierung und weitere Maßnahmen werden umgesetzt, weil durch die bisherigen Maßnahmen nicht an allen Stellen im Stadtgebiet die Grenzwerte für die Luftreinhaltung eingehalten werden. Das RP verspricht sich davon positive Auswirkungen auf die Luftqualität in der Stadt und die Einhaltung der Grenzwerte.

Was bringt das der Umwelt?

„Laut Gutachten werden durch Tempo 80 bis zu einem Mikrogramm pro Kubikmeter NO2-Immissionen eingespart“, sagt Paprotka. „Das liegt einerseits am niedrigeren Emissionsniveau der Fahrzeuge bei Geschwindigkeiten von 80 km/h gegenüber 100 km/h, und andererseits an weniger Verkehr und an flüssigerem Verkehr.“ Allerdings sei die Wirkung nicht im Bereich Möhringen und stadtauswärts ausgerechnet worden, sondern im Bereich der B 27/Neue Weinsteige. Der Wert von einem Mikrogramm pro Kubikmeter klingt insignifikant, und auch im Luftreinhalteplan heißt es, die Maßnahme M 5 bringe „nur eine sehr geringe immissionsseitige Entlastung“. Dennoch hält das RP das Tempolimit für sinnvoll: Im Luftreinhalteplan heißt es, dass durch die Umsetzung von Tempo 80 auf der B 27 weniger Verkehr Richtung Stuttgarter Innenstadt fließt. Die Maßnahme „trägt damit zu einer Reduzierung der Belastung durch Stickstoffdioxid bei. Da der Eingriff in den Straßenverkehr relativ gering ist, ist diese Maßnahme, um weitergehende Verkehrsverbote nach Möglichkeit zu vermeiden, unter Verhältnismäßigkeitsgesichtspunkten geboten“.

Sind die langsameren Fahrzeuge auch leiser?

Dazu kann das Regierungspräsidium keine Auskunft geben. „Es gibt keine separaten Gutachten hinsichtlich des Lärmschutzes, da die Maßnahme M 5 vorrangig der Luftreinhaltung dient“, erklärt Paprotka. Laut Umweltbundesamt hängt die Lärmbelastung durch Straßenverkehr von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen Antriebsgeräusche ebenso wie der Lärm, den der Reifen auf der Fahrbahn verursacht. Auch der Fahrstil trägt zur Lautstärke bei: Starke Beschleunigung und hohe Drehzahl erzeugen mehr Lärm als gleichmäßiges Fahren mit niedrigerer Drehzahl. Und: Lkw sind freilich lauter als Pkw. „Ein Lastkraftwagen ist durchschnittlich so laut wie 20 Personenkraftwagen“, so das Umweltbundesamt. An Straßen, auf denen viele Lastwagen unterwegs sind, ist es also lauter als an Straßen mit vorwiegend Autoverkehr.

Wie hoch ist der Zeitverlust auf dem Streckenabschnitt?

Ein Auto, das konstant 100 km/h fährt, braucht für eine Strecke von einem Kilometer 36 Sekunden, bei Tempo 80 braucht das Fahrzeug für dieselbe Strecke 45 Sekunden. Rechnet man mit einer Distanz von vier Kilometern zwischen Echterdinger Ei und Degerloch, macht das bei konstanter Geschwindigkeit zwei Minuten und 24 Sekunden bei Tempo 100 und drei Minuten bei Tempo 80. Autofahrer verlieren somit etwa eine halbe Minute auf der Strecke. Für das RP ist der Zeitverlust allerdings eher theoretischer Natur, „da – aufgrund des entsprechenden Verkehrsaufkommens – auf der B 27 vor dem Tempolimit nicht konstant mehr als 80 km/h gefahren werden konnte“, teilt die Sprecherin mit.

Wird das neue Tempolimit kontrolliert?

Die Überwachung fällt in die Zuständigkeit der Verkehrspolizei im Polizeipräsidium Stuttgart. Der Polizei sei bekannt, dass sich nicht alle Verkehrsteilnehmer an die neue Geschwindigkeitsbegrenzung halten, sagt Pressesprecher Stephan Widmann. „Wir wollen das verstärkt überwachen“, sagt er. Angaben dazu, wie oft die Polizei auf der B 27 blitzen will, kann er natürlich nicht machen.

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