Rund 40 000 Fahrzeuge fahren jeden Tag auf der B27 am Möbelhaus XXXLutz vorbei. Ab Freitag wird es dort eng, die Straße zum Schloss Monrepos wird komplett gesperrt. Im Vorhinein kommt Kritik am Regierungspräsidium auf – auch von Rettungskräften.
Erst das Verkehrschaos an der A81-Anschlussstelle Pleidelsheim , dann die Sperrung des Grotztunnels in Bietigheim , zudem mehrere B27-Baustellen bis hoch nach Kirchheim – auch rund um Affalterbach ist kaum mehr ein Durchkommen. Für viele wirkt es aktuell, als ob hinter jeder Kurve im Kreis Ludwigsburg eine neue Baustelle und Staus warten.
Die Häufung an Straßenarbeiten und Verkehrsbehinderungen in den vergangenen Monaten ist auffällig, zum Ende des Jahres kommt es an einer zentralen Stelle des Landkreises nun noch mal knüppeldick. So dick, dass sich Bürgermeister und das Deutsche Rote Kreuz ernsthafte Sorgen machen – und die Kommunikation des zuständigen Regierungspräsidiums kritisieren.
Was ist überhaupt geplant?
Wer von der Autobahnausfahrt Ludwigsburg-Nord nach Freiberg will, fährt anstatt viereinhalb Kilometer dann acht Kilometer über die Umleitung Ludwigsburg-Hoheneck. Der Weg von der Autobahnausfahrt zur Domäne Monrepos steigt derweil von zwei auf elf Kilometer – jeweils über die Umleitung Ludwigsburg-Hoheneck oder jene über Bietigheim. Auch der Weg von der Ludwigsburger Innenstadt zur Domäne Monrepos wird länger, anstatt fünf Kilometern wird er in der Woche vom 2. bis zum 9. Dezember acht Kilometer lang sein.
Die Bauarbeiten müssten sein, sagt Ludwigsburgs Infrastrukturbürgermeister Sebastian Mannl – da seien sich alle einig. Man brauche sich aber keine falschen Hoffnungen machen, es werde zu starken Verkehrsbeeinträchtigungen kommen. Auf der B27 werden Staus entstehen, der Ausweichverkehr über Hoheneck und über die Autobahnausfahrt Ludwigsburg-Süd und die Schwieberdinger Straße wird steigen. „Die Erfahrung zeigt, dass sich die Autofahrer andere Wege suchen und der Druck nachlässt“, so Mannl hoffnungsvoll.
Ursprünglich wollte das Regierungspräsidium nicht nur die L1138 komplett sperren, sondern auch die Einfallstraße B27. 40 000 Autos täglich hätten sich einen neuen Weg nach Ludwigsburg oder raus aus der Stadt suchen müssen, sagt Mannl: „Wir haben uns in Verhandlungen darauf verständigt, dass jeweils ein Streifen offen bleibt.“
Doch nicht nur hier scheinen Stadt und Regierungspräsidium unterschiedlicher Meinung gewesen zu sein. Im Gespräch mit dieser Zeitung bemängelt Sebastian Mannl die Kommunikation der Behörde an die Öffentlichkeit. Die Stadt sei damit „nicht zufrieden“, der zeitliche Vorlauf sei zu knapp gewesen. „Als Stadt haben wir da andere Ansprüche an die Kommunikation.“ Auch Jan Hambach, Bürgermeister von Freiberg, sagt: „Wir haben erst sehr kurzfristig davon mitbekommen und hatten nicht viel Vorlauf.“
DRK sorgt sich um Rettungsfahrten
Klare Worte findet zudem Till Fröscher, er ist Rettungsdienstleiter des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Ludwigsburg. Normalerweise werde man früh in Baustellenvorbereitungen einbezogen, „bei den nun vorgesehenen Sperrungen wurden wir vom zuständigen Regierungspräsidium weder informiert noch angehört“. Das DRK habe mehr oder weniger nur durch Zufall von den Einschränkungen erfahren.
Fröscher geht von langen Rückstaus auf der B27 aus, die vor allem den Krankentransport verlängern könnten. Die Auswirkungen dieser Staus auf Notfallfahrten sehe er derweil gelassen, „da wir mit Sonder- und Wegerechten in der Regel trotzdem gut und zügig durch Baustellen kommen“.
Mehr Sorge bereitet ihm die Vollsperrung der L1138, die Notfallrettung in Richtung Freiberg und Ingersheim sei dadurch eingeschränkt. Doch auch für Ludwigsburg und Bietigheim sieht der Rettungsdienstleiter ein „höheres Potenzial von deutlichen Verzögerungen in der Notfallrettung“. Denn die Landstraße zwischen Freiberg und Ludwigsburg sei stark befahren, wenn all diese Fahrzeuge die Umleitungen nutzen, „rechnen wir mit einem deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen sowohl im Stadtgebiet Ludwigsburg als auch im Stadtgebiet Bietigheim“. Das DRK hätte sich eine detaillierte Information und Beteiligung durch das RP im Vorfeld gewünscht, sagt Fröscher.
Das RP wehrt sich gegen die Kritik. Auf Nachfrage schreibt eine Sprecherin, dass die Maßnahme schon im Sommer mit der Stadt Ludwigsburg und der Domäne Monrepos abgestimmt worden sei. Auch andere Kommunen und Rettungskräfte seien „rechtzeitig“ informiert worden. Das RP habe jedoch erst Mitte November mit der Info an die Öffentlichkeit gehen können, da die Fertigstellung der Baumaßnahme an der A 81-Anschlussstelle Pleidelsheim abgewartet werden musste.