Auf der Bundesstraße 27 war der sogenannte Enforcement Trailer besonders erfolgreich. Viele Autofahrer wurden geblitzt – und beschwerten sich hinterher. Foto: Archiv

Die Stadt im Kreis Ludwigsburg hat einen sogenannten „Enforcement Trailer“ getestet. Das Fazit der Verantwortlichen: Das Gerät erfüllt seine Aufgabe gut – das gefällt allerdings nicht jedem.

Kornwestheim - Rund vier Wochen lang hat die Stadt Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) die moderne Geschwindigkeitsmessanlage „Enforcement Trailer“ getestet. Und das Fazit fällt positiv aus – aus Sicht der Verwaltung. Von Mitte Juli bis Mitte August erfasste das Gerät, das einem Anhänger gleicht und bis zu einer Woche stehen und blitzen kann, bevor die Akkus getauscht werden müssen, in Kornwestheim 3149 Verstöße. Eine erkleckliche Zahl, auch wenn einige Geschwindigkeitsübertretungen, etwa von Polizei und Krankenwagen, herausgerechnet werden müssen.

Ingo Kröner, Leiter des Ordnungsamts, schlägt nach der Testphase vor, längerfristig einen Enforcement Trailer zu leasen und ihn später zu übernehmen. Auch ein direkter Kauf der rund 130 000 Euro teuren Anlage sei möglich. Entscheiden wird demnächst der Gemeinderat, im Rahmen der nächsten Haushaltsberatungen.

Der Standort an der B 27 zieht den Unmut auf sich

Das Ordnungsamt platzierte den Enforcement Trailer während des Monats für jeweils sechs oder sieben Tage an einer Stelle im Stadtgebiet, danach verlegten sie ihn wieder. Auch an der Bundesstraße stand der Anhänger eine Weile. Dieser Platz zog einigen Unmut auf sich. Bei der Stadt gingen mehrere Anfragen und Beschwerden ein. Es wurde beispielsweise bemängelt, dass es gar nicht erlaubt sei das Gerät in dieser „Nothaltebucht“ aufzustellen. Kröner betont, der Standort an der B 27 sei keine Nothaltebucht, sondern eine gewöhnliche Haltebucht. Und: „Hinter dem Anhänger mit dem Messgerät war noch ausreichend Platz, da hätte noch ein 40-Tonner hingepasst.“

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In den sozialen Netzwerken regte sich ebenfalls Widerstand. Ob das die „moderne Form der Wegelagerei“ sei, fragte ein Nutzer rhetorisch, andere wollten das Geld für die Anschaffung des Trailers lieber anders investiert sehen, in Kindergärten oder Schulen etwa. Vom „Scheißblitzer zum Abzocken“ war ebenso zu lesen wie davon, dass man den Fahrern den Spaß am Autofahren verleiden wolle. Andere Nutzer beschwichtigten: Einfach anständig fahren, dann gibt es keine Probleme, so der logische Schluss.

Vielen Verkehrsteilnehmern fehlt das Unrechtsbewusstsein

Dietmar Allgaier, Erster Bürgermeister in Kornwestheim, stellt klar, dass es keinesfalls darum gehe, den Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Es sei Aufgabe der Kommunen, für Sicherheit auf den Straßen zu sorgen und Geschwindigkeitsverstöße zu kontrollieren. Hierbei arbeite man auch mit den übergeordneten Behörden und der Polizei zusammen.

Man stimme sich ab, wo Schwerpunkte liegen, die kontrolliert werden müssten. Generell seien Beschwerden nicht neu, wenn geblitzt werde, sagt Allgaier, „vor allem von Betroffenen“. Vielleicht sorge die neue Technik ja für mehr Aufmerksamkeit. Ingo Kröner betont, er beobachte, dass bei einigen Verkehrsteilnehmern kein Unrechtsbewusstsein mehr da sei.

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Diese Beobachtung – Regeln gelten nur für die anderen – macht übrigens auch Frank Iniec, der kommissarische Leiter des Kornwestheimer Polizeireviers. „Die Einsicht für das eigene Fehlverhalten ist oft nicht mehr da, man fordert Freiheiten für sich selbst, akzeptiert aber keine Einschränkung von anderer Seite.“

Im Winter 2006 verunglückte ein Autofahrer auf der B 27

Dass es an der B 27 bei Kornwestheim nicht um „Abzocke“ geht, sondern Verkehrsüberwachung nötig ist, zeigt auch die Historie der Verkehrsüberwachung in diesem Straßenabschnitt. Im Winter 2006 ereignete sich hier ein schwerer Unfall: Ein Autofahrer fuhr mit 170 Kilometern pro Stunde, streifte die Mittelleitplanke und rutschte von der Straße in einen Schrebergarten, wo er gegen einen Baum prallte. Der Mann starb. Erlaubt sind auf der B 27 nur 80 Stundenkilometer.

In der zweiten Hälfte der 2000er Jahre gab es eine Debatte in Kornwestheim über Aufgaben des Vollzugsdienstes und die Sicherheit generell, nicht nur, aber auch mit Blick auf jenen schweren Unfall. Ein Ergebnis dieser Diskussion war, künftig die Bundesstraße 27 bei Kornwestheim mit stationären Messgeräten zu überwachen. Eine Blitzersäule wurde 2009 zwischen den Fahrbahnen aufgestellt.

Mittlerweile musste sie verlegt werden und deckt nur noch die Fahrbahnen in Richtung Ludwigsburg ab. Auch deswegen setzen Kröner und sein Team auf eine Lösung wie den mobilen Anhänger, um weiterhin auch die Fahrspur Der Bundesstraße in Richtung Stuttgart kontrollieren zu können.

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