Oben oder unten lang? Eine Unterführung für Radler an der Enzbrücke zwischen Walheim und Besigheim ist noch nicht vom Tisch. Foto: factum/Simon Granville

Die Kommunen Besigheim und Walheim, die die Enzbrücke verbindet, hoffen noch immer auf eine Unterführung für Radfahrer. Sie fühlen sich von der Landespolitik nicht ernst genommen – und wollen Druck beim Verkehrsministerium machen.

Besigheim/Walheim - Viele Bäume entlang der Enzbrücke zwischen Besigheim und Walheim sind schon gefallen, Radfahrer mussten in der vergangenen und auch in dieser Woche auf einem Teil der Brücke absteigen und schieben. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was auch Fußgänger und besonders Autofahrer dort noch erwartet. Denn bald beginnen die Bauarbeiten für die neue Enzbrücke, über die dort die B 27 führt. Wann genau es los geht, ist noch nicht bekannt, lange dürfte es nicht mehr dauern.

Gut eineinhalb Jahre sind insgesamt für die Bauarbeiten veranschlagt, bis die neue Brücke steht. Behinderungen für den Verkehr sind in dieser Zeit unvermeidbar, sie sollen aber möglichst gering gehalten werden. Deshalb entsteht die neue Brücke neben der alten. Dennoch werden Autos voraussichtlich drei Monate lang nur auf einer Fahrbahn über die Enz fahren können. Wenn die Brücke auf Walheimer Seite angeschlossen wird, wird sie womöglich für zwei Wochen komplett gesperrt.

Radunterführung würde über 600 000 Euro mehr kosten

Die elf Meter breite und 60 Meter lange Enzbrücke wurde 1946 gebaut und ist baufällig. Dass sie ersetzt wird, ist bereits seit längerem beschlossene Sache – auch, dass bei dieser Gelegenheit gleich die Verkehrsführung geändert wird. Die B 27 wird auf Walheimer Seite künftig nicht mehr rechtwinklig abknicken, sondern in einem Bogen über den Fluss führen. 4,5 Millionen werden die Bauarbeiten kosten.

Dafür bekommt die Brücke auch einen zweiten Gehweg, bislang müssen sich Radfahrer und Fußgänger einen teilen.

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Wie die Radfahrer künftig unfallfrei über die Brücke kommen, ist nach wie vor der große Knackpunkt. Die Gemeinden Besigheim und Walheim plädieren dafür, dass sie am Ende der Brücke nicht über eine Ampel müssen. Ihnen wäre eine Unterführung am liebsten. Da dies die Baukosten um 650 000 Euro erhöhen würde, lehnte das Bundesverkehrsministerium das Vorhaben ab. Das Hauptargument: zu teuer. Außerdem müssten wohl Tiere umgesiedelt werden. Der Aufwand sei vertretbar, meinen die Verantwortlichen in Besigheim und Walheim. Sie fürchten ohne die Unterführung einen Unfallschwerpunkt.

Unterstützung von Politikern auf Landes- und Bundesebene

Bisher ist geplant, dass die zahlreichen Radler, die besonders im Sommer auf dem Neckartalweg unterwegs sind, am Ende der Brücke über eine Ampel müssen. Heißt: Drücken, warten – und dann erst fahren. Das würden heute schon viele der Radler nicht machen, sagt Walheims Bürgermeisterin Tatjana Scheerle. Sie befürchtet zudem, dass Autofahrer an der Stelle künftig deutlich schneller unterwegs sind, weil sie nicht mehr so stark abbremsen müssen.

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Diese Argumente hatte auch eine Initiative ins Feld geführt und eine Petition gestartet. Die ist inzwischen vom Petitionsausschuss des Bundestages abgelehnt worden. Dagegen wiederum hat Thomas Pulli, der die Petition angestoßen hat, Widerspruch eingelegt. Unterstützung bekommt er unter anderem vom Bundestagsabgeordneten Eberhard Gienger (CDU), dem Landtagsabgeordneten Fabian Gramling (CDU), Tatjana Scheerle und Steffen Bühler, dem Bürgermeister von Besigheim. Sie alle wollen sich bald noch einmal mit Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) treffen.

Kommunen sind bereit, ihren Teil beizutragen

Den Befürwortern reicht es nicht, dass das Regierungspräsidium (RP) derzeit prüft, wie eine Unterführung umgesetzt werden könnte. „Das gehört doch jetzt gemacht und nicht erst in ein paar Jahren“, sagt Steffen Bühler. Die Ergebnisse aus dem RP sollen im Sommer vorliegen und dann an das Verkehrsministerium weitergegeben werden. Dort wollen Bühler und Scheerle schon einmal Vorarbeit leisten.

Die beiden Kommunen sind nämlich bereit, bis zu zehn Prozent der Kosten für die Radunterführung zu übernehmen. Scheerle vermutet, dass dieses Angebot nie von Stuttgart nach Berlin kommuniziert wurde. „Wir sind immer noch optimistisch“, sagt Bühler. „Ob das Gespräch mit dem Verkehrsminister einen Wert hat, wird sich zeigen.“

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