Erst kürzlich wurde am Westportal ein neuer Belag für den Tunnel aufgebracht. Am 1. Juli beginnen oberhalb des Portals die Erkundungsarbeiten für den neuen Versorgungsstollen. Foto: her

Bereits 2002 war der Tunnel im ADAC-Test durchgefallen. Nach Sanierungsarbeiten folgte 2006 das Urteil „sehr gut“. Das Regierungspräsidium konstatiert nun erneut Sicherheitsmängel. Wegen notwendiger Probebohrungen gibt’s ab 1. Juli Einschränkungen der Wirtschaftswege in den Weinbergen.

Tausende Pendler nutzen täglich den Fellbacher Kappelbergtunnel als wichtigste Straßenverbindung zwischen dem Rems-Murr-Kreis und der Landeshauptstadt. Umso aufmerksamer werden dann offenkundig unvermeidliche Veränderungen auf diesem Abschnitt der Bundesstraße 14 registriert. So etwa die in der vergangenen Woche ohne jegliche Vorwarnung vom Regierungspräsidium Stuttgart (RP) angeordnete Regelung, wonach aus Sicherheitsgründen in den beiden Tunnelröhren sowie teilweise auch davor und danach Tempo 80 gelten müsse – ähnlich übrigens wie im Leutenbachtunnel, was dort ebenfalls etliche und heftige Protestnoten verursacht hat.

 

Neuer Versorgungsstollen hat einen Durchmesser von 2,50 Metern

Ebenfalls recht aktuell ist eine weitere RP-Verfügung, wonach der Kappelbergtunnel einen neuen, eineinhalb Kilometer langen Stollen unterhalb der Röhren benötigt. Dieser begehbare Versorgungsstollen soll einen Innendurchmesser von 2,50 Metern haben und etwa in Brandfällen durch die Ableitung brennbarer Flüssigkeiten die Sicherheit erhöhen.

Bekannt wurde dieses Vorhaben allerdings nicht etwa durch eine öffentliche Verlautbarung des RP, sondern lediglich durch Briefe der Behörde an die Grundstücksbesitzer und speziell die dortigen Weinbauern, dass Probebohrungen bis in 20 oder 30 Metern Tiefe erforderlich seien. An die Öffentlichkeit gelangte das Thema dann erst, als Baudezernentin Beatrice Soltys in einem Fellbacher Gemeinderatsausschuss die intransparente Informationspolitik des Regierungspräsidium rügte. Dass die Probebohrungen, so die Erklärung des RP, Aufschluss über anzutreffende Gesteinsschichten und die Grundwassersituation in der Gegend geben sollen, hat bei einigen Wengertern Besorgnis ausgelöst, weil sich im Untergrund Anhydrit befinden und dieses Mineral mit Wasser oder Feuchtigkeit aufquellen könnte.

Erkundungsbohrungen entlang der Weinbergwege

Nach dem mittlerweile jetzt doch vom RP veröffentlichten Zeitplan finden von Montag, 1. Juli, bis voraussichtlich Mitte September abschnittsweise Erkundungsarbeiten entlang der Wirtschaftswege im Bereich der Weinberge des Kappelbergtunnels statt.

In die Fahrbahn der B 14 werde dabei nicht eingegriffen. Durch die Erkundungsarbeiten sollen die Baugrundverhältnisse tiefgründig aufgezeigt werden. „Diese bilden die Grundlage für die Planung der Ertüchtigung des Kappelbergtunnels.“ Auf Wunsch der Stadt Fellbach wird vorab ein Beweissicherungsverfahren durchgeführt.

Die erste Bauphase beginnt oberhalb des westlichen Tunnelportals des Kappelbergtunnels. Mitte Juli folgen zunächst die Bauphasen 2 und 3 in Richtung Osten. Die Bauphase 4 befindet sich oberhalb des östlichen Tunnelportals außerhalb der Weinberge. Das Regierungspräsidium ist „bestrebt, die Baugrunderkundungen vor der Weinlese im Herbst abzuschließen“. Da diese witterungsabhängig sei, würden die Bohrarbeiten mit den betroffenen Anliegern abgestimmt und bei Bedarf unterbrochen.

Der Kappelbergtunnel ist in seiner mittlerweile 32-jährigen Existenz schon mit divergierenden Qualitätsurteilen belegt worden. Nach der anfänglichen Zufriedenheit überraschte der ADAC 2002 mit dem vernichtenden Urteil, wonach es erhebliche Sicherheitsmängel gebe, was ein hohes Risikopotenzial bedeute.

Einer der sichersten Straßentunnel Deutschlands – hieß es 2006

Nach eineinhalbjähriger Sanierung brachte der nächste europaweite Test 2006 dem Fellbacher Tunnel die Note „sehr gut“ ein. Der damalige Geschäftsführer der IHK  Rems-Murr sprach gar von einem der schönsten und sichersten Straßentunnel in Deutschland. Ganz aktuell ist nun wieder die Einschätzung „mangelhaft“ en vogue. „Den mittlerweile geltenden Sicherheitsstandards genügt der Straßentunnel nicht mehr“, so das Regierungspräsidium vor wenigen Tagen.