Enzweihingen leidet schon lange Zeit unter zu viel Verkehr. Schon länger gibt es Pläne für eine Umgehung, die allerdings auf Widerstand stößt. Foto: factum/Archiv

Die günstige Lage von Enzweihingen an einer Fernstraße wird zum verkehrlichen Pferdefuß. Gesucht wird eine Umgehung für den Teilort von Vaihingen an der Enz. Jetzt veranstaltet das Regierungspräsidium einen Erörterungstermin zum Neubau der B 10/Ortsumfahrung Enzweihingen – wegen Corona unter erschwerten Bedingungen.

Vaihingen/Enz - Das in der Regel langwierige Verfahren zu einer Planfeststellung kennt zahllose Regeln. Nun ist eine hinzugekommen: die Regel, 1,5 Meter Abstand zu halten. Am nächsten Dienstag veranstaltet das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart einen Erörterungstermin zum Neubau der B 10/Ortsumfahrung Enzweihingen. Das RP ist die Genehmigungsbehörde des vom Bund finanzierten Projekts. Bei einer solchen Gelegenheit macht sie sich ein Bild davon, ob sich die vorgesehene Umgehungsstraße rechtskonform umsetzen lässt.

Es ist die erste Veranstaltung der Landesbehörde in Corona-Zeiten außerhalb seiner Gebäude. Folglich besteht der Einladungstext zu einem wesentlichen Teil aus Hygienevorschriften, die alle Teilnehmer im Stadtteil Kleinglattbach in der Halle im See zu beachten haben. Es fehlt etwa nicht der Hinweis, den eigenen Stift zum Ausfüllen des Anwesenheitsformulars mitzubringen, um diesen möglichen Virusträger nicht mit anderen Personen teilen zu müssen.

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Es herrscht Unsicherheit bei den Veranstaltern, wie Diskussionen unter dem Diktat der Desinfektionsmittel und des Mund-Nasenschutzes verlaufen. Mikrofone müssen jedes Mal gereinigt werden, bevor der nächste Redner die Stimme erhebt. Der zähe Ablauf kann Wortmeldungen verhindern, weil Teilnehmer die Lust aufs Debattieren verlieren, oder Diskussionen über das Maß hinaus in die Länge ziehen. Vorsorglich hat das Regierungspräsidium daher die Halle für den Folgetag reserviert.

Nur bestimmte Bürger sind zugelassen

Das Interesse der Anwohner am Verlauf der Umgehung ist stark. Das haben die teils emotionalen Diskussionen der Vergangenheit gezeigt. Ein solcher Erörterungstermin ist dennoch nicht speziell für die Öffentlichkeit gedacht. Eingeladen sind Fachbehörden und Verbände, die Träger öffentlicher Belange. Bürger sind zugelassen, wenn sie vom Projekt betroffen sind und einen Widerspruch formuliert haben. Unter den bisher 110 Anmeldungen sind nach Angaben des RP 80 von Privatpersonen. Wer keine Anmeldung vorzeigen kann, muss draußen bleiben.

Eigentlich sollte der Termin bereits im April in Enzweihingen stattfinden. Doch wegen Corona hat das RP diesen abgesagt. Um die Geduld der Betroffenen nicht zu überstrapazieren, hat sich die Behörde entschlossen, noch vor der Sommerpause diesen Punkt im Genehmigungsverfahren abzuhaken. Dazu wurde die größte Halle in der Umgebung gewählt.

Durchgangsverkehr seit der Römerzeit

Im Mittelpunkt der Treffens steht ein Plan, in der rund um Enzweihingen die zweispurige Umfahrungstrasse (eine je Richtung) eingezeichnet ist, mit der das Bundesverkehrsministerium die etwa 4000 Einwohner des historischen Stadtteils vom Durchgangsverkehr entlasten möchte. Nach den Verfahrensregeln wird ausschließlich die vorgelegte Planung bewertet. Bürgerinitiativen forderten zwar eine Untertunnelung der B 10, um den Flächenverbrauch zu lindern. Sollte der Vorschlag in die Diskussion gebracht werden, wird er wohl nicht verfolgt, auch wenn eine Tunnelvariante ursprünglich Teil der Planungen gewesen war.

Der Ort kennt den Durchgangsverkehr seit der Römerzeit. Am Enzübergang einer bedeutenden Fernstraße zu liegen, hat Enzweihingen in der Vergangenheit zumindest phasenweise Wohlstand gebracht. Spätestens seit den 1970er Jahren wird der Verkehr nur noch als Belastung empfunden. Täglich drängeln sich bis zu 30.000 Fahrzeuge, darunter nicht wenige Lastwagen, auf der Bundesstraße durch den Ort. Seit einem halben Jahrhundert wird bereits um die Umgehung gestritten.

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