Die Blitzersäulen an der B 10 stehen längst, sind aber noch nicht in Betrieb. Sie sollen laut Stadtverwaltung „in absehbarer Zeit“ scharf gestellt werden. Foto: Steegmüller

Seit Ende Oktober stehen an der B 10 in Wangen und Hedelfingen zwei hochmoderne Geschwindigkeitsmessgeräte. Doch wegen technischer Probleme verzögert sich die Inbetriebnahme.

Wangen - Seit Ende März 2018 – nach dem Abschluss der langwierigen Fahrbahnerneuerungsarbeiten – gilt auf der Bundesstraße 10 zwischen den Anschlussstellen Neckarpark und Hafen-Süd wieder ein Tempolimit von 80 km/h für Autos und 60 km/h für Lastwagen. Seit Ende Oktober stehen auch die zwei neuen Blitzersäulen auf dem Mittelstreifen. Sie entfalten durchaus Wirkung: Die meisten Autofahrer passieren den Bereich mit angemessener Geschwindigkeit. Wer schneller als erlaubt fährt, hat Glück: Die hochmodernen stationären Lasergeräte sind nämlich noch nicht scharf gestellt.

Wie Joachim Elser, der Leiter der städtischen Verkehrsüberwachung, einräumt, würden „technische Probleme“ die Inbetriebnahme verzögern. Obgleich es sich bei den Lasermessgeräten um den gleichen Typ handle wie bei jenen auf der Theodor-Heuss-Straße in der Innenstadt, so seien diese Blitzer für die Landeshauptstadt dennoch ein Novum: „Es sind die ersten im Stadtgebiet, die die Daten direkt zu uns übertragen.“ Es müsse nun kein Mitarbeiter mehr die Speicherkarte per Hand auswechseln und die Daten später im Büro im Computer hochladen. Vielmehr würden diese über eine verschlüsselte Verbindung direkt auf die Bildschirme im Ordnungsamt gesendet.

Datenschutzrechtliche Belange

Beim Einrichten der sensiblen Technik müsse die Herstellerfirma nicht nur „ortsspezifische Besonderheiten“ berücksichtigen, sondern auch datenschutzrechtliche Belange, sagt Elser. Und deshalb dauere es noch, bis die beiden Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen der neuesten Generation scharf gestellt sind. Wann es konkret soweit sein wird, dazu macht Elser keine Aussagen. Vielmehr kündigt er vage an, die Inbetriebnahme werde „in absehbarer Zeit“ erfolgen.

Der „TraffiTower 2.0“ der Firma Jenoptik löst die beiden alten Anlagen ab, die auf Wangener und Hedelfinger Gemarkung an der B 10 standen und im Zuge der aufwendigen Straßenerneuerung auf dem rund vier Kilometer langen Streckenabschnitt abgebaut wurden. Da sie nach 14 Jahren technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand waren, entschied sich die Stadt für eine Neuanschaffung. Jeweils 100 000 Euro kostet ein solches Hightechgerät. Das schnelle Abbremsen, um einen Strafzettel zu verhindern, wird Autofahrern nicht mehr viel nützen: Der Blitzer misst mithilfe einer besonderen Lasertechnik schon 50 Meter vor der Säule – und das sogar in beide Richtungen. Zudem kann er mehrere Autos gleichzeitig aufnehmen, da er nicht nur eine Fahrspur erfasst.

8308 Mal zu schnell unterwegs

Dass die stationären Messgeräte auf der B 10 notwendig sind, belegen die Zahlen: 2016 wurden insgesamt 8308 Geschwindigkeitsüberschreitungen am Blitzer auf Wangener Gemarkung und 4355 in Hedelfingen erfasst. 2017 wurden bis zum Abbau der „Starenkästen“ Ende Juni in Wangen 2149 Verstöße in beiden Richtungen registriert, in Hedelfingen 2698 Verstöße. Die Investitionssumme dürfte also schnell wieder eingespielt werden. Im Jahr 2016 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – hat die Stadt Stuttgart nach eigenen Angaben über elf Millionen Euro durch Bußgelder eingenommen. 34 stationäre Blitzer und sechs Fahrzeuge sind im Einsatz.

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