Mehr als 40 Auszubildende aus dem Raum Stuttgart haben in der vergangenen Woche eine Natursteinmauer auf dem Hählekopf im Kleinwalsertal ausgebessert. Bei Mehmet Karagözlü aus Winnenden hat das Projekt eine ungewöhnliche Premiere bedeutet.
Dreieinhalb Fuß Breite, vier Fuß Höhe – so lauten die Maße der Mauer, die sich über etwa 700 Meter über den Hählekopf am Ifenstock im Kleinwalsertal zieht. Sie sind vor langer Zeit in Dokumenten festgehalten worden. Stefan Kronberger, der Projektleiter der Restaurierung, weiß auch warum: „Material war teurer als Arbeitskräfte, und jeder gesammelte Stein – aufgeschichtet als frei stehende Trockenmauer – bedeutete gleichzeitig mehr Weidefläche“, erläutert der ehrenamtliche Leiter der Gruppe Natur & Umwelt der Sektion Schwaben des Deutschen Alpenvereins (DAV).
Es braucht Freiwillige, um die alten Mauern zu erhalten
Gut 200 Jahre ist die Mauer alt. Sie wurde 1816 errichtet, um die Bregenzerwälder Alpen Ifersgunt und Halden zu trennen. Seither hat sich das Verhältnis von Materialkosten und Arbeitskraft gewaltig verändert: Damals war Material teuer und Arbeitskraft billig, heute ist es genau andersherum. Das ist der Grund, warum historische Mauern wie diese inzwischen so schwer zu erhalten sind. Die Mauer wurde nun in einem gemeinsamen Projekt des Alpenvereins mit dem Verband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau aber doch restauriert – im Rahmen eines Freiwilligenprojekts.
Denn Stefan Kronberger ist nicht nur bei der Sektion Schwaben des DAV aktiv, sondern zugleich auch Ausbildungsleiter beim Gartenbaubetrieb Christoph Schweizer in Esslingen. Und so gelang es ihm, über den Verband Garten-Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg mehr als 40 Gartenbau-Auszubildende aus der Region Stuttgart zusammen zu trommeln.
Einer von ihnen war Mehmet Karagözlü. Der 20-jährige Azubi aus Winnenden steht kurz vor seiner letzten Prüfung, danach will ihn Chef Thomas Schlotz in seinem Betrieb in Hanweiler übernehmen. Die beiden teilen eine Leidenschaft: Sie arbeiten gerne mit Steinen. „Da braucht man einfach ein Geschick, ein Gefühl, ein Auge – und das hat Mehmet“, lobt Thomas Schlotz. Für ihn stand deshalb außer Frage, welchen seiner Azubis er mit Stefan Kronberger in die Alpen schicken würde.
Ein junger Mann entdeckt die Schönheit der Alpen
Für den 20-Jährigen war der viertägige Einsatz eine Premiere. Er war noch nie zuvor in die Alpen gereist. Die Landschaft im Kleinwalsertal hat ihn tief beeindruckt. Eineinhalb Stunden, sagt er, hätte die Gruppe jeden Tag gebraucht, um von der Schwarzwasserhütte aus den Arbeitsplatz in einer Höhe von knapp 2000 Metern zu erreichen. Am Abend erholten sie sich, indem sie am Gebirgsbach bei der Hütte ebenfalls Steine aufschichteten. Allerdings nicht für eine Mauer, sondern für einen improvisierten Pool im Bach, in dem sie das eiskalte Wasser stauten, um sich darin abzukühlen.
Vier Tage waren für die Restaurierung vorgesehen – doch so lange brauchte die Gruppe nicht. Bereits nach zwei Tagen sei das meiste geschafft gewesen – und das, obwohl sie teils an ausgesetzten und durchaus gefährlichen Stellen gearbeitet hätten, sagt Mehmet Karagözlü. „Es war eine gute Atmosphäre, wir waren ein super Team.“
So funktioniert Mauerbau ohne Mörtel
Die Auszubildenden arbeiteten dazu wahrscheinlich in genau der gleichen Weise wie die Menschen, die die Mauer einst errichteten: Sie bildeten eine Kette, um die Steine von einem zum anderen weiterzureichen. Bei der Mauer handle es sich um eine zweihäuptige Zyklopenmauer, erklärt Karagözlü fachmännisch.
Mit den typischen Weinbergmauern, die hier in der Region üblich sind, hat diese Mauer nicht viel zu tun – auch wenn beides Trockenmauern sind. Bei beiden werden die Steine also einfach geschichtet und nicht durch Mörtel verbunden. Anders als im Weinberg wurden sie dort aber nicht behauen, sondern einfach vor Ort gesammelt und möglichst passgenau platziert. Zum anderen muss eine solche Mauer stabil frei stehen und zwei Ansichtsseiten zeigen – ihr Zweck ist es, die Weiden zu trennen, nicht einen Hang zu stützen. „Besser als Pflaster legen auf einer Baustelle“, war das Fazit von Mehmet Karagözlü. Er will auf eigene Faust bald wieder in die Alpen fahren – zum Wandern.