Ousmane Cissé hat an der Elfenbeinküste Germanistik studiert und macht jetzt eine Ausbildung zum Erzieher in Ludwigsburg. Schöne Momente und große Herausforderungen gehen Hand in Hand.
Wenn Ousmane Cissé von seiner Ausbildung erzählt, erntet er manchmal ein Stirnrunzeln, im Fußballverein ist er damit stets für einen Schmunzler gut. Er gehört zu dem sehr kleinen Kreis an Männern, die Erzieher werden möchten. Im Kindergarten des Kinder- und Familienzentrums in Ludwigsburg-Neckarweihingen kümmert sich der 30-Jährige zusammen mit seinen vornehmlich weiblichen Kolleginnen um den Ludwigsburger Nachwuchs.
Auch als Mann hat Ousmane Cissé in der Ausbildung mit denselben Herausforderungen umzugehen wie seine Azubi-Kolleginnen. Und die sind nicht gering in diesem Berufsfeld, die Arbeitsbelastung und die Anforderungen sind hoch. Gleiches gelte glücklicherweise auch für die schönen Seiten, wegen derer Ousmane Cissé sich für diesen Beruf erst entschieden hat.
An der Elfenbeinküste Germanistik studiert
Bereits ohne die Ausbildung zum Erzieher ist sein bisheriger Werdegang nicht gerade alltäglich. Geboren an der Elfenbeinküste, hat Cissé nach der Schule Germanistik studiert. „In meiner Heimat kann man damit im Grunde nur Deutschlehrer werden, ich wollte aber etwas anderes machen“, erzählt er. Im Dezember 2021 kam er daher für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Deutschland, genauer: nach Frankfurt, wo er im ambulanten Sozialdienst für ältere Menschen tätig war.
„Von Eltern bekomme ich sehr positives Feedback – die finden es toll, was ich für Projekte mache und was die Kinder zu Hause über mich erzählen. Das gibt mir auch Kraft.“
Ousmane Cissé über seine Arbeit im Kindergarten
Der Wunsch, seine Sprachkenntnisse weiter zu vertiefen und im sozialen Berufsfeld weiter Fuß zu fassen, führte ihn schließlich nach Baden-Württemberg, genauer: nach Ludwigsburg. Hier waren die bürokratischen Hürden niedriger, zudem kann er hier eine sogenannte Pia-Ausbildung machen, eine bezahlte Ausbildung für Erzieher, bei der die Schüler nicht blockweise, sondern alle paar Tage wechselnd an der Berufsschule und an ihrem Arbeitsplatz sind.
Aber wie kam er überhaupt auf den Beruf des Erziehers? „Das haben meine Eltern auch schon gefragt“, erzählt er schmunzelnd. „Warum ich ausgerechnet mit so kleinen Kindern arbeiten möchte und nicht in der Schule mit älteren. Aber ich mache das gern, hier kann ich etwas bewirken.“
Bereits während seines Studiums war Ousmane Cissé in einem Praktikum als Streetworker unterwegs. „Wir haben mit Kindern gearbeitet, die auf der Straße leben, haben Essen verteilt und versucht, sie an neue Familien zu vermitteln.“ Diese Erfahrung war für ihn ein wesentlicher Grund, warum er einen sozialen Beruf ergreifen wollte. „Und von zu Hause hatte ich auch schon viel Erfahrung mit jungen Kindern.“ Zwar ist er das zweitjüngste von sechs Kindern. „Aber ich habe viel auf die Kinder meiner Geschwister aufgepasst, in der Aufgabe habe ich mich damals schon wohlgefühlt.“
Dass zum Erzieher-Dasein mehr gehört als nur „aufzupassen“, hat Ousmane Cissé, der mittlerweile in seinem dritten Ausbildungsjahr ist, schnell gelernt. „So einfach ist es nicht, es geht um Betreuung, Pflege, Bildung und mehr.“ Ganz besonders bei den Krippenkindern, „das ist was ganz Eigenes, und leider lernt man an der Berufsschule fast gar nichts darüber“, bedauert er.
Mit all diesen Herausforderungen, dazu das hohe Arbeitspensum an der Berufsschule, steht er nicht alleine da. Die Anforderungen und Belastungen sind Teil des Berufs und der Ausbildung. „Da sollte man sich als Person auf jeden Fall gut kennen und wissen, wo die eigenen Belastungsgrenzen liegen“, sagt er. Das merke er auch im Austausch mit anderen. „Grade, wenn viel los ist, merkt man die vielen Abwesenheiten, wie viele sich an der Schule dann krankmelden.“
Als junger Mann kommen entsprechende Blicke und Kommentare von Außenstehenden obendrauf. Diese Vorurteile in der Gesellschaft bedrücken ihn. „Das finde ich schon schade, dass Männer in dem Beruf immer etwas komisch angeschaut werden“, sagt er. Man fühle sich immer etwas „unter die Lupe“ genommen. Dieser Blick von außen, von Unbeteiligten, decke sich glücklicherweise nicht mit dem, was er in seinem direkten Umfeld gespiegelt bekommt. „Von Eltern bekomme ich nämlich sehr positives Feedback“, erzählt er erfreut. „Die finden es toll, was ich für Projekte mache und was die Kinder zu Hause über mich erzählen. Das gibt mir persönlich auch Kraft.“
Positives Feedback von den Eltern bekommen
Insgesamt gibt die Arbeit ihm sehr viel zurück, wie er erzählt. „Ich freue mich, wenn ich den Kindern etwas weitergeben kann, zum Beispiel durch Bewegungsangebote.“ Ab dem kommenden Jahr möchte er mit den Vorschülern zum Beispiel ein neues Fußball-Projekt starten. „Es ist schön, wenn sie mit Spaß dabei sind und sich selbst einbringen.“ Hinzu kommt: „Wir arbeiten im Kindergarten ja als Team. Natürlich ist der Druck da, aber als Team schafft man das.“