Die Archäologen machten die Entdeckung im Stadtteil Tlatelolco bereits im März, die Informationen wurden vom Nationalen Institut für Anthropologie und Geschichte (Inah) aber erst jetzt veröffentlicht. Foto: dpa

Mitten in Mexiko-Stadt, eine der größten Metropolen der Welt, haben Archäologen unterhalb eines abgerissenen Supermarktes einen aztekischen Tempel entdeckt. Die Forscher gehen gehen davon aus, dass der mehr als 650 Jahre alte Bau dem aztekischen Windgott „Ehécatl“ gewidmet war.

Mexiko-Stadt - Unterhalb eines abgerissenen Supermarktes in Mexikos Hauptstadt Mexiko-Stadt haben Archäologen in drei Metern Tiefe einen alten Tempel entdeckt. Er sei vor mehr als 650 Jahren vermutlich zu Ehren des aztekischen Gott des Windes, Ehécatl-Quetzalcoatl, gebaut worden, teilten die Forscher mit.

Die frühere Anbetungsstätte ist kreisförmig und 1,2 Meter hoch, der Durchmesser beträgt rund zehn Meter. Sie sei mit weißem Putz verziert, der weitgehend intakt geblieben sei.

Die Bevölkerung kann den Tempel im Stadtteil Tlatelolco derzeit durch Glasfenster betrachten. Er liegt im Umkreis einer großen, für Feste vorgesehenen historischen Anlage, die aber zum großen Teil durch die städtischen Bauten von heute verdeckt wird.

Reste präkolumbianische Städte

Die Forscher seien vom Fund selbst überrascht worden, sagte der Koordinator für nationale Archäologie, Pedro Francisco Sánchez Nada. Sie hätten lediglich Keramik und menschliche Überreste erwartet. Bei tieferen Ausgrabungen seien sie dann aber auf die Tempelstruktur sowie ganze Opfergaben – darunter Keramikfiguren von Affen und Schnabeltieren und Vogelknochen.

In dem Tempel wurden neben den Opfergaben auch acht Skelettreste von zwei Erwachsenen und sechs Kindern gefunden. Die Experten gehen davon aus, dass die Menschen Ehecatl-Quetzalcoatl geopfert wurden.

Vor etwa 500 Jahren besiegten die Spanier die Azteken. Deren Kulter verschwand nach und nach fast völlig. Auf den Ruinen ihrer Hauptstadt Tenochtitlan wurde Mexiko-Stadt erbaut. Dort findet man noch heute Spuren dieses präkolumbianischen Reiches, die an dessen vergangene Größe erinnern.

Tenochtitlan hatte bei der Ankunft der Spanier mindestens 250 000 Einwohner. Die in mehrere Stämme gegliederten Azteken schufen sich eine umfassende Götterwelt, deren Hauptgott Huitzilopochtli sie Zehntausende Menschen opferten.

Unter Mexiko-Stadt liegen nach Angaben von Wissenschaftlern mehrere präkolumbianische Städte. Die historische Handelsstadt Tlatelolco war die letzte in der Region, die Widerstand gegen die spanischen Eroberer leistete. Begonnen hatte der Aufstieg der Azteken etwa 150 Jahre vor der Eroberung Mexikos durch den Spanier Hernán Cortés 1519 bis 1520.

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