Ayse Yeter wurde von den Grünen nominiert, den Bundespräsidenten zu wählen. Die Intensivpflegerin des Klinikums erzählt, an wen sie bei der Wahl denken wird, was sie Karl Lauterbach gerne sagen würde und wer ihr einen persönlichen Auftrag erteilt hat.
Stuttgart - Mit einer Mischung aus Aufregung und Stolz steigt Ayse Yeter an diesem Freitag in den Flieger nach Berlin. Sie ist eines von 1472 Mitgliedern der Bundesversammlung, die an diesem Sonntag den kommenden Bundespräsidenten wählen dürfen. Die Grünen hatten die Intensivpflegekraft des städtischen Klinikums nominiert.
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Die kürzlich 50 Jahre alt gewordene Stuttgarterin weiß noch, wie überrascht sie war, als Mitte Dezember vor dem Nachtdienst ihr Handy klingelte und der Vorstand des Krankenhauses, Jan Steffen Jürgensen, am anderen Ende der Leitung war. Ob er denn ihre Privatnummer weitergeben dürfe? Wenig später rief auch schon Staatssekretär Florian Hassler (Grüne) mit der Anfrage an.
22 von 32 Dienstjahren als pflegerische Stationsleitung verbracht
„Es ist eine große Ehre für mich, die Pflegekräfte aus Baden-Württemberg dort vertreten zu dürfen“, sagt Ayse Yeter. Wenn sie im Paul-Löbe-Haus den Zettel in die Urne stecken wird, werde sie kurz innehalten – „für uns alle“, die in der Pandemie an vorderster Front so gefordert gewesen seien. Schade, dass ihr Vater das nicht mehr miterleben könne. Auch an ihn werde sie dann denken. Er war als Gastarbeiter ins Land gekommen und immer stolz auf seine fünf Töchter. „Aber ich nehme ihn ein bisschen mit – in mir.“
Viele E-Mails von Kolleginnen und Kollegen
Ayse Yeter ist seit 1993 deutsche Staatsbürgerin und seit 32 Jahren am Klinikum Stuttgart. 22 ihrer Dienstjahre hat sie die Intensivstation pflegerisch geleitet – bis vor wenigen Wochen. Seit Mitte Januar ist die Mutter eines erwachsenen Sohnes nicht mehr auf Intensiv im Einsatz. Stattdessen gibt sie in der hauseigenen Akademie ihr praktisches Wissen an den Pflegenachwuchs des Klinikums weiter. Ayse Yeter hat nach der Nominierung viele begeisterte E-Mails von Kolleginnen und Kollegen bekommen, auch Ärzte gratulierten. „Unsere medizinischen Teams, allen voran die Pflegekräfte, leisten Großes. Gut, dass die Pflege nun auch bei der Wahl des deutschen Staatsoberhauptes vertreten ist“, freut sich auch Vorstand Jürgensen, dass eine Kraft seines Hauses nach Berlin darf. Der sonst übliche Empfang im Schloss Bellevue kann pandemiebedingt nicht stattfinden. Aber dafür lädt die Landesregierung am Samstagabend die baden-württembergischen Vertreter ein. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, will Ayse Yeter bei dem Empfang Ministerpräsident Winfried Kretschmann ihre Wünsche für die Pflege mit auf den Weg geben: „Dass man den Berufsstand für den Nachwuchs attraktiver macht und für ihn wirbt.“ Der Wegfall von bestimmten Dokumentationspflichten würde viel helfen, glaubt sie.
Einen Auftrag muss sie „unbedingt erfüllen“
Den Wunsch will sie auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach übermitteln, sollte sie ihm über den Weg laufen. Wen sie noch gerne treffen würde? Angela Merkel. Ihr würde sie gerne von Herzen „alles Gute“ wünschen. Und Alexander Gerst. Ihr kleiner Neffe sei „ein Riesenfan“. Sie hat schon ein Bild des Astronauten ausgedruckt, es fehlt das Autogramm. „Das ist ein Auftrag, den ich unbedingt erfüllen muss“, sagt sie.
Die Bundesversammlung wird am Sonntag, 13. Februar 2022, ab 12 Uhr auf der Seite des Bundestags übertragen: www.bundestag.de.