Axel Prahl ist einer der wenigen deutschen Volksschauspieler. An diesem Samstag präsentiert er mit Jan Josef Liefers in der ARD das Live-Krimi-Event „Tödliches Spiel“.
Manchmal drängen sich Wortspiele förmlich auf: Axel Prahl ist alles andere als ein Riese, gehört hierzulande aber zu den Größten. Das hat einerseits viel mit seiner Rolle als brummeliger Hauptkommissar an der Seite von Jan Josef Liefers im 2002 gestarteten „Tatort“ aus Münster zu tun, andererseits aber auch mit einem Prädikat, das in seiner Branche nur Wenigen zuteil wird: Regisseur Andreas Dresen, der ihn einst für die Kamera entdeckt hat, adelte ihn als „Volksschauspieler“; eine Bezeichnung, die Prahl, wie er versichert, als große Ehre empfinde.
Er hat mit Dresen wichtige und vielfach ausgezeichnete Film wie „Die Polizistin“, „Halbe Treppe“ oder „Willenbrock“ gedreht und ist wie kaum jemand sonst in der Lage, den viel zitierten „kleinen Mann von der Straße“ authentisch zu verkörpern. Gerade Frank Thiel, der „Tatort“-Kommissar, könnte auch ein Mann aus der Nachbarschaft sein.
Er spielt auch einen grausamen KZ-Arzt
Allerdings scheint der gebürtige Holsteiner bei seiner Rollenauswahl sorgsam darauf zu achten, dieses Klischee nicht zu oft zu bedienen. In diversen Filmen hat er Verbrecher verkörpert („12 Winter“, „Harms“, „Der gute Bulle“); auch der Abendschullehrer Friesner in der ZDF-Reihe „Extraklasse“ ist nur bedingt sympathisch. Als Schauspieler, sagt er dazu im Gespräch mit dieser Zeitung, „möchte man natürlich ein möglichst breites Spektrum an Rollen abdecken“. Der größtmögliche Spagat ist ihm seiner Ansicht nach mit dem kürzlich abgedrehten Kinofilm „Block 10“ gelungen. In dem historischen Drama spielt Prahl den Arzt Carl Clauberg, der in Auschwitz grausame Versuche mit jüdischen Frauen durchgeführt hat; eine Rolle, „die an Menschenverachtung und Grausamkeit nicht zu überbieten ist“.
Am Samstag darf Prahl jedoch erst mal wieder kriminalisieren. „Tödliches Spiel“ wird von der ARD ziemlich vollmundig angekündigt: Die Sendung sei „ein packendes Live-Krimi-Event, das die Faszination eines Krimi-Dinners, des beliebten Freizeitspiels, auf die große Bühne bringt. Improvisiert, unvorhersehbar und spannungsgeladen bis zur letzten Minute entfaltet sich ein intensives Spiel aus Verdacht, Täuschung und überraschenden Enthüllungen – in Echtzeit.“
Auch Prahl verspricht einen „gigantischen Ratespaß für die ganze Familie und ein einzigartiges Fernseh-Event“: „Eine schwerreiche Fabrikantenfamilie feiert den Geburtstag ihres Prinzipals auf einem Schloss, alle sind bei bester Laune, es wird gesungen und getanzt; und plötzlich passiert ein Mord.“ Er spielt den Erzähler, der im Hintergrund Hinweise sammelt, Liefers agiert als Conférencier direkt mit dem Ensemble und lenkt, wie es heißt, die Ereignisse in immer wieder neue Bahnen. Die Rollenverteilung passt zum Image der beiden „Tatort“-Stars: In der Branche wird Prahl neben seinen Qualitäten als Schauspieler nicht zuletzt wegen seiner Bodenständigkeit gerühmt.
Einer, der nicht vergisst, wo er herkommt
Diese Seite seines Charakters kommt auch in Knut Elstermanns sehr lesenswerter Biografie „Was man liebt, braucht Zeit“ immer wieder zur Sprache. Prahl hat eine einfach klingende Erklärung für seine Bodenhaftung: „Wenn du weißt, wo du herkommst, weißt du auch, wo du hingehörst. Dazu kommt ein gewisser Solidaritätsgedanke. Außerdem weiß ich, dass jedes Glück von heute morgen schon vorbei sein kann. Wenn man sich dessen bewusst ist, braucht man sich auch nicht fürchten.“
Womöglich lässt sich auf diese Weise erklären, warum Prahls Filmkarriere so spät begonnen hat, nachdem Dresen ihn auf der Bühne des Berliner Grips-Theaters erlebt hatte: „Ich glaube, in dieser Hinsicht geht es mir wie vielen anderen Kolleginnen und Kollegen vom Theater, die sich erst in einem gewissen Alter in die ‚freie Wildbahn’ des Films getraut haben. Hier ist es deutlich schwerer zu überleben, es gibt viel Ungewissheit. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass das alles bei mir erst so spät los ging. Auch das ist ein wichtiger Bestandteil meiner Bodenhaftung.“
Passionierter Musiker
Ähnlich wie Liefers ist Prahl passionierter Musiker. Mit diesem weniger bekannten Teil seines Lebens befasst sich die Biografie, an der der Schauspieler maßgeblich beteiligt war, sehr ausführlich. Die Musik, sagt Prahl, „begleitet mich schon seit meinen Kindertagen, ich hatte bereits als Jugendlicher eine eigene Band, aber mit den mageren Einnahmen konnte ich meine noch junge Familie damals nicht ernähren.“
Die Musik hat ihn jedoch nie losgelassen; im Alter von 48 Jahren hat er schließlich seinen ersten Plattenvertrag bekommen und 2011 mit seiner Band Das Inselorchester sein Debütalbum veröffentlicht („Blick aufs Mehr“). Von einer weiteren Leidenschaft dürften allerdings sogar seine größten Fans bislang nichts wissen: Prahl malt. Ein Bild durfte der Verlag in der Biografie immerhin abdrucken, ansonsten betreibt er die Malerei offenbar nur für den Hausgebrauch; selbst Elstermann durfte dabei nicht zuschauen.
Grimme-Preisträger Axel Prahl und das TV-Event „Tödliches Spiel“
Leben
Axel Prahl, 1960 in Eutin geboren, ist erst spät für den Film entdeckt worden, hat aber gleich für seine erste Hauptrolle („Die Polizistin“) 2001 den Grimme-Preis bekommen; einen zweiten erhielt er 2003 („Die Hoffnung stirbt zuletzt“), zahlreiche weitere Auszeichnungen folgten. Kürzlich ist seine von dem Journalisten Knut Elstermann verfasste Biografie „Was man liebt, braucht Zeit“ (Goldmann-Verlag, 240 Seiten, 24 Euro) erschienen.
Live-Sendung
Am 22. November präsentieren Prahl und Jan Josef Liefers als Spielleiter ab 20.15 Uhr die Live-Sendung „Tödliches Spiel“, ein prominent besetztes „Krimi-Dinner“ in der ARD. Mit von der Partie sind unter anderem Uwe Ochsenknecht, Annette Frier, Max Giermann, Martina Hill und Bill Kaulitz.