Awo in Stuttgart-Ost Bufdis verzweifelt gesucht

Von Caroline Friedmann 

Die Begegnungs- und Servicezentren für Ältere suchen händeringend Freiwillige – nicht nur im Stuttgarter Osten.

Die Sozialdienste sind auf Freiwillige angewiesen.Foto: dpa

S-Ost -

Viele ältere Menschen in den Stadtbezirken sind nicht mehr so mobil. Manchen fallen Arztbesuche ohne Hilfe schwer, andere können nicht mehr Auto fahren und wieder andere wünschen sich einfach ein wenig Gesellschaft. Bei all dem helfen die Altenhilfe und die Begegnungs- und Servicezentren der Awo Stuttgart, die Senioren nicht nur gemeinsame Essen, Kurse und Kulturprogramme anbieten, sondern sie auch individuell im Alltag unterstützen. Doch den Einrichtungen fehlen Bundesfreiwilligendienstleistende, die Fahrdienste, Begleitdienste zum Einkaufen oder zum Arzt und ähnliche Aufgaben übernehmen.

Deshalb hat sich Anna Lena Knörr, die Leiterin des Begegnungs- und Servicezentrums Ostend, an unsere Zeitung gewandt, weil sie dringend auf der Suche nach einem Bundesfreiwilligendienstleistenden war. „Inzwischen haben wir zum Glück einen Bufdi gefunden“, sagt sie. „Er wird uns ab Oktober für ein Jahr unterstützen.“ Doch dass sich noch ein Helfer für das Begegnungs- und Servicezentrum gefunden hat, war eher ein Zufall. „Der Kontakt hat sich durch unseren bisherigen Bufdi ergeben“, so Knörr.

Es gibt viel zu tun

Anna Lena Knörr ist zwar heilfroh, dass es mit dem Bufdi geklappt hat. Sie würde sich aber auch über mehr freiwillige Helfer freuen, denn zu tun gebe es genug, sagt sie. „Als es noch den Zivildienst gab, hatte das Begegnungs- und Servicezentrum drei Zivis“, erklärt die Einrichtungsleiterin. „Heute haben wir normalerweise einen Bufdi.“

Doch nicht nur für das Begegnungs- und Servicezentrum Ostend war es schwierig, einen Freiwilligen zu finden. In ganz Stuttgart fehlt es an Bufdis für die Senioren-Einrichtungen. Aktuell, sagt Bettina Wahl, Abteilungsleiterin im Bereich Altenhilfe der Awo, gebe es in den Begegnungs- und Servicezentren insgesamt 15 Bufdis. „Das ist die absolute Untergrenze“, so Wahl. Am 1. September sollen die nächsten Bufdis ihren freiwilligen Dienst antreten. „Aber bisher haben wir noch nicht mal die Hälfte an Leuten“, sagt Bettina Wahl. „So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie.“

Von Jahr zu Jahr würden sich bei den Begegnungs- und Servicezentren und bei der Altenhilfe weniger Menschen um eine Stelle als Bundesfreiwilligendienstleistende bewerben, so Wahl. In den ersten ein, zwei Jahren nach der Abschaffung von Wehr- und Zivildienst im Jahr 2011 sei das noch anders gewesen. Damals habe die Awo ihren Bedarf an Bufdis noch decken können. Seither nähmen die Bewerbungen kontinuierlich ab. „Ich glaube am Anfang war der Dienst nach der Schule einfach noch im Bewusstsein der jungen Männer verankert, weil vielleicht der große Bruder noch Zivildienst gemacht hat“, meint Wahl. „Das hielt aber nur ein paar Jahre.“

Einst gab es doppelt so viele Zivis

Nicht nur die Awo Stuttgart hat mit dem Bufdi-Mangel zu kämpfen. Bundesweit fehlt es in vielen Bereichen an Helfern. Und das ist auch nicht verwunderlich. Denn während im Jahr 2010 knapp 78 400 junge Männer zum Zivildienst einberufen wurden, waren im Juli 2018 nur rund 39 100 Männer und Frauen als Bundesfreiwilligendienstleistende beschäftigt.

So ist auch Bettina Wahl händeringend auf der Suche nach freiwilligen Helfern. Benötigt werden Bufdis oder Ehrenamtliche, die Begleitdienste zum Arzt oder in den Supermarkt oder auch mal die Kehrwoche für ältere Menschen aus dem Stadtbezirk übernehmen. Ganz wichtig sind für die Altenhilfe aber auch Fahrdienste, denn viele Senioren können nicht mehr selbst Auto fahren. „Wer dann etwas außerhalb wohnt, kommt nicht mehr zum Arzt“, erklärt Bettina Wahl. „Außerdem haben in den Bezirken viele kleine Läden zugemacht und die Supermärkte sind nicht für alle zu Fuß erreichbar.“ Aufgrund des Bufdi-Mangels, so Wahl, würden bei der Awo Stuttgart teilweise sogar schon Einrichtungsleiter Fahrdienste übernehmen.

Ein Bundesfreiwilligendienst bringt übrigens nicht nur der sozialen Einrichtung etwas, auch der Bufdi selbst profitiert davon – und zwar nicht nur auf menschlicher Ebene. „So ein Dienst ist ein wertvolles Jahr“, meint Bettina Wahl. „Außerdem gilt es für angehende Studenten als Wartesemester und es macht sich gut in der Vita.“

Von einer Wiedereinführung des Wehr- und Zivildienstes, wie die CDU sie ins Gespräch gebracht hat, ist Wahl trotz des Bufdi-Mangels nicht überzeugt. Schließlich, meint sie, könne man nicht einfach über ein Jahr hinweg „ins Privatleben der Leute eingreifen“. Dennoch, sagt sie, „wären wir dankbar, wenn sich noch Leute um eine Bufdi-Stelle bei uns bewerben würden“.