Avi Avital berührt die Menschen mit dem Klang der Mandoline. Foto: Christie Goodwin

Am 19. Dezember ist Avi Avital mit seiner Mandoline und der Cappella Gabetta unter Leitung von Konzertmeister Andrés Gabetta in der Stuttgarter Liederhalle zu Gast.

Lange Zeit wurde die Mandoline nicht als Konzertinstrument angesehen, sondern als Möglichkeit für Hobbymusiker. Das möchte Avi Avital gründlich ändern. Und er hat bereits damit angefangen – ziemlich erfolgreich sogar.

Avitals Liebe zur Mandoline geht auf die Zeit zurück, als er noch ein kleiner Junge war. „Ich war damals sehr neugierig und aktiv“, erzählt der israelische Musiker. „Aber ich fand die Mandoline bezaubernd. Sie lässt sich intuitiv spielen, ist ein sehr unmittelbares Instrument.“ Man habe schnell ein wohlklingendes Ergebnis, anders etwa als beim Erlernen des Violinspiels, und zugleich sehe man die Technik, die den Klang hervorbringt. Anders etwa, als das beim Klavier der Fall ist.

Es ging darum gemeinsam Musik zu machen

In Israel, wo der 40-Jährige aufgewachsen ist, waren Mandolinen-Orchester für Amateure sehr verbreitet. Die Bewegung kam in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus Italien. Es ging darum, zusammenzukommen und gemeinsam Musik zu machen. Das war sehr viel populärer, als zu einer Veranstaltung zu gehen, um nur zuzuhören.

Ein weiterer Vorteil der Mandoline: Sie ist in der Anschaffung recht günstig. In jedem Kibbuz habe es ein solches Orchester gegeben, erzählt Avital. Er selbst hat das Spielen jedoch am städtischen Konservatorium von Be’er Sheva, später an den Musikhochschulen in Jerusalem und Mailand gelernt. Als Achtjähriger hatte er seinen Nachbarn Mandoline spielen gehört und seine Mutter daraufhin gebeten, das Mandolinespielen erlernen zu dürfen. Der Nachbar schenkte ihm seinerzeit sein eigenes Instrument.

Repertoire für Mandoline erweitern

Doch das ist alles schon eine ganze Weile her, und vieles hat sich geändert. So setzt sich Avi Avital sehr stark dafür ein, das Repertoire für Mandoline zu erweitern. Zahlreiche Arrangements klassischer Werke gibt es bereits, von Melodien aus der russischen oder israelischen Folklore. „Die Musik des Barock funktioniert immer und lässt sich leicht anpassen“, weiß der Künstler. „Sie ist wie eine zeitlose Architektur.“ Aber das genügt ihm nicht. „Früher haben zum Beispiel Geigenvirtuosen dafür gesorgt, dass sich die Bauweise der Instrumente und das Repertoire weiterentwickeln.“ Das hat mit der Mandoline nicht stattgefunden.

Um das zu ändern, arbeitet Avi Avital seit zwei Jahrzehnten regelmäßig mit einem israelischen Instrumentenbauer zusammen, der die Traditionen verlässt und sie weiterentwickelt. Das eröffnet ihm, dem Musiker, weitere technische Möglichkeiten.

Mit der Cappella Gabetta spielt Avital nicht zum ersten Mal. Er freut sich auf das gemeinsame Konzert. „Wir haben die gleiche Musikalität. Ich brauche sensible und sinnliche Musiker, die engagiert, mit Energie und sehr lebendig spielen.“

Avi Avital und Cappella Gabetta: 19. Dezember, 20 Uhr, Liederhalle, Tickets 07 11 / 550 660 77

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