Der Technik-Genius Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey jr.) leidet unter starker Hybris – auch im finalen Film „Avengers: Endgame“ Foto: Verleih

„Avengers: Endgame“ ist nach „Avatar“ der zweiterfolgreichste Film aller Zeiten. Doch warum wollen so viele Menschen die Superhelden-Reihe von Marvel im Kino sehen?

Stuttgart - Unter der fantastischen Oberfläche brodelt eine Welt universeller Geschichten: Krisen, Prüfungen, Niederlagen, Erfolge, wie alle Menschen sie im Kleinen durchleben, bestimmen die Realität der Superhelden von Marvel. Zugleich ist diese aufgeladen mit Legenden, Sagen und Mythen, und es geht immer um alles wie in „Star Wars“, „Der Herr der Ringe“, „Harry Potter“, „Game of Thrones“. So ist es kein Zufall, dass die Superhelden-Allianz in „Avengers: Endgame“ nur noch 29 Millionen Dollar (rund 26 Millionen Euro) trennen von James Camerons „Avatar“, dem mit 2,79 Milliarden Dollar (rund 2,5 Milliarden Euro) bislang erfolgreichsten Film aller Zeiten; „Titanic“ haben sie bereits auf Platz drei verdrängt.

Damit endet eine Reihe, die 2008 mit „Iron Man“ begann. Der Milliardär und Technik-Genius Tony Stark schmiedet Waffensysteme wie der griechische Gott Hephaistos, im flugfähigen Metall-Anzug stellt er sich gegen das Böse – doch er leidet in Shakespearschem Ausmaß unter Hybris und Verführbarkeit. Der Donnergott Thor hat familiäre Probleme, besonders mit seinem Bruder Loki, der ständig die Welt verrät. Steve Rogers (Chris Evans), aus dem 1941 ein Serum den unkaputtbaren Captain America gemacht hat, wirkt zunächst aus der Zeit gefallen in seiner patriotischen Elasthan-Kluft. Doch er kämpft sich in die Gegenwart hinein mit seinem Schild und erinnert an den integren Medusen-Bezwinger Perseus. Die russische Agentin Black Widow ist eine Meisterin des strategischen Denkens und der Kampfkunst wie die griechische Göttin Athene. Und der dunkle Zerstörer Thanos sammelt magische Steine der Macht wie im „Herrn der Ringe“ der dunkle Zerstörer Sauron magische Ringe der Macht. Für einen muss er seine Adoptivtochter Gamora opfern wie der griechische König Agamemnon seine Tochter Iphigenie.

Die dreiste wie geniale Plünderung der Mythen der Menschheit würde nicht funktionieren ohne ein Ensemble, das schrille Kostüme mit Würde trägt. Robert Downey jr., Zoe Saldana, Chris Evans, Scarlett Johansson und Chris Hemsworth geben den Gestalten menschliche Züge. Und bald stellt sich beim Zuschauen ein erhabenes Gefühl ein: Superhelden haben Probleme wie wir – und retten doch die Welt.

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