Und noch einer, der glaubt, das Richtige zu tun, indem er die Menschheit auslöscht: Im zweiten Teil der Marvel-Verfilmung "The Avengers" hat sich die Netz-Existenz Ultron einen passenden Dämonenkörper geschaffen. Mehr Eindrücke vom Film gibt's in unserer Bildergalerie Foto: Verleih

Joss Whedon verabschiedet sich aus der „Avengers“-Reihe mit einem Effekt-Feuerwerk, das manche Ungereimtheit überdeckt. Eindrücke vom Film gibt's in unserer Bildergalerie.

Filmkritik und Trailer zum Kinofilm "Avengers 2: Age Of Ultron"

Tony Stark scheitert sogar mit Iron-Man-Roboterhandschuh, und auch Captain America zerrt vergeblich an Thors Hammer – die göttliche Waffe bewegt sich keinen Millimeter wie einst in der Artus-Sage das Schwert im Stein. Thors simple ­Erklärung: „Ihr seid alle unwürdig.“ Bald wird aus dem Spott unter Freunden bitterer Ernst, als ein mächtiger Menschheitsfeind die Avengers („Rächer“) fordert: Ultron, eine körperlose Netz-Existenz, die sich ­beliebiger Avatare bemächtigen kann.

Dabei wäre nicht greifbar zu sein ja ein großer Vorzug; die künstliche Intelligenz im Geniestreich „Her“ (2013) hat ihre Erleuchtung, als sie erkennt, was es bedeutet, die Limitierungen der Körperlichkeit zu überwinden. Joss Whedon, Schöpfer fantastischer TV-Serien wie „Buffy“ und „Firefly“, tritt dahinter zurück. Und man kann seinem Ultron durchaus abnehmen, dass er eine irdische Gestalt haben möchte, denn in ihm trifft ausgeprägte Hybris auf ein typisch männliches Geltungsbedürfnis.

Der Regisseur pflegt auch in der Fortsetzung seiner Marvel-Comic-Superhelden-Verfilmung den für ihn typischen ironischen Unterton. In Teil eins tauchte er in die Selbstzweifel des aus der Zeit gefallenen Captain America ein, nun beschert er dem Berserker Hulk eine zarte, ungekannte ­Annäherung mit der Agentin Black Widow alias Natasha Romanoff. Die muss sich ohne Superkräfte im illustren Kreis behaupten, und Scarlett Johansson schafft das spielend mit schillernder Präsenz.

Überhaupt funktioniert das Ensemble, aus dem viele mit ihren Figuren eigene Filmreihen bespielen: Chris Hemsworths Donnergott hat Humor und meidet heiligen Ernst, Mark Ruffalo trägt als Bruce Banner sichtlich schwer an der Last, unter Zorn zum Hulk zu werden, Chris Evans als Captain America zelebriert dessen soldatisches Ringen mit der Gestrigkeit.

Ausgerechnet Robert Downey jr. wankt

Tom Hiddleston sorgt als Thors Adoptivbruder Loki erneut für gespannte Nerven, als neue Mitspieler empfehlen sich Aaron Taylor-Johnson als Wirbelwind Quicksilver sowie Elizabeth ­Olsen, die als Scarlet Witch die Hirne der Helden vergiftet mit dunklen Ahnungen und ­Erinnerungen.

Ausgerechnet Robert Downey jr. aber wankt: Als Rüstungsmilliardär Tony Stark und Iron Man in Teil eins noch der große Weltenretter mit allen dazugehörenden Selbstzweifeln, bringt Whedon ihn nun in Nöte.

Stark nämlich ist es, der Ultron (in einem hanebüchenen Prozess) erschafft, selbstherrlich und wider alle Bedenken. Damit wäre er eigentlich diskreditiert, müsste verbannt werden – doch weil die Fans Iron Man lieben und er zur Weltenrettung einmal mehr gebraucht wird, geht Whedon, für seine Verhältnisse untypisch fahrig, einfach darüber hinweg.

Funken, Explosionen und magische Energiewellen

Das beschädigt die Integrität der ­Figur und wäre gar nicht nötig gewesen: Der Schöpfer ­Ultrons ist im Marvel-Universum Ant-Man alias Hank Pym, der in Gestalt von Michael Douglas am 23. Juli dieses Jahres in die ­Kinos kommt – eine Verschränkung wäre mit geschicktem Timing möglich gewesen.

All dies überdeckt Whedon freilich mit einem überwältigenden visuellen Feuerwerk, das Genre-Freunden gefallen dürfte: Helden und Schurken fliegen und schlagen Funken, Explosionen und magische Energiewellen lassen die Welt erbeben, in Albträumen nehmen eigene und fremde Dämonen Gestalt an, eine Stadt bricht aus dem Boden und schwebt gen Himmel; manchmal scheint der Regisseur näher bei Michael Bays ganz auf Effekte angelegter „Transformers“-Reihe zu sein als bei sich selbst.

Whedon ist bei den „Avengers“ ausgestiegen; seinen Nachfolgern Anthony und Joe Russo („The Return Of The First Avenger“) hinterlässt er trotz allem ein Erbe, das diese noch an Thors Hammer erinnern könnte.

Unsere Bewertung zu "Avengers 2: Age Of Ultron": 3 von 5 Sternen - kann man sehen.

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Mehr Input gefällig? Unsere Rezension der Komödie "Top Five".

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