Der Ruhestand kann ruhen: Mit Hilfe des Programms Senior Professionals können ZF-Rentner ihr Know-how in aktuelle Projekte einbringen. Foto: ZF

Der Autozulieferer aus Friedrichshafen setzt auf Spezialwissen ehemaliger Mitarbeiter und holt Rentner für Projekte ins Unternehmen zurück.

Friedrichshafen - ZF setzt auf das Wissen ehemaliger Mitarbeiter und holt zeitweise Rentner zurück. Mit dem Programm „Senior Professionals“, das der Autozulieferer jetzt gestartet hat, können ehemalige Mitarbeiter ihr Know-how an jüngere Kollgen weitergeben. „Von dieser Initiative profitieren alle Beteiligten“, ist Personalvorstand Jürgen Holeska überzeugt. Jüngere könnten von Älteren lernen. Die Ruheständler freuten sich über eine interessante, flexible Aufgabe und nicht zuletzt sorge das Teamwork der Generationen dafür, dass die komplexen Herausforderungen in den Projekten des Unternehmens bestmöglich gemeistert würden, so Holeska.

Schon 100 Ruheständler sind in der Datenbank

Die Einsätze der Senior-Experten sind in allen Fachbereichen des ZF-Konzerns möglich und auf maximal sechs Monate begrenzt. Die Resonanz sei sehr positiv, freut sich Ralf Scherer, der das Programm gemeinsam mit Eberhard Ortlieb leitet. Etwa 1000 Mitarbeiter an den deutschen Standorten habe man bislang angeschrieben, gut 100 hätten sich als Senior Professionals registriert.

Die Expertise der Rentner ist in verschiedenen Bereichen gefragt – vom Interimsmanagement bis zum Mentoring. Ruheständler, die sich für solche zeitweisen Einsätze interessieren, legen ihr Profil selbst in der Spezialdatenbank an. Dort melden auch die Fachbereiche ihren Unterstützungsbedarf und ihr Wunschprofil an – mit Hilfe einer Software werden Fachbereiche und Experten zusammengebracht. Die Bezahlung läuft auf Basis von Tagessätzen, die die Zahlung der Betriebsrente nicht beeinflussen. Die Erfahrungen anderer Unternehmen zeigten, dass sich vor allem jüngere Rentner für einen Job als Senior Professionals interessierten, hat ZF festgestellt. Daher konzentriert sich der Konzern auf die Gruppe der bis zu 67-Jährigen.

Bosch als Pionier bei Senior-Experten

Für ein Unternehmen ist kaum etwas so wertvoll wie das Wissen und die Erfahrung seiner Mitarbeiter. Umso ärgerlicher, wenn dieser Schatz mit dem Eintritt ins Rentenalter verloren geht. Das haben auch andere Unternehmen längst erkannt. Pionier für diese Art von Rentner-Arbeit ist Bosch. Der Technologiekonzern bietet seinen Führungskräften nach der Pensionierung sozusagen eine „zweite Karriere“. Der Stuttgarter Konzern gründete bereits 1999 die Tochterfirma BMS, also die Bosch Management Support GmbH, die einige scherzhaft mit „Bosch-Mumien-Service“ übersetzen. Etwa 1600 Senior-Experten stehen gegen ein Beratungshonorar für Projekte bereit und unterstützen die Bosch-Gruppe weltweit beispielsweise bei der Schulung neuer Kollegen, dem Aufbau neuer Standorte, bei der Reorganisation des Rechnungswesens in einem Geschäftsbereich oder bei der Qualitätssicherung in einem Produktionswerk.

Space Cowboys bei Daimler

Auch der Autobauer Daimler setzt auf das Expertenwissen ehemaliger Mitarbeiter – auf die so genannten Space Cowboys, wie die Daimler-Senior-Experten genannt werden. Die Initiative wurde im Mai 2013 gestartet und lehnt sich vom Namen her an den Film Space Cowboys an. Dort spielt der Hollywoodstar Clint Eastwood einen emeritierten Piloten, der für eine wichtige Expedition erneut ins All durchstartet. Auf den Mond schießen will Daimler seine ehemaligen Mitarbeiter nicht, wie der Konzern auf seiner Internetseite das Projekt beschreibt. Vielmehr soll das Modell von Business Innovation dazu dienen, erfahrene Mitarbeiter aus dem Ruhestand „zurück in den Daimler Kosmos zu holen“, damit sie noch einmal voll durchstarten und ihr umfangreiches Expertenwissen an Nachwuchskräfte weitergeben könnten.

Lebenszufriedenheit als Motivationsfaktor

Laut einer Studie zur Arbeit im Ruhestand von dem IT-Systemhaus media access und der Bosch Management Support GmbH wollen die meisten gut Qualifizierten im Ruhestand weiter arbeiten. Immer mehr Studien belegen zudem, dass Rentner bereits vermehrt arbeiten gehen. Allerdings liegen die Gründe für eine Erwerbstätigkeit im Ruhestand weitestgehend im Dunkeln und Untersuchungen für Deutschland liegen nur sehr begrenzt zur Verfügung. Auf die Frage, was aktuelle Senior-Experten zu ihrem Engagement motiviert, nennen Unternehmensverantwortliche vor allem weiche Faktoren, wie „Lebenszufriedenheit“, „Gebraucht-werden“, „Aktiv bleiben“, „Spannende Aufgaben“ oder „soziales Umfeld“. Die finanzielle Vergütung tritt, auch laut einer internen Umfrage der BMS, bei den meisten Pensionären im Arbeitseinsatz in den Hintergrund.

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