Wolf-Henning Scheider rückte im Juli 2015 an die Mahle-Spitze. Der einstige Bosch-Manager gilt als versierter Branchenkenner. Foto: Mahle

Der Stuttgarter Autozulieferer muss sich wohl bald einen neuen Chef suchen. Für ZF wäre der Wechsel von Mahle-Manager Wolf-Henning Scheider an den Bodensee ein Gewinn, sagt ein Experte.

Stuttgart/Friedrichshafen - Das Personalkarussell bei zwei wichtigen Zulieferern in Baden-Württemberg dreht sich. Während ZF Friedrichshafen seinen Chefposten wohl bald besetzen kann, wird der Chefsessel beim Stuttgarter Mahle-Konzern demnächst vakant. Nach Informationen unserer Zeitung soll Mahle-Chef Wolf-Henning Scheider an die Spitze von ZF Friedrichshafen rücken und dort die Nachfolge von Stefan Sommer antreten, der Anfang Dezember nach Querelen den Konzern verlassen hat. Übergangsweise führt seither ZF-Finanzchef Konstantin Sauer den Konzern. Der neue Chef soll, wie zu hören ist, kommende Woche bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung gekürt werden.

Von offizieller Seite herrscht Stillschweigen. „Wir kommentieren keine Gerüchte“, sagte ein Mahle-Sprecher auf Anfrage. Ähnlich fiel auch die Antwort bei ZF aus: „An Spekulationen beteiligen wir uns nicht“, sagte ein Unternehmenssprecher. Und auch bei der Stadt Friedrichshafen – Oberbürgermeister Andreas Brand sitzt als Vorsitzender der Zeppelin-Stiftung, die 93,8 Prozent an ZF hält, im Aufsichtsrat – wollte man keinen Kommentar zu der Personalie abgeben.

„Ich halte nichts von kurzfristigen Trainerwechseln“

Die Nachricht vom möglichen Chefwechsel, über den auch der „Südkurier“ berichtete, hat die Mitarbeiter von Mahle völlig überrascht. Jürgen Kalmbach, Vorsitzender des Betriebsrats bei Mahle in Stuttgart, sagte unserer Zeitung: „Die Tendenz geht zu blankem Entsetzen. Das wäre eine kleine Katastrophe.“ Auch wenn sich Betriebsrat und Unternehmensführung nicht immer einig gewesen seien, habe er Scheiders Kurs der dualen Strategie – Entwicklung hin zur Elektromobilität und Weiterentwicklung am Verbrenner – mitgetragen. „Ich persönlich halte nichts von kurzfristigen Trainerwechseln“, sagte Kalmbach.

Wie alle Autozulieferer und -hersteller stehen auch Mahle und ZF vor einem historischen Wandel. Der Übergang von den klassischen Verbrennern hin zu autonom fahrenden Elektroautos stellt die Branche vor enorme Herausforderungen – umso wichtiger ist dabei eine klare unternehmerische Strategie.

Ein Manager mit Erfahrung bei zwei großen Stiftungsunternehmen

Der Geislinger Automobilexperte Willi Diez sieht einen möglichen Wechsel von Scheider zu ZF als Gewinn für das Stiftungsunternehmen vom Bodensee. Scheider habe riesige Erfahrung aus zwei vergleichbaren Stiftungsunternehmen – also Bosch und Mahle. „Er weiß wie Autos funktionieren und wie Stiftungen funktionieren“, so Diez. Die Kommunikation mit Stiftungsgremien spiele eine wichtige Rolle. Zudem hält Diez große Stücke auf Scheiders Branchenkenntnis und bezeichnete ihn als „weit überdurchschnittlichen Manager – sowohl strategisch als auch operativ“. Für Mahle beurteilt er einen Chefwechsel nach der relativ kurzen Zeit als weniger gut. Auch dürfte es schwierig werden, kurzfristig Ersatz zu finden.

Der 55-jährige Scheider kam im April 2015 von Bosch zu Mahle, wo er drei Monate später – zum 1. Juli 2015 – als Nachfolger des damaligen Mahle-Chefs Heinz K. Junker an die Konzernspitze rückte. Das Bosch-Gewächs gilt als versierter Kenner der Branche. Seine Berufslaufbahn hatte er nach seinem BWL-Studium 1987 bei Bosch begonnen, wo er zuletzt Sprecher des mit Abstand wichtigsten und umsatzstärksten Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik war.

Wechsel wäre ein weiterer Karriereschritt

Der Wechsel von Mahle zu ZF wäre für Scheider ein weiterer Karriereschritt. ZF ist mit zuletzt mehr als 35 Milliarden Euro Umsatz und rund 137 000 Beschäftigten ein noch bedeutenderer Player unter den weltgrößten Zulieferern als der Stuttgarter Zulieferer. Zuletzt wies Mahle mit weltweit rund 77 000 Mitarbeitern rund 12,3 Milliarden Euro Umsatz aus.

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