Die Mitarbeiter hatten sich gegen die drohende Schließung gewehrt. (Archivbild) Foto: factum/Weise

Die IG Metall hat 80 Arbeitsplätze bei dem Autozulieferer Faurecia sichern können. 98 Arbeitsplätze fallen jedoch weg.

Böblingen - Nach langen Auseinandersetzungen beim Automobilzulieferer Faurecia in Böblingen liegt nun ein Ergebnis vor, das für 80 Beschäftigte langfristig Arbeitsplätze sichern soll. Allerdings sollen auch 98 Arbeitsplätze abgebaut werden. „Natürlich ist es schmerzlich, dass mehr als 90 Kollegen ihren Arbeitsplatz verlieren werden“, sagt der Betriebsratsvorsitzende des Böblinger Zulieferers Ender Kabakci, „aber wir haben ein sehr gutes Paket geschnürt, damit sie finanziell etwas Sicherheit erhalten.“

Der Streit eskalierte

Faurecia will vom Jahr 2020 an im slowakischen Kosice fertigen lassen. Gegen die drohende Schließung des Werkes wehrten sich die Beschäftigten. Der Streit um die Arbeitsplätze in dem Betrieb eskalierte dann vor einigen Monaten, als die Beschäftigen das Gefühl hatten, die Unternehmensseite verzögere die Verhandlungen. Bei einer Betriebsversammlung des Daimler-Zulieferers bekam die Werksleitung den Unmut der Beschäftigten zu spüren. Noch während der Versammlung sicherte die deutschen Leitung der Faurecia-Sparte telefonisch zu, die Verhandlungen mit geänderten Teilnehmern auf Arbeitgeberseite fortzuführen.

Daraufhin wurden die Verhandlungen im Dezember fortgeführt. Im April einigten sich die Parteien. Über die Ergebnisse informierte der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall am Donnerstag auf einer Betriebsversammlung. Kern der Vereinbarungen ist eine Fortführung des Böblinger Betriebes mit mindestens 80 Beschäftigten, für die betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. Dezember 2027 ausgeschlossen sind. Für 98 Beschäftigte gibt es von August 2019 bis September 2021 in vier Stufen die Möglichkeit auf Abschluss einer Freiwilligenvereinbarung und für ältere Beschäftigte die Möglichkeit zur Altersteilzeit.

Faurecia so wichtig wie Bosch

Wenn sich nicht genügend Beschäftigte finden, darf der Arbeitgeber betriebsbedingt kündigen. Auch dabei wird es eine Abfindung geben, die allerdings niedriger ist als im Freiwilligenprogramm. Ein positives Fazit der Verhandlungen zieht der Betriebsratsvorsitzende Kabakci dennoch: „Wir haben gezeigt, dass Zusammenhalt wichtig ist und man nur so gute Ergebnisse erzielt.“ Branchenfremde dürften die Firma kaum kennen. Tatsächlich spielt der französische Konzern aber in einer Liga mit Bosch oder ZF. Im Februar vergangenen Jahres hatte der Konzernchef Patrik Koller gesagt, dass der Umsatz 2017 auf knapp 17 Milliarden Euro gestiegen war. Dies entspricht einem Plus von zehn Prozent. Der Gewinn kletterte gar um gut 20 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Ohne Faurecia-Teile stehen die Räder so gut wie aller Neuwagen still. Alle deutschen Automobilhersteller verbauen sie.

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