In Mannheim nutzen Freiwillige testweise einen autonom fahrenden Bus, der im normalen Verkehr unterwegs ist. Beim Land ist man stolz auf die technologische Vorreiterschaft – gleichwohl ist die Zukunft des Projekts offen.
Eigentlich ist Michael Janetzko Entwicklungsingenieur – aber derzeit viel lieber im Nebenberuf Busfahrer. Oder auch nicht. Je nachdem, wie man es sieht. Janetzko hat zwar auf dem Fahrersitz eines futuristisch anmutenden Gefährts Platz genommen, das neun Passagiere transportiert, lässt dabei aber seine Hände ganz bewusst vom Steuer. „Am Anfang war es schon eine Überwindung“, sagt er.
Fahrer ist nur wegen der Vorgaben an Bord
Janetzko steht beim Friedrichshafener ZF-Konzern auf der Lohnliste. Und in dem RABus wie das Gefährt heißt, steckt eine Menge Technologie des Unternehmens vom Bodensee. Und dass Janetzko trotzdem noch am Steuer sitzt, hat nichts damit zu tun, dass die Entwickler ihren Fähigkeiten misstrauen würden. Die Vorgaben wollen es so.
„Verordnung zur Genehmigung und zum Betrieb von Kraftfahrzeugen mit autonomer Fahrfunktion in festgelegten Betriebsbereichen“, kurz AFGBV, heißt das Regelwerk, das trotz seines sperrigen Namens ein dickes Lob von Frank Keck bekommt, Entwicklungsleiter bei ZF. „Mit dem Regelwerk sind wir schon sehr weit“. Und es erlaubt nun auch den probeweisen Fahrgastbetrieb in den beiden Testumgebungen in Mannheim und in Friedrichshafen. „1700 Menschen haben sich dafür freiwillig gemeldet. Und die erleben nun die Mobilität der Zukunft“, sagt Elke Zimmer (Grüne), Staatssekretärin im Verkehrsministerium von Baden-Württemberg.
Unterschiedliche Testumgebungen
Dass es die beiden Testumgebungen gibt, hat nichts mit regionalem Proporz zu tun. Vielmehr wollen das Land und ZF verschiedene Anwendungsfälle erproben. Während es in Friedrichshafen durch die Innenstadt, aber auch über Land geht, dreht der Bus in Mannheim seine Runden durch ein Neubaugebiet, das noch im Entstehen ist – Baustellenverkehr und das eine oder andere temporär aufgestellte Verkehrszeichen inklusive. „Wir haben keine Strecken ausgewählt, bei denen es alles reibungslos funktioniert“, so Zimmer. Das Erleben unter realen Bedingungen solle der Technologie zu mehr Akzeptanz verhelfen.
Das batterieelektrische Gefährt mit einer Leistung von 80 Kilowatt ist ein rollender Hochleistungsrechner. Es orientiert sich anhand einer hochgenauen Karte; Laserscanner, Radar und GPS sorgen dafür, dass es seinen Weg findet. Bislang hat es 8700 Terabyte Daten gesammelt – das entspricht etwa der Datenmenge von 2,9 Milliarden Fotos. Gut 100 Kilometer weit kommt der Bus mit einer Akkuladung.
Zukunft des Projekts ist offen
Dabei schwimmt es im normalen Verkehr mit und steuert autonom mehrere Haltestellen an. Dort angehalten, senkt sich das Fahrzeug etwas ab, um das Einsteigen zu erleichtern. Die neun Passagiere müssen sitzen, so will es das Reglement. Zudem ist noch Platz für einen Kinderwagen oder einen Rollstuhl.
Dass die Tachonadel bei 30 Kilometern in der Stunde stehen bleibt, liegt nicht etwa an der Motorisierung, sondern am in dem Mannheimer Wohngebiet geltenden Tempolimit. Beim Land ist man sowohl mit der Geschwindigkeit des Busses wie auch der Entwicklung hochzufrieden. 14 Millionen Euro sind in den zurückliegenden vier Jahren aus der Landeskasse in das Projekt geflossen. Zum Jahresende läuft die Förderung aus, eine Fortsetzung ist noch nicht beschlossen.