Drei Tüftler in ihrem Element: Tobias Härpfer, Alexander Merkel und Andreas Osterrieder präsentieren das Shuttle BumbleB. (Von links) Foto: Stefanie Schlecht

Bisher darf das Shuttle noch nicht alleine fahren. Aber irgendwann soll es das tun – und die Menschen vor allem im ländlichen Raum mobiler machen.

Alexander Merkel und sein Team bei Bertrandt in Ehningen haben eine Vision: Autonome Minibusse, die sie „vor der Schrottpresse gerettet“ haben, sollen den ländlichen Raum erobern und dort fahren, wo Busse und Busfahrer fehlen.

 

Der Minibus heißt BumbleB und ist ein gelb-schwarzes Shuttle mit aufgemalten Augen – eine Hummel also, das deutsche Wort für Bumblebee. Der Hummel werde nachgesagt, dass sie physikalisch gar nicht in der Lage sei zu fliegen, sagt Merkel. Sie wisse das aber nicht und fliege trotzdem. In der Geschichte steckt eine Ansage: Von Zweifeln – zu kompliziert, zu teuer – wollen sich die Tüftler nicht aufhalten lassen.

So sieht BumbleB von innen aus. Foto: Stefanie Schlecht

BumbleB: Das autonome Shuttle von Bertrandt rollt über Firmengelände in Ehningen

Sanft rollt das elektrische Shuttle über das Firmengelände von Bertrandt heran. Die Türe an der Seite öffnet sich wie bei einem Bus. Doch im Vergleich zu einem Stadtbus ist das Shuttle kleiner. Zwölf Passagiere finden darin Platz, für sechs gibt es Sitzplätze. Von Lenkrad oder Fahrersitz keine Spur.

Ausgestattet mit Lidar und Kameras „sieht“ das Shuttle seine Umgebung und reagiert auf unerwartete Ereignisse und Hindernisse. „Es erkennt andere Autos, berechnet voraus, wohin diese fahren und passt dementsprechend seine Geschwindigkeit und Fahrweise an“, erklärt Andreas Osterrieder, Teammanager bei BumbleB.

BumbleB von Bertrandt – Auf Sicherheit programmiert

Alleine fahren darf das Shuttle allerdings nicht – auch wenn es das in der Theorie könnte. Ein Sicherheitsfahrer muss dabei sein, der eingreifen kann. Das ist an diesem Tag Tobias Härpfer. Als auf der Fahrstrecke des Shuttles ein Auto steht, ist er gefragt. Obwohl genug Platz wäre, am Auto vorbeizufahren, bleibt BumbleB stehen – und wartet auf Härpfers Entscheidung.

Denn es hält sich an zwei zentrale Vorgaben: Es fährt nur auf der Strecke, die ihm vorher einprogrammiert wurde und es darf seine Fahrspur nicht verlassen. „Wir haben BumbleB sehr auf Sicherheit bedacht programmiert. Es denkt lieber einmal zu viel nach, anstatt eine unsichere Situation einzugehen“, sagt Osterrieder.

Was Bertrandts Motivation für BumbleB war

Schließlich soll es die Vorgaben der – Achtung – „Autonomen Fahrzeuggenehmi-gungsbetriebsverordnung“ erfüllen, die seit 2022 in Deutschland die Zulassung von autonomen Fahrzeugen regelt. Was nach einem großen bürokratischen Akt klingt, sehen die drei gelassen. „Die Regulierungen sind sinnvoll und wir bekommen das hin“, meint Merkel.

Gestartet ist BumbleB vor etwa einem Jahr. Da zeichnete sich ab, dass das Projekt Ameise – ebenfalls ein autonom fahrendes Shuttle, an dem Betrandt beteiligt war – am Auslaufen war. Der Hersteller des Ameise-Shuttles habe Insolvenz angemeldet, sagt Merkel. Das hätte, so Merkel, nicht das Aus bedeuten müssen, wäre nicht die Onlineanbindung des Shuttles an den Server des Herstellers Pflicht gewesen.

So kam das Projekt Ameise Ende 2024 ins Stolpern. „Die Enttäuschung war sehr groß“, sagt Merkel. Und der Wunsch entstand, zu zeigen, dass es anders geht, dezentral und vergleichsweise günstig. Insgesamt zwölf BumbleB-Shuttles hätten sie „vor der Schrottpresse“ gerettet und auf Vordermann gebracht. „Wir mussten beispielsweise das Licht und die Klimaanlage erstmal wieder zum Laufen bringen“, sagt Osterrieder.

Bertrandt will mit BumbleB auf dem Dorf den Anfang machen

Für den Betrieb des autonomen Shuttles greifen sie auf eine Open Source-Software zurück, die ihnen die Fachhochschule in Bern empfohlen hat. Also eine Software, die jeder benutzen darf. Der Job von Merkel und seinem Team ist es, diese Software auf BumbleB zu implementieren.

Der Monitor zeigt an, was das Shuttle „sieht“ und berechnet. Foto: Stefanie Schlecht

Aktuell hat das Shuttle noch keine Straßenzulassung und dient vor allem Demonstrationszwecken. Nicht zuletzt dem, welches Know-how im Ingenieursdienstleister Bertrandt steckt. Doch Ziel sei es, BumbleB auf die Straße zu bringen. Und das Projekt nimmt wortwörtlich an Fahrt auf. Um das Shuttle und seine Software zu verstehen, fuhr der Minibus anfangs mit drei Kilometern pro Stunde, inzwischen sind es 20 – Tempo 25 wäre dann zunächst das Maximum.

Das klingt nicht besonders schnell. Merkel zeigt sich aber zuversichtlich, dass Menschen lieber ein langsameres Shuttle nehmen als gar keinen Bus zu haben und vielerorts gelte ohnehin Tempo 30. Das Shuttle könnte, so die Vorstellung, zunächst in kleineren Ortschaften zum Einsatz kommt, in denen weniger los ist und seltener Konfliktsituationen auftreten. Ein sogenannter Teleoperator könnte dann aus der Ferne bis zu zehn Shuttles betreuen, über Kameras die Situation bewerten und im Konfliktfall entscheiden.

Testbetrieb zum Ehninger Bahnhof: „Vom Kleinen ins Große“

„Wir wollen vom Kleinen ins Große“, sagt Osterrieder. „Von den Außenbereichen in die Innenstadt.“ Darin, so sagen sie, unterschieden sie sich auch von manchen anderen Projekten zum autonomen Fahren. Und genau deshalb, so die Hoffnung, könnte BumbleB funktionieren. „Die Kunst ist, im ersten Schritt einfach zu denken, auch wenn es natürlich sicher sein muss“, sagt Merkel.

Einen konkreten Zeitplan, wann die Shuttles eigenständig am Straßenverkehr teilnehmen dürften, nennt Merkel allerdings nicht. Nur so viel: Möglichst noch bis Ende dieses Jahres soll BumbleB im Testbetrieb zwischen Bertrandt und dem Ehninger Bahnhof fahren.

Unternehmen Bertrandt

Barrierefreiheit
Bereits jetzt könnten Rollstuhlfahrer im BumbleB mitfahren. Das Shuttle senkt sich auf Knopfdruck zum Bordstein ab und klappt eine Rollstuhlrampe aus.

Busfahrer vs autonome Shuttle
Als Konkurrenz zu herkömmlichen Bussen mit Fahrer wollen Alexander Merkel und sein Team das Shuttle nicht verstanden wissen. Bereits jetzt fehlten Busfahrer und das Shuttle würde niemandem etwas wegnehmen.

Bertrandt
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Ehningen arbeitet als Dienstleister vor allem in der Automobil- und Luftfahrtindustrie. Die Krise in der Automobilindustrie macht sich auch bei Bertrandt bemerkbar. Zuletzt baute das Unternehmen deutlich Stellen ab, inzwischen scheint sich die Lage stabilisiert zu haben.