Der Gastprofessor in Geislingen Sven Kesselring untersucht nachhaltige Mobilität auch im ländlichen Raum. Foto: Hochschule Geislingen

Sind die Modelle der Fahrradstadt Kopenhagen übertragbar? Will ich mein Auto mit anderen teilen? – Die Hochschule Geislingen gibt bei der Mobilitäts-Debatte mächtig Gas.

Geislingen - Können Stadt- und Landbewohner gleichermaßen die neuen Formen von Mobilitätnutzen? Wie lassen sich die Dörfer auf der Alb mit Städten wie beispielsweise Geislingen vernetzen, und welche Technologien und Dienstleistungen werden dazu benötigt? Taugen beispielsweise kombinierte Auto-Leasing- und Sharing-Angebote, wie sie in der Fahrradstadt Kopenhagen praktiziert werden, als Modell, und welche Rolle spielen dabei die Politik und der Klimaschutz? Diese Fragen sind beim siebten Geislinger Automobilsommer der Hochschule Geislingen von einer hochkarätig besetzten Expertenrunde debattiert worden.

Fahrzeuge nicht mehr ausschließlich persönlich nutzen

Neue Geschäftsideen rund ums Thema Carsharing stellte Sören Riis von der dänischen Universität Roskilde beim Mobility Forum der Hochschule vor. Sein Unternehmen Gomore, das Fahrgemeinschaften und die Untervermietung geleaster Autos fördert, stelle in Dänemark für derzeit rund 600 000 und in Spanien für rund eine Million Nutzer Alternativen zum ausschließlich persönlich genutzten Fahrzeuggebrauch zur Verfügung.

Tatsächlich stehe die individuelle Mobilität mit dem Auto mächtig unter Druck, stellte Stefan Reindl von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt am Standort Geislingen zum Auftakt des Forums fest. Der stellvertretende Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft und damit einer der Gastgeber der Veranstaltungsreihe nannte neben überfüllten Straßen, den Feinstaubalarm, den Dieselskandal sowie verkehrsgeplagte Innenstadtbewohner als Antreiber dieser Debatten. „Das kommende Jahrzehnt wird beim Thema Mobilität mehr verändern als das vergangene Jahrhundert“, beschrieb auch Thomas Weber, der Geschäftsführer der BMW-Bank München, den von der weltweiten Urbanisierung befeuerten Veränderungsdruck.

Der Ministerialdirektor eröffnet die Umweltdebatte

Und für Uwe Lahl aus dem baden-württembergischen Verkehrsministerium ist „das eigentliche Problem des Autos das CO2“. Der Ministerialdirektor eröffnete damit die Umweltdebatte, wonach die aktuelle Herausforderung darin bestehe, trotz des Einsatzes fossiler Antriebsenergien die bei der UN-Klimakonferenz in Paris vereinbarten ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen.

Seine These, ein Wandel der Mobilität sei zeitnah nur durch mehr staatliche Regulierung zu erreichen, wurde von dem Soziologen Sven Kesselring unterstützt, der in Geislingen die von der Göppinger Kreissparkasse finanzierte Stiftungsprofessur Nachhaltige Mobilität innehat und gemeinsam mit der Technischen Universität (TU) München und der Hans-Böckler-Stiftung ein Promotionskolleg aus der Taufe gehoben hat. Es unterstützt Doktoranden dabei, künftige Mobilitätskulturen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft zu erforschen. „Wir wissen noch nicht, wo wir hineingeraten, wer inkludiert und wer ausgeschlossen wird“, erklärte Sven Kesselring.

Einmaliges Modellprojekt innovativer Nahverkehr im ländlichen Raum

Die Hochschule untersucht gleichzeitig im Raum Geislingen modellhaft, wie innovativer Nahverkehr mit Rufbussen, sozialen Fahrdiensten und Carsharing die ländlich geprägten Geislinger Teilorte mit der Stadt vernetzen können. Dazu werde man eine App entwickeln, kündigte Kesselring an. Neben dieser virtuellen Plattform sollen Mobilitätszentralen in mehreren Städten im Kreis als konkrete Anlaufstellen dienen. Das Modellprojekt innovativer Nahverkehr wird mit 850 000 Euro vom Land Baden-Württemberg und mit 277 000 Euro vom Kreis Göppingen finanziert.

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