Der neue GLC hat auf dem Genfer Autosalon im März Premiere gefeiert. Foto: AFP

Daimler erweitert ab 2022 die Modellpalette am Standort Sindelfingen. Der Entscheidung vorausgegangen sind harte Verhandlungen mit der Geschäftsleitung, wie der Betriebsrat berichtet.

Sindelfingen - Daimler lässt in seinem Mercedes-Werk in Sindelfingen künftig auch das SUV-Modell GLC bauen. An dem Standort geht bereits die S- sowie die E-Klasse vom Band. Der Geländewagen GLC soll ab 2022 – neben den schon bestehenden Standorten Bremen und dem finnischen Uusikaupunki – in Sindelfingen gefertigt werden. In China gibt es noch eine weitere Fabrik, die den GLC für den dortigen Markt produziert.

„Dies ist ein guter Tag für den Standort Sindelfingen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Ergun Lümali. Er habe in den vergangenen Monaten hart mit der Geschäftsleitung gerungen. Sein Ziel: für die abgezogene Produktion der C-Klasse ein weiteres Fahrzeug für das Sindelfinger Werk zu bekommen. „Mit dem GLC, der in hohen Stückzahlen produziert wird, sichern wir langfristig die Zukunft des Sindelfinger Werks“, erklärte Lümali. Denn damit wird das Werk Sindelfingen an das weltweite Produktionsnetzwerk angeschlossen, bei dem die Standorte je nach Auftragslage und Kapazität die Über- oder Unterproduktion anderer Standorte abfangen können.

Investitionen im dreistelligen Millionenbereich

Notwendig für die neue GLC-Produktion seien Investitionen „im dreistelligen Millionenbereich“, sagt Lümali, die die Geschäftsleitung nach zähen Verhandlungen schließlich bewilligt habe.

Der Standort Sindelfingen gilt wegen des hohen Lohnniveaus im Südwesten als schwierig. „Aber die Produktionskosten sind ein Faktor, die Flexibilität unserer Mitarbeiter in der Produktion ein anderer sehr wichtiger Faktor“, betonte Michael Bauer, Chef des Sindelfinger Daimler-Standorts mit 39 000 Beschäftigten. So könnte man in Sindelfingen dank einer Vereinbarung mit dem Betriebsrat bei Produktionsspitzen kurzfristig mit Samstagsarbeit reagieren, in absatzschwachen Zeiten mit der Streichung von Schichten.

Flexible Mitarbeiter

Diese Flexibilität habe man im vergangenen Jahr in der Aushilfe für die Produktion des GLA bewiesen. Doch der GLC sei ein ganz anderes Kaliber. „Der wird nicht nur in Teilen, sondern komplett bei uns produziert. Außerdem in sehr hohen Stückzahlen. Denn das ist ein Auto, das der Kunde wünscht“, sagte Bauer. Mit dem GLC sei die 2014 begonnene Transformation des Sindelfinger Werks dann abgeschlossen, so der Standortchef. „Wir haben das Werk zukunftsfähig und wettbewerbsfähig gemacht“, erklärte Bauer weiter. „2014 hatte der Konzern beschlossen, 1,5 Milliarden Euro in die Produktion und weitere 600 Millionen in die Entwicklung und Forschung in Sindelfingen zu investieren. Ein Großteil der Maßnahmen ist bereits umgesetzt.“ Die jetzigen Investitionen in die GLC-Produktion kämen noch obendrauf. „Dass an einem Standort nicht nur die Produktion mehrerer Fahrzeuge angesiedelt ist, sondern auch die weltweite Forschung und das Design, das gibt es so nicht noch einmal“, sagte Bauer.

„Den Standort haben wir jetzt fit für die Zukunft gemacht“, ergänzte Betriebsratschef Lümali. „Die Arbeitsplatzsicherung ist ein deutliches Signal für die Region Stuttgart“, betonte er. In Sindelfingen sollen im kommenden Jahrzehnt auch Ober- und Luxusklasse-Modelle von Daimlers neuer Elektroautomarke EQ vom Band laufen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: