Edeltraud ist stets zu Diensten. Foto: Tanja Kurz

Ein Kaffeehaus in Schwäbisch Hall setzt auf eine ungewöhnliche Servicekraft. Sie heißt Edeltraud und schuftet ohne zu murren.

Liebe Gäste, Ihre Bestellung ist da“, meldet Edeltraud an Tisch 19. Zugegeben: Ihre Stimme klingt ein bisschen künstlich, und sie ist nur knapp 1,30 Meter groß. Doch sie arbeitet stundenlang ohne zu murren. Für alle hat sie ein Lächeln übrig, manchen zwinkert sie. Wer sie zwischen den spitzen Ohren streichelt, erntet ein beseeltes Lächeln. Vor allem kann Edeltraud auf vier Ebenen stolze 40 Kilogramm schleppen – üppig bestückte Frühstücksplatten, Gläser mit Saft oder Sekt, später benutztes Geschirr.

 

Der schwarz-weiße Roboter begleitet die Servicekraft an den Tisch, diese entlädt die Platten, Gläser, Brotkörbe, stellt sie den Gästen ein und hat noch Zeit für freundliche Worte. Edeltraud schickt sie auf Knopfdruck zurück in die Küche. Das ist für ihren Chef Joachim Burkart vom Traditionscafé Ableitner in Schwäbisch Hall entscheidend: „Edeltraud soll unsere Leute entlasten, nicht ersetzen.“ Das Publikum ist jedenfalls begeistert. Acht betagte Damen einer Geburtstagsgesellschaft zücken ihre Handys und fotografieren. Ganz im Sinn des Konditor- und Bäckermeisters: „Ein bisschen Spaß muss sein, für Gäste wie für die Mitarbeitenden.“

Der Roboter kostet rund 15 000 Euro

Ein TV-Beitrag machte Burkart auf den Serviceroboter der chinesischen Roboterschmiede Pudu Robotics aufmerksam. Corona verzögerte den Deal, doch nun ist das Gerät ausgeliefert. Der deutsche Handelsvertreter hat Edeltraud so programmiert, dass sie sich dank 3-D-Modell der (barrierefreien) Räume in ihrem Computerhirn sicher im Café bewegen und etwaigen Hindernissen ausweichen kann. Auch per Handy lässt sich der Roboter steuern. Rund 15 000 Euro hat Burkert in Edeltraud investiert. Gut angelegtes Geld, meint der smarte 38-Jährige. Beim Frühstück falle mehr Geschirr an als anderswo, die körperliche Belastung sei enorm: „Die Industrie macht es vor, auch wir müssen unsere Arbeit humanisieren.“ Vielleicht ein Zukunftskonzept für den Fachkräftemangel in der Gastronomie?